30/06/1994 17:57 Alter: 25 yrs

Friedlich und heiter ist dann das Alter!

Kategorie: 46/1994 - Neudorf 46/1994 - Neudorf

?Nahtlos geht die Rue de Clausen in die Rue de Neudorf über, der Autofah-rer merkt nicht, daß er zügig über eine unsichtbare Grenze fährt. Doch haben Clausen und Neiduerf mehr gemeinsam als eine unsichtbare Grenze. Im 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts waren sie beide das Gebiet des Schlosses des Grafen Petrus Ernestus Mansfeldus. Hat er je Lëtzebuergesch gelernt, den Här Mansfeld, wie eine Kopffigur auf einem Stein-Medaillon im Volksmund hieß? Lange genug ist er ja Gouverneur des Herzogtums Luxemburg und der Grafschaft Chiny gewesen (von 1545 bis zu seinem Tode im Jahre 1604). Schloß und Park hatte er der sanften Ruhe seines Alters gewidmet, wie auf einer schwar-zen Marmortafel in Goldlettern an der Eingangshalle zu lesen stand. Da wir etwas über die Gegend Nei- duerf erzählen sollen, werden wir uns in der Hauptsache mit dem sogenannten Déieregaart beschäftigen. Doch wollen wir kurz das Mansfeldschloß betreten und uns ein wenig umsehen, gleich als ob 10 Friedlich und heiter ist dann das Alter! es in seiner ganzen Herrlichkeit noch da stünde, so wie es der Jesuit Jean-Guil-laume Wiltheim, irgendwann in dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts noch gesehen hat, bevor es seiner Kunstschätze beraubt und dem Verfall ausgeliefert wurde. Wir stehen an einem Maitag eines unbestimmten (hoffentlich friedlichen) Jahres des endenden 16. Jahrhunderts vor dem Gartentor, das heute auf die Terrasse der Brasserie Mansfeld führt; natürlich stand es, wie allgemein bekannt, da- mals am Rande der Rue de Clausen, i-unweit der Hauptfassade des Schlosses mit den drei Türmen. Auf dem Segment- giebel, der das Tor krönt, thront ein selt- sames Gebilde aus Bronze, eine Weltku- gel, über der eine Schlange sich im Kreise windet, um sich selbst in den Schwanz zu beißen; der Kreis ihres Körpers umschließt ein goldenes Schwert. Hier drückte der Graf seine Impresa (ein Spruch, in dem ein Mensch seine Lebens- art und sein Lebensziel formuliert) in der vermeintlichen Renaissance-Hierogly- phenschrift aus) Lesen wir den Text in Goldbuchstaben auf der prächtigen Tafel: Immortalis gloriae parens labor. Durch Arbeit unsterblich Ehr. De travail immortelle gloire. Treten wir durch dieses Gartentor, dringen wir auf weichem Rasen in den Garten ein. Zu unserer Linken ein Blü-tenmeer, es ist ja die Zeit der Obstblüte; hier stehen in strenger Quincunxordnung die Obstbäume des Grafen; in Fünf eran- ordnung (eine Fünf wie auf dem Warfel). In der großen Stille hören wir plötzlich das Murmeln und Sprudeln unzähliger Fontänen; davon berichten alle ?Mans- feld"-Texte von dem ersten bis zum letz- ten. Übrigens tauchen immer wieder neue, mir unbekannte Texte auf, wie etwa derjenige Merians von 1654 in der Topo- graphia Germaniae Inferioris. Nummer zwei aber war eine größere Überra- schung. Eigentlich hatte ich in der Biblio- theca Belgica des Andreas Valerius Desse- lius Taxander2 nach einem Autor des 16.Jahrhunderts Ausschau gehalten, stellte dann aber fest, daß dem Ganzen eine kurze geographische Beschreibung der Provinzen und der Städte vorausging. In dem Text über die Stadt Luxemburg sprach Desselius ja tatsächlich auch von dem Mansfeld-Schloß: ?Außerhalb der Stadtmauern sieht