13/09/2008 18:41 Alter: 11 yrs

Von der Bücherbörse

Kategorie: 89/2008 - Literatur 89/2008 - Literatur

Die beste Zeit zum Bücherkauf ist, wenn das Blut die Wallstreet tränkt. Erst geht's bergab, dann geht's bergauf. Dies ist es, was Herr Decker denkt. Herr Decker hört die Wirtschaftsweisen, Die sich in ihrem Wahn verrannt. Die lauten Töne, nicht die leisen, Vernimmt er nun im ganzen Land. In Auftragsbüchern klaffen Lücken, Man nennt's verlegen Rezession. Und über rote Zahlen bücken Sich die Gelehrten leider schon. Auf voll bedruckten Wirtschaftsseiten Ertel In Experten die Lektion. Sie sind es, die die Meinung leiten, Sie waren es auch früher schon. Die wahre Pest sind Journalisten, Die ja die Krise auch verpennten. Jetzt tun sie, als ob sie was wüssten; Sie schreiben nur für Inserenten. Herr Decker mag die Werbung nicht. Sie hat als farbiger Prospekt Kaum Nutzen und nur viel Gewicht, Wenn sie in seiner Zeitung steckt. Sobald er seine Zeitung hält, Dann schüttelt er sie ziemlich wüst, So dass der Müll zu Boden fällt, Wonach er nur den Restmüll liest. Es ist sein Konjunkturprogramm; Dadurch wird seine Zeitung leichter. Es sind im Grunde nur paar Gramm, Es ist nicht viel, doch das erreicht er. Warum denn jetzt noch Aktien kaufen, Wenn's Bucher gibt in großer Zahl? Was tun, um nicht im Kreis zu laufen; Die Antwort steht im Buchregal. Ein Buch ist bestes Wertpapier; Man findet es im Handel. Und wirklich ist's, bleibt einfach hier Und sorgt für Geisteswandel. Im Grunde ist es irreal, So wie ein Kurs beim Schwanken. Beim Lesen, da geraten mal Gewissheiten ins Wanken. Ein Buch ist auch nur eine Ware; Man kann's sogar als Hörbuch lauschen. Und kommt es einmal in die Jahre, Dann steigt sein Börsenwert beim Tauschen. Sein Mehrwert liegt in andern Sphären, Verliert sehr schnell an Boden. Und doch soll man es nicht verklären ? Oft sind es Büchermoden. Mit Büchern ist doch nicht zu spaßen; Man kann es überreizen. Herr Decker prüft und liest in Maßen Und trennt die Spreu vom Weizen. Womit der Markt ihn schrill bedrängt, Das lässt er einfach liegen. So ist ein Buch, das er verschenkt, In Gold nicht aufzuwiegen. Herr Decker liegt auf seiner Wiese; Er spekuliert, notiert und schreibt. Und kommt sie dann, die Bücherkrise, Gehört ihm alles das, was bleibt. - Jacques Drescher 


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89/2008 - Literatur

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