30/06/1994 17:57 Alter: 25 yrs

Die Baugeschichte der Neudorfer Kirche

Kategorie: 46/1994 - Neudorf 46/1994 - Neudorf
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?Am 8. Juli 1854 ergeht eine Petition der Neudorfer Einwohner an die Regierung mit der Forderung, ihnen das Haus ?Marner", gelegen in Neudorf, Hauptstra-ße, unentgeltlich zu überlassen, um es zu einer Kapelle umzubauen. Nach Rückspra- che mit den kirchlichen Autoritäten wird dieses Gesuch abgelehnt. In ihrem Antwort- schreiben läßt die Regierung allerdings durchblicken, daß sie durchaus gewillt sei, ein neues Projekt zu unterstützen, die Initia-tive müsse jedoch von der Eicher Gemeinde- verwaltung ausgehen. Nichts geschieht daraufhin, und so wer- den Neudorf, Weimershof und Tavioun am 17. April 1865 der neuen Kunigundispfarrei von Clausen zugeschlagen. Da sich Neudorf aber im Laufe der Zeit aus kleinsten Verhält- nissen zu einer beachtlichen Ortschaft am Stadtrand entwickelt (1806 zählt man 215 Einwohner, um die Jahrhundertwende deren 1.400), wird der Ruf der Bevölkerung nach kirchlicher Selbständigkeit wieder lauter. Die Gemeinde Eich, die während all dieser Jahre in finanziellen Nöten steckt, kann die nötigen Gelder zur Errichtung eines Gotteshauses jedoch nicht aufbringen, und so beschließen im Jahre 1885 einige Neudorfer Einwohner, einen Kirchenbau- verein zu gründen mit dem Zweck, mittels Kollekte die benötigten Mittel zu erschlie-ßen. Als treibende Kräfte dieses Komitees werden zitiert: Henri Funck, Jean-Pierre 8 Die Baugeschichte der Neudorfer Kirche Dondelinger, Jean Thill und Pierre Hoff-mann. Die Erlaubnis der Gemeinde zu die- ser Aktion erfolgt am 23. August 1885. 1887 und 1888 folgen weitere Kollekten. Des wei-teren erklären sich die staatlichen Instanzen bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Subsidien zu gewähren. Ein erster provisorischer Kostenvoran- schlag wird am 27. Mai 1893 vom Eicher Gemeinderat gutgeheißen. Er beläuft sich auf 30.000 Franken. Der Gemeinderat beschließt des weiteren, den Bau der Kirche selbst in die Hand zu nehmen und für die ungedeckten Kosten aufzukommen. Zum Architekten des Werkes wird Alphonse Kemp fils ernannt. Die von den Einwohnern aufgebrachte Geldsumme beläuft sich auf 37.434 Franken und wird in die Gemeinde-kasse eingezahlt. Laut einer Schenkung vom 15. Mai 1895 überläßt Pfarrer Peter Hoffmann der Gemeinde Eich ein Grundstück von über 30 Ar, gelegen am Ort ?Kettgesberg", mit der Auflage, dort die geplante Kirche sowie ein Pfarrhaus zu errichten. Ein weiterer provisorischer Kostenan- schlag wird am 27. August 1896 gutgehei- Sen. Er beläuft sich mittlerweile auf 36.000 Franken. Des weiteren gibt es Meinungsver- schiedenheiten betreffend die Baupläne. So kritisiert Distriktarchitekt Knepper in sei-nem Bericht vom 21. Oktober 1897, daß die Berechnung der Grundmauern nicht fach- männisch ausgeführt sei, daß das Mittel- schiff der Kirche um 2 Meter angehoben werden müsse und daß der geplante Bau zu teuer zu stehen komme. Man erwägt schließlich sogar einen Moment, den Bau des Kirchturms auf später zu vertagen, um so die Kosten zu drücken. Damit ist aber die Regierung nicht ein- verstanden, und so legt Architekt Kemp schließlich einen detaillierten Kostenvoran- schlag vor, der sich auf 41.200 Franken beläuft. Er wird vom Gemeinderat am 5. August 1898 gutgeheißen. Der Generaldirektor für Inneres gibt seine Zustimmung am 29. August, verlangt aber von der Gemeinde, daß die Arbeiten nur nach einer öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Am 6. Oktober 1898 wird der Unter-nehmer Nikolaus Flammang-Beck aus Neu- dorf mit der Ausführung der Arbeiten betraut. Die Grundsteinlegung findet Anfang 1899 statt und wird durch eine eingemauerte Urkunde belegt. Die Arbeiten erfolgen allerdings nicht ohne Komplikationen. Zum einen kommt es zu Verzögerungen, weil die für den Rohbau benötigten Bausteine nicht schnell genug geliefert werden können und man sie aus dem nahen Frankreich heranschaffen mug, zum anderen verlangen die Kirchenautoritä- ten im nachhinein eine Vergrößerung der Kirche, um der stetig anwachsenden Neu- dorfer Bevölkerung Rechnung zu tragen. Man kommt schließlich überein, das Haupt- schiff um 8 Meter zu erweitern, wogegen der Bau des geplanten Chors einstweilen ver- schoben wird, um den Rahmen der geneh- migten Kredite nicht zu überschreiten. Schlußendlich wird der ursprüngliche Voranschlag auf fast allen Posten überzogen, und die provisorische Abrechnung ergibt einen Fehlbetrag von 3.789 Franken. Der Rohbau wird im Jahr 1901 fertigge- stellt, und am 26. September desselben Jah- res findet die feierliche Einsegnung durch Bischof Jean-Joseph Koppes statt. Durch Großherzoglichen Beschluß vom 13. November 1904 wird Neudorf zur Pfarrei erhoben. Definitiv werden die Arbeiten an der Neudorfer Kirche erst im Jahre 1914 mit dem Einbau einer Heizanlage abgeschlossen. Die Konsekration erfolgt am 16. Juli 1923 durch Bischof Petrus Nommesch. Marc Ney Quellen: Chorale Ste Cécile Neudorf: brochure du 50e anniversaire; ? Chorale Ste Cécile Neudorf-Weimershof: bro-chure du 60' anniversaire.


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46/1994 - Neudorf

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