man den Palast des Grafen Ernst Mansfeld, der einst Gou-verneur dieser Stadt war, ein außeror- dentliches Werk, prangend durch das Hervorsprudeln der Brunnen, usw. Im allgemeinen nennt man es La Fontaine, Graf Ernst aber pflegte es Paffendael zu nennen." Wahrscheinlich hat Graf Mans- feld diesen Namen, dem ja etwas Pfäffi- sches anhing, für sein Prachtschloß als guten Witz serviert, wenn es in der Runde in Brüssel hoch herging. Aber kommen wir zu unserem Garten zurück. Zu unserer Rechten ziehen sich die Bauten der Südseite des Schlosses hin; kurz nach unserem Eintritt fällt uns hier ein Brunnen auf; es ist der große Bac-chus-Brunnen. In einer prächtig skulp- tierten Nische thront Bacchus auf einem Faß; ?üppig verströmt er allerseits Wasser aus lebendem Quell". (J.-G. W.) Darüber in einem ovalen, leicht gewölbten Schilde in Goldlettern eine Inschrift, natürlich in Latein und Griechisch. Sie spricht davon, daß so manche vorgeben, vom Bacchan- tentaumel erfaßt zu sein, daß es aber nur wenige echte Begeisterte gibt. Bacchus, der Weingott, gilt als Freund der Musen. Er steht hier am rechten Platz, denn zwi- schen zwei vergoldeten Hermen öffnet sich ein Portal; es führt zu dem studiolo des Grafen, wie ich vermute, denn die diaeta artium war nicht der Salon der Künste im gewöhnlichen Sinne, wohl aber der Raum der Sieben Freien Künste, die, wie man weiß, sieben . . . Wissen-schaften waren. Die beiden Hermen, Figuren, die bis zur Nabelhöhe in einem Etui stecken, einem umgekehrten Pyra- Stein des Bacchus-Brunnen midenstumpf nicht unähnlich, wachen an dem Portal und bilden den Übergang zum Obstgarten. Es sind ja auch die bei- den Gottheiten der Obstgärten, Pomona, die schöne, spröde Nymphe, die sich nur für Obstbäume interessierte, und Ver-tumnus, der Gott des sich wendenden Jahres, der sich in sie verliebt hatte; der römische Dichter Ovid hat in seinen Metamorphosen die hübsche Geschichte erzählt.' Die beiden liebenswerten Figu- ren, ? sie stehen jetzt auf der Terrasse des Wëlle Mann ? sind nach einem Modell des Renaissance-Architekten Hugues Sambin, der sich selbst architecteur de Dijon nannte, gestaltet worden. Gleitet unser Blick weiter nach vorn ? wir gehen an der Südfront des Schlosses in Richtung Westen ? so sehen wir ein anderes Blüten- meer, in diesem Monat blüht ja auch der Weißdorn; dort erstreckt sich das Laby-rinth, nicht aus Stein, sondern aus Sträu- chern bestehend, ?eine ununterbrochene Dornenhecke", sagt J.-G. W. Dornig mußte die Hecke wohl sein, damit es kei-nem ungezogenen Besucher etwa einfie- le, quer durch die ?herumirrenden Wände" zum Zentrum vorzudringen. LA DIVER?SITE. Pourlrait ,71,777C-, Noch blühen nicht die Rosen der Pergolen, der Laubengänge, die es in großer Fülle im Mansfeld-Garten gege- ben haben soll; allerdings sind sie in Ver-gessenheit geraten, da niemand außer J.- G. W. von ihnen spricht. Verloren und vergessen wie auch die doppelflügeligen, schmiedeeisernen Türen, die überall im Garten anzutreffen waren und die von jeweils zwei Hermenfiguren bewacht wurden. Diese Laubengänge sind spite- stens seit den italienischen Renaissance- Villen und vor allem seit dem großen Erfolg des Liebesromanes des Francesco Colonna Der Traum des Poliphil (zuerst 1499) in Schwang gekommen. Im Traum sucht der Erzähler nach seiner verlorenen Geliebten Polia, er irrt durch bizarre Rui-nen-Landschaften, die immer mehr nach einem Renaissancegarten aussehen, fin- det endlich Polia, mit der er nun in einem Boot über Kanäle gleitet, die eigentlich Pergolen sind ? Orangen- und Zitronen- bäume bilden ein duftendes Gewölbe ? bis hin zur Insel der Liebenden. 