13/09/2008 18:41 Alter: 11 yrs

Was bedeuten die Straßennamen der Stadt?

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?Tu bis (Rue) Diese kleine steile Straße im Dorfkern von Cessingen verbindet die Rue de Cessange mit dem Kohlenberg in der Nähe des Was- serturms, Wahrzeichen des Kohlenbergs. Am 10. Dezember 1969 fiel derTubishof, ein typisches Bauerngehöft und Wahrzeichen des ?ländlichen" Cessingen, einem Groß- brand zum Opfer. Der Tubishof, früherer Tobiashof oder ?der oberste Hof" genannt, überragte vom Kohlenberg aus ganz Ces- singen. Seine Ruinen mussten einer neuen Wohnsiedlung weichen. Tudor (Rue Henri) Diese Straße, so benannt durch Schöffen- ratsbeschluss vom 27. Januar 1933, stellt in Rollingergrund die Verbindung her zwischen der Rue François Boch und der Hauptstraße, nahe dem Ort ?bei der Fiels" dar. Henri Owen Tudor war Ingenieur und Erfinder mit herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik. Sein Vater, John Thomas Tudor, stammte aus Wales und war 1811 zwecks landwirtschaftlicher Studien nach Belgien gekommen. Er ließ sich in Luxemburg nieder, weil er sich hier ein reiches Betätigungsfeld erhoffte. 1850 heiratete er Marie Loser, die Tochter des Rosporter Bürgermeisters. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne hervor, davon der jüngere Henri, geboren am 30. September 1859, der den Beinamen Owen zur Erinnerung an den Gründer der Dynastic Tudor erhielt. Von 1879 bis 1883 studierte Henri Inge- nieurswesen an der Brüsseler ?Faculté des Sciences appliquées". Schon während seiner Studienzeit hatte er sich für die Elektronik, besonders im Zusammenhang mit elek- trischem Licht und Stromerzeugung, inte- ressiert. Er soll auch mit Thomas Edison, dem Erfinder der Glühbirne, in Kontakt gestanden haben. Seine Pioniertat geschah im Jahre 1881, als es ihm nach mehreren Versuchen gelang, einen verbesserten Akku- mulator herzustellen, der in seiner Kapazi-tät und Dauerhaftigkeit auf dem Gebiet der Stromspeicherung alle andern Versuche bei weitem übertraf. Der so genannte ?Bleiak-kumulator" wurde weltbekannt. 76 Was bedeuten die Straßennamen der Stadt? Henri Owen Tudor (1859 -1928) Die Dynamomaschine, angetrieben durch das Wasserrad der Tudorschen Gutsmühle, lieferte den Strom sowohl für die Mühle als auch für das Wohnhaus. 1886 ließ Henri Tudor seine Erfindung in Luxemburg patentieren, ein Jahr später auch in Frank- reich. Eine weitere persönliche Leistung war 1884 die Herstellung des ?Energy Car", eine von einem Akkumulator gespeiste fahrbare Kraftstation, die besonders der Landwirt- schaft zum Dreschen, zum Sägen und zur Beleuchtung von Nutzen war. Gemeinsam mit seinem Bruder Hubert schuf er in Echternach eine zentrale Einrichtung, um die gesamte Stadt mit elektrischem Licht zu versorgen. Mit diesem Bruder und einem Cousin zusammen baute er in Rosport eine Fabrik zur Herstellung von Akkumulatoren. Später erweiterte er seinem Betrieb durch Niederlassungen quer durch Europa, in denen zeitweilig bis zu 25 000 Menschen arbeiteten. Seinen Wohnsitz hatte er in ein neues Schloss verlegt, errichtet in der Nähe seines Eltern- hauses und umgeben von einem Parkgelände im englischen Stil. Hier verstarb er am 31. Mai 1928 an einer Bleivergiftung, die er sich bei seinen Forschungsarbeiten zugezogen hatte. Turner (Rue William) In Bonneweg verbindet diese Straße die Rue Xavier de Feller mit der Rue Demy Schlechter. Durch Schöffenratsbeschluss vom 20. April 1955 trägt sie den Namen des englischen Malers Joseph Mallord William Turner. Dieser wurde am 23. April 1775 in London als Sohn eines Barbiers geboren. Der Knabe entwickelte schon sehr früh eine Liebe zur Themse, die unweit seines Eltern- hauses vorbeifloss. Das Spiel des Lichtes auf den Wellen, der Dunst und die Nebel- schwaden über dem Wasser, die Takelagen und Segel der Schiffe sowie das rege Treiben auf den Docks waren Eindrücke, die ihn sein Leben lang verfolgten. Er erhielt keine besondere künstlerische Ausbildung, aber was er sich selbst aneignete, verbunden mit seiner großen Begabung, verhalf ihm bereits mit vierzehn Jahren zu einem Stipendium an der Royal Academy. Zehn Jahre lang arbeitete er zäh und hart und mit stets wachsendem Erfolg. 1802, im Alter von sechsundzwan- zig Jahren, wurde er zum vollwerigen Mit- glied der Royal Academy ernannt. Im selben Jahr, als der Friede von Amiens zwischen Frankreich und England abgeschlossen war, unternahm Turner die erste seiner zahllosen Reisen, die ihn kreuz und quer durch Euro-pa führen sollten. Er bereiste die Schweiz und Italien, war fasziniert von Venedig; seine Skizzenbücher, die die Grundlage für seine Aquarelle waren, füllten sich. Während seiner zahlreichen Besuche an Rhein und Mosel hielt er sich auch 1825 und 1934 in Luxemburg auf. Hier entstanden Aquarelle vom Bockfelsen und vom Rharnplateau, die sich heute im Britischen Museum befinden. Auch bezeugen weitere Skizzen von Luxem-burg den gewaltigen Eindruck, den die alte Festungsstadt auf ihn gemacht hatte. Turner gilt zu Recht als einer der großen Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts. Er erfasste die Dramatik der Natur und verstand es, ihre Mächte auf eindrucksvolle Weise darzustellen. Nicht nur seine majestätischen Landschaften, auch seine dramatischen Bil- der entfesselter Elemente beeindrucken den Betrachter. Seine erste Italienreise brachte eine einschneidende Wirkung in sein Schaf- fen. Von allen Aspekten dieser Kunst hat ihn nichts so beeindruckt wie das südliche Licht. Dieser Eindruck sollte ihn nicht mehr loslas- sen. In England begann er dann seine Auffas- sung von der Kraft des Lichts darzustellen. Viele seiner Bilder entstanden in seinen letz- ten Lebensjahren. Das allerletzte Gemälde trug den Titel ?Der Besuch am Grabe". Turner starb am 19. Dezember 1851 und wurde in der St. Pauls-Kathedrale beigesetzt. Dem englischen Staat vermachte er dreihun- dert Ölbilder und an die zwanzigtausend Aquarelle und Zeichnungen. Die meisten seiner Werke hängen in einem eigenen Flügel der Tate Gallery ofBritish Art.


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