30/06/1994 17:57 Alter: 25 yrs

Im Dialog mit der Jugend

Kategorie: 46/1994 - Neudorf 46/1994 - Neudorf

?EDITORIAL Im Dialog mit der Jugend Es ist schon paradox: Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit war die Lebenserwar-tung so hoch wie heute in den reichen Industriena- tionen, und nie zuvor war der Anteil der Alten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung so bedeutend. Aber überall wo man hinschaut, herrscht Jugend- kult: Jeans, bunte Hemden und Jacken können heute von allen Altersgruppen in fast allen Lebens- lagen getragen werden, und ganze Industriezweige sind auf Freizeit, Jugend, Schönheit und Fitness spezialisiert. Doch wann hört die Jugend auf und wann beginnt das Alter? 1985, im UNO-Jahr der Jugend, hat man sich international darauf geeinigt, den Zeitraum zwischen 15 und 25 Jahren als Jugend zu bezeichnen. 18-25jährige dürfen aber durchaus schon als ?junge Erwachsene" gelten, und juri-stisch ist die Sachlage ohnehin unmißverständlich geregelt: Mit 18 ist hierzulande jeder ein vollwerti- ger Bürger mit allen Rechten und Pflichten, die die Verfassung vorsieht. Wenn man sich die UNO-Definition zu eigen macht, dann gibt es in unserer Hauptstadt rund 9.000 Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren. Und seit 1988 gibt es auch eine spezielle Dienststelle, die die Interessen dieser Altersgruppe vertritt, nämlich der Jugenddienst der Stadt Luxemburg auf Num- mer 28 auf dem Knuedler. In einer Zeit, wo die Rate der Jugendarbeitslo- sigkeit höher als jemals zuvor ist, wo die Zahlen der Drogentoten und Aids-Kranken ständig steigen und wo die Ansprüche der Schule und des Arbeits-marktes immer höhergeschraubt werden, ist eine solche Orientierungshilfe für junge Menschen nötiger denn je. Leiter des städtischen Jugenddienstes ist der Diplompädagoge Marc Kayser, und er summiert die Arbeit seiner Dienststelle schwerpunktmäßig folgendermaßen: ? Der Kontakt- und Informationsdienst Info- Jeunes steht allen Jugendlichen die ganze Woche über während der Bürostunden zur Verfügung. Hier erhalten sie alle möglichen Informationen, Faltblätter und Broschüren über Jugendclubs, Jugendreisen, Sport- und Musikveranstaltungen, Theater, Kino usw., und wenn sie konkrete Schwierigkeiten haben (z.B. Drogen, Probleme mit der Schule oder mit den Eltern), dann werden sie unbürokratisch an kompetente Stellen weiter- geleitet. Aber auch junge Touristen finden bei Info- Jeunes alle nötigen Tips und Informationen über Jugendherbergen, Verkehrsmittel, billige Hotels, Restaurants und Ferienaktivitäten. ? Der Jugenddienst unterstützt zudem sämtli- che lokalen Jugendclubs und Jugendhäuser der Stadt Luxemburg, und er koordiniert die Zuteilung der Gemeindesubsidien an über 300 hauptstädti- schen Vereine und Organisationen (Scouts, Gui- den, Sport-, Musik und Kulturvereine). Außerdem kümmert er sich um den Austausch von Jugendli- chen innerhalb der Union des Capitales de l'Union Européenne, die alljährlich eine Veranstaltung in jeweils einer anderen europäischen Hauptstadt organisiert. ? Daneben unterstützt die Dienststelle soziale Projekte mit Jugendarbeitslosen (z.B. auf der Schläifmillen), und sie hat auch selbst eine solche Initiative ins Leben gerufen, nämlich Vélo en Ville in Stadtgrund, wo 12 Jugendliche sinnvoll beschäf- tigt werden. ? Und schließlich nimmt der Jugenddienst auch die Anträge auf Schulsubsidien entgegen, die alle in der Hauptstadt wohnenden Schüler stellen können, wenn sie eine postprimäre oder postse- kundäre Schule besuchen. Ausschlaggebend für die Höhe der Subsidien sind vor allem die soziale Stel- lung der Eltern, die Anzahl der Geschwister, die schulische Leistung und das Niveau der Studien. Couverture: Le château de Mansfeld en 1656. Huile sur toile par le moine-peintre Joachim Laukens (1603-1663). r. cl.


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