11 2lurratalb Der etatt / gegtn )?orc Ben/ acr bein Walter/ ift men- bep bent fetr total 3ctfen / Der MonOfelDifcte 13441 iu fccn / Den Oraff parr 04 ron WtanpfcID / motanD ebiacrnator Dicks tanDce / (Or f ofibarlicly fcten/ Dub preicttig t at (dwell laflu; Da man Pt Dann liber Der wily Der fpringenDen Waffer up Q3runnen/( nut be0 Ors* feu @eniattin Ma riz ron Montmo!. renci,`)Tatmen/narictvQ3runngenant) Die Daran gclegic Runft / Die anfctenticf)e Oebcito/ ba6 1112dnifIc Oartenturcf/ ticte@cnuitlbc; filnitticte Zabel./ acre t ant) Zntiquitaten / ober alte actat/ (Ms .Dcpbturcte @Om / pitaptien/ pub Dergtricten) rub Den Zt iergarten /le Den palafi / antra atn rcirDern Ztcit/ atienttatben ombgibet / ;u vcrtrunDern tat. Bibliothèque royale Albert /er Merian, 1654 Réserve précieuse VB. 10031Labyrinth und Pergola, anonym, 16. Jahrhundert In diesem Augenblick werden wir aus unseren Blütenträumen geweckt, nein, nicht durch die Nachtigall wie Poliphil! sondern durch ein markdurchdringen- des, heiseres Kuhgebrüll. Kühe im Traumgarten? Ja, daran kann kein Zwei- fel bestehen, dicht neben den vergoldeten Hermen erstreckten sich die Kuhställe. Über den Kuhställen und dem Salon der Sieben Künste zog sich der Prunksaal hin, die sogenannte Galerie. Und eigent- lich steht dieses Herzstück des verfalle- nen Schlosses noch teilweise; die großen Kreuzstockfenster, die sogenannten Renaissancefenster, sind noch deutlich, wenn auch jämmerlich verbaut, zu erken-nen. Diese riesigen Fenster öffneten sich auf beiden Seiten des gewaltigen Saales (45 m lang, 7,5 m breit), den sie mit Licht geradezu überfluteten. Eine Galerie, breiter als ihr Vorbild, die Galerie von Fontainebleau! (64 m lang, 6 m breit). Zwischen den Fenstern hingen goldum- rahmte Leinwandbilder, die, wie J.-G. W. an anderer Stelle lobend hervorhebt, in Ölfarbe (oleaceis coloribus!) gemalt waren. Darüber lief eine margo (Rand, Einfassung, Fries?), auf dem 128 histori-sche Persönlichkeiten aller Zeiten, darun- ter der Graf selbst, wie nur natürlich, dargestellt waren. Wir wissen sogar, daß diese hochgestellten Personen alle in der damals üblichen Form der Büste, nämlich umbilico tenus, bis zum Nabel, darge- stellt waren. Die großen Bilder in Gold- rahmen stellten z.B. die Belagerung von Maestricht dar, ein anderes die Stockade- Brücke, eine riesige Schiffbrücke, welche die Schelde versperrte, die aber Gianni- belli, ein italienischer Ingenieur, der Archimedes von Antwerpen, durch eine Höllenmaschine gesprengt hatte. Welt- weite Sensation damals, und Mansfeld durfte sagen, er sei dabei gewesen! Wenn wir weiter nach Westen blik- ken, sehen wir vielleicht den Eingang zu anderen überraschenden Bauteilen des Schlosses, z.B. dem Cryptoporticus, der in der Grotte endete. Ein Cryptoporticus in dieser Zeit, ? die Information stammt 12 aus einem zeitgenössischen Lexikon ?, war ein unterirdischer Gang oder aber ein Gang, der vorgab, unterirdisch zu sein! In diesem Porticus standen in kunstvoll gestalteten Nischen die Bildnisse fünf römischer Kaiser, in Hermenform und aus schwarzem Jaspis, ihre Köpfe aber waren aus goldschimmernder Bronze, was im dämmernden Halbdunkel des Cryptoporticus von eigenartiger Wir-kung gewesen sein muß. Eigentlich sind wir kaum mehr als zwanzig Schritte in den Garten hineingekommen, und schon wird es Zeit, daß wir das verwunschene Schloß verlassen. Zur Erforschung dieses Objektes genügen Texte und Bilder allein nicht, es fehlt der archäologische Befund! Die Sti- che, Zeichnungen, Gemälde sind eben keine Lichtbilder, der Künstler kann die Wirklichkeit seinem Schönheitsverständ- nis entsprechend verändert haben. So z.B. kann er Türme der Hauptfassade hexagonal darstellen anstatt viereckig, was ja banaler ist, oder er hat uns unbe-dingt den hübschen kleinen Erker am äußersten Turmrand zeigen wollen, usw. Wenden wir uns dem Tiergarten zu, der, wie alle Texte übereinstimmend sagen, das Schloß auf drei Seiten umschloß, nur nicht auf der Gartenseite oder Südseite, was eigentlich einleuch- tend sein müßte. Hirsche und Wildsäue in einem kunstreichen Renaissancegarten sind ein Ding der Unmöglichkeit. Wie ausgemacht, will ich nur von dem Déiere- gaart, der zu Mansfelds Lebzeiten hier bestand, seiner Mauer, seinen Bauten und Toren, deren Lage, Aussehen und prunk- voller Innenausstattung, von seinen Bewohnern und einigen technischen Ein- richtungen etwas berichten, und zwar nach den mir zugänglichen ?Mansfeld"- Texten und einigen alten Karten. Das wird umso schwieriger, als uns hier bildliche Darstellungen gänzlich6-071:411111 . , fiYtii smrtylkot ,;(t. ? =vow 4:torrni bittt I 4% Joachim Laukens 1656, Palatii et hortorum Comitis Mans feldiae . . Reliquiae . . oder fast gänzlich fehlen. Die Einfas-sungsmauern, die wir auf den üblichen Stichen sehen, gehören nicht zur Tiergar-tenmauer, sondern zum eigentlichen Schloßbau mit Garten. Es war dies eine außerordentlich starke Mauer (Abt Ber- tels in seiner Historia Luxemburgensis), eine gewaltige steinerne Mauer, formu- liert J.-G. W. Bei J.-G. W. stehen auch die ersten Aussagen zu den Dimensionen, ungefähr eine leuca Germanica sei der Umfang gewesen, eine teutsche Meile also, . . . und was ist das? Etwa die 7,420 km, welche die Lexika angeben? Ziemlich unwahrscheinlich! Die nächste Angabe finden wir in der 1707 anonym veröffent- lichten Histoire du Comte de Mansfeld des Jean-Frédéric Schannat, wo der Mauer eine Höhe von 10 Fuß (ca 3 m) und ein Umfang von 2.350 toises zugewiesen wird (ca 4.580 m). Diese Maße werden jetzt von allen übernommen, nur für die Höhe wird einmal die abweichende Zahl von 12 Fuß (3,6 m) angegeben. Wie verlief diese Mauer? Sehr rasch wird man auf alten Karten fündig; besonders interes- sant ist mir der Plan de Luxembourg et de ses environs des Bernard-Antoine Jaillot von 1735, 1741, 17904 vorgekommen, auf dem man den von J.-P. Koltz in seiner Baugeschichte der Stadt und Festung Luxemburg I beschriebenen Verlauf die- ses gewaltigen Baues noch recht gut erkennen kann Mit dem Plan de Luxembourg et de ses environs des Bernard-Antoine Jaillot begab ich mich dann ins Katasteramt. Auf meine Nachfrage hin erklärte mir Direk- tor Nicolas Folmer zuvorkommender Weise, daß der Verlauf der Mauer anhand der Urkatasterpläne wahrscheinlich noch ziemlich genau zu erstellen wäre, was jedoct eine eingehende Untersuchung voraussetze; die soll dann im Rahmen einer Gesamtstudie zur Mansfelddomäne veröffentlicht werden. Gibt es in den erhaltenen Bilddoku- menten einen Hinweis auf diese gewaltige Steinmauer? Nun, da ist zunächst das für die Erforschung des Mansfeldschlosses wertvolle Gemälde von Joachim Laukens Palatii et hortorum Comitis Mansfeldiae von 1656, das schon oft zur Rektifikation der ?verschönernden" Stiche herangezo-gen worden ist.6 Ganz links im Bilde sehen wir das Margarethen-Hospital; die Kapelle, die ja heute noch als Privatwoh- nung besteht, zeigt hinter der Hauptfas-sade ihr Dach; von dort aus verläßt eine gelblich gemalte Mauer ? leider sofort ? das Blickfeld des Malers und des Betrachters. Wenn wir jetzt an den rech- ten Rand des Gemäldes gehen, sehen wir rechts unterhalb des Hügels von Altmün- ster, die Eingangshalle des Schlosses, heute Brasserie Mansfeld, mit ihrem Türmchen. Ganz rechts geht am Rande dieses Gebäudes eine Mauer fort, die wie-derum nach kürzester Zeit unser Blick- feld verläßt. Und weiter folgen wir den Erklärungen J.-G. Wiltheims: Die Mauer, sagt er, habe zwei Berge und ein Tal umfaßt. Wenn man sich den Plan Jail- lot ansieht, hat man aber den Eindruck, die Mauer sei über drei Berge und zwei Täler gelaufen, aber man kann natürlich auch die Einbuchtung zu Weimeschhaff hinauf als eine Schlucht ansehen, wäh- rend das spätere Neiduerf deutlich als Tal gelten kann. In die Mauern selbst, fährt J.-G. W. fort, waren Pforten und Gebäude eingesetzt. Das lateinische Wort insertae, ?eingesetzt", ist von großer Wichtigkeit. Die fünf Pforten, von denen nunmehr gesprochen wird, waren also allesamt in den Verlauf der Tiergarten- mauer ?eingesetzt"; wir sollten also nicht versuchen, einige davon mit den anderen bekannten Schloßpforten gleichzusetzen (wie z.B. mit der oben erwähnten Gar- tenpforte). Eine davon lag im Tale, vier auf den Bergen! 13A) Die Pforte des Heiligen Petrus ?Die Pforte im Tale wird Tor des Hei- ligen Petrus genannt, es ist ein Gebäude, das in der Mitte von vier Türmen steht; es ist mit eigenen Schlafzimmern und Auf- enthaltsräumen (diaetae), welche dieselbe prächtige Einrichtung aufweisen wie der Palast, ausgestattet". Fünf Türme habe sie aufzuweisen gehabt, heißt es des öfte- ren; sagen wir eher, sie war fünfteilig. Gleich darauf spricht J.-G. W. von einem Saal im zweiten Stockwerk; längst ist gewußt, daß er das Parterre, das Erdge- schoß, als erstes Stockwerk bezeichnete. Also würde ich einmal für die Peters- pforte auf ein Parterre mit einem ersten Stockwerk tippen. Petrus Ernestus Mans- feldus, der ja alles gebaut hat, so J.-G. W , hat diese Pforte dem Heiligen Petrus geweiht. (Daß sie wegen seines eigenen Namens so genannt wurde, versteht sich am Rande; das Bild des Hausherrn hing auch am Ehrenplatze des großen Saales (aula) im ?zweiten" Stockwerk). Bevor wir uns der Innenausstattung zuwenden, sollten wir ein Wort zu der Lage dieser Pforte des Heiligen Petrus sagen. Keine ist wie sie auf der Karte her- umgewandert. Einmal liegt sie in der Gegend des Malakoffturmes, dann bei Weimeschhaff, beim Hondhaus, dann im Neiduerf, dann wiederum in Clausen bei der Brasserie Mansfeld. Und was die Sache noch verzwickter macht, mehrere Pforten scheinen diesen Namen getragen zu haben; jedenfalls spricht A.C. Merjai am Ende seiner weitschweifigen Beschreibung des Schlosses von einer 14 Auszug aus dem Jaifiot-Plan (Musée d'Histoire de la Ville de Luxembourg) . ? . fausse porte de St-Pierre im Margare- then-Hospital! . . . c'est dans le même bâ- timent que se trouve la fausse porte de St- Pierre. Und die ?richtige" Pforte des Hei- ligen Petrus? Versuchen wir es einmal folgender- maßen: 1) Nach J.-G. W. war sie in der Tier- gartenmauer eingesetzt und lag im Gegensatz zu den vier anderen Tiergar-tenpforten in dem Tale, sagen wir also in dem heutigen Neiduerf. 2) A.C. Merjai spricht bei seiner Beschreibung des Déieregaart von einem vallon, dessen Ausgang un petit bâtiment orné de quatre petites tours quarrées war, au milieu desquelles il y avait une grande porte de sortie pour passer dans la forêt dite le Grünwald ou pour prendre le che- min de Trèves . . . Merjai gibt allerdings keinen Namen für dieses Gebäude; aber die Beschreibung der Ruine scheint mir auf das viertürmige Peterstor und auf das Tal des späteren Neudorfs hinzuweisen. 3) Der Plan de Luxembourg et de ses environs des B.-A. Jaillot zeigt deutlich, wie mir scheint, die Lage einer Porte St Pierre in der Gegend des heutigen Neu- dorf kurz vor einer alten Weggabelung. Die gleiche Feststellung kann man auf der Karte des J. de Ferraris machen, wo ebenfalls eine Peters Port in derselben Gegend eingetragen ist. Also im Neudorf lag sie, wie J.-P. Koltz8 und abbé Joseph Reuter' und auch wohl andere gesagt haben. Bei dem melancholischen Spazier- gang im Tal, wo heute Neudorf liegt, ist dann die Begegnung des A. C. Merjai mit den Waschfrauen erfolgt. Dieses einst so liebliche einsame Tal, klagt Merjai, ach, was ist aus dem herrlichen Platz gewor- den? Einige Privatleute haben hier Waschbrunnen angelegt, und während man spazieren geht, trifft man auf Schritt und Tritt Waschfrauen, so schön wie die Furien der Unterwelt, . . . (den Rest lieber in der Originalsprache!) sans compter leurs belles attitudes qui est de montrer leurs culs aux passans et qui en outre vous charment les oreilles par les coups de bat- toir qu'elles frappent en cadence aussi charmante que harmonieuse sur un linge aussi sale que merdeux. Sehen wir uns lieber weiter in der Pforte des Heiligen Petrus um! Im ?zwei- ten" Stockwerk gab es einen großen Saal, den man durch drei Türen betreten konn-te. Über der ersten hing ein Bild des Peter-Ernst Graf von Mansfeld, über der zweiten und der dritten Tür sah man die Bilder der Maria von Montmorency und der Margarethe von Brederode, den bei- den Gattinnen des Grafen. An den Wän- den dieses Saales bewunderte der Besu-cher Darstellungen der Jagden des Kai-sers Maximilian I., alles Jagden auf Hir-sche und Keiler, wie J.-G. W trocken bemerkt. Zu einem Wildgehege passen diese Bilder, welche alle Wände ringsum bedeckten, sehr gut. Neben diesem Saal gab es in einem der Türme ein Schlafzim- mer, in dem ?Geschichten von Diana, Callistô und den Nymphen in den Wäl- dern" dargestellt waren, und J.-G. W. verweist kurz angebunden auf ein mytho- logisches Handbuch der damaligen Zeit. Angesichts der Szenen der griechischen Sagen, die gewöhnlich ja auch nackte Göttinnen und Götter voraussetzen, hat J.-G. W. gleich zu Beginn seiner Beschreibung des Schlosses (5 1) seine Abneigung recht deutlich ausgedrückt (?auf beiden Seiten gibt es mehrere Sta- tuen, die weil nackt, kaum wert sind, erwähnt zu werden"); das ist natürlich bedauerlich, da wir auf diese Weise nur selten erfahren, worum es eigentlich ging. Die Erwähnung der jungfräulichen Jagdgöttin Diana weist auf eine damals sehr beliebte Episode hin: Diana hatte nach den Anstrengungen der Jagd mit ihren Gefährtinnen in einer Grotte, wo ein Quell ein natürliches Becken mit kla- rem Wasser füllte, ein Bad genommen, dabei hatte der Jäger Aktaion sie unge- wollt überrascht, empört hatte Diana ihn mit Wasser bespritzt, wodurch der Unglückliche sich in einen Hirsch zu ver- wandeln begann; er wurde ein Opfer sei-ner eigenen Hunde. Der Name Callistô spielt auf eine Episode an, die noch seltsamer wirkt und die man unter die zahllosen Liebesaben-teuer des obersten Gottes Jupiter-Zeus einreihen kann; Callistô war eine der Jagd-Gefährtinnen der Diana und als sol- che zur Jungfräulichkeit verpflichtet.Jupiter hatte sie verführt, und sie erwar-tete ein Kind von ihm. Als dies ruchbar wurde, verjagte Diana sie aus der Mitte der Jagdgefährtinnen. Arkas wurde geboren, die eifersüchtige Göttermutter Juno aber verwandelte die Unglückliche, um sie ihrer Schönheit zu berauben, in eine . . . Bärin, Jupiter aber versetzte Mutter und Sohn unter die Sterne, wo Callistô als Große Bärin (die Bärin = gr. arktos >Arktis) unter den strahlenden Gestirnen weilt. B) Die Karlspforte Zwei Berge umfasse die Tiergarten-mauer, hatte J.-G. W. gesagt; jetzt fährt er fort: ?Auf dem Berge, der nach Westen liegt, ragt die Porta Carolina empor (emi- net), ein weitläufiges und großartiges Gebäude (aedificium amp] um et magnifi- cum) . . ." Die Wortwahl unseres Autors ist wichtig; eine derartige Beschreibung paßt kaum auf ein kleines Förster- oder Pförtnerhaus mit Tordurchgang, wohl eher auf einen Prachtbau, eine Ehren-pforte, zum Ruhme Karls, des ältesten Mansfeld-Sohnes, errichtet. Was ihre Lage anbelangt, so scheint allgemein angenommen zu sein, die Pforte habe bei Weimeschhaff gestanden. Zwar ist sie nicht auf dem Plan faillot namentlich erwähnt, wohl aber auf einer kleinen Kartenskizze, die aus dem Natio- nalarchiv stammt und die mir von Paul Margue zugänglich gemacht wurde, wofür ihm an dieser Stelle gedankt sei. Es handelt sich um eine Skizze, die dazu bestimmt war, in einem Prozeß am 8. Juli 1647, also noch nahe an der Mansfeldzeit (Mansfeld stirbt 1604), vorgelegt zu wer- den. Hier erkennen wir bei T La Caroline mitsamt dem Weg, der aus dem Déi ere-gaart durch die Murailles du parcq in die Felder, vorbei an der cense de Weimers- haff fiihrte. Hier stellt sich die Frage, wie das ?weitläufige und prächtige Gebäude" wohl ausgesehen haben mag. In der Übersicht zu seiner Schloßbeschreibung nennt J.-G. W. als Titel zu S 9: die Karls- pforte aedes Carolinae, also Karls HAUS und so auch die Oktavianspforte aedes Octavianae, also Octavians HAUS. Eine kuriose Einzelheit unserer Kartenskizze sind die konventionellen Zeichen, mit denen die beiden auf der Karte sichtbaren Pforten dargestellt sind. Während die Porte St-Pierre als ein gegliederter Bau erscheint, so daß sie an den fünfteiligen symmetrischen Bau der Beschreibung erinnern könnte, ist die Karlspforte als massiver rechteckiger Bau mit einem davor oder dahinter stehenden Turm dar- gestellt. Und wie sah es in dem Luxus?haus" Karls aus? In einem Saal, der in der Mitte des ?zweiten" Stockwerks lag, war der Kamin über Kaminsturz und Gesimse auf dem sogenannten Abzug mit Bildern aus den griechischen Sagen, die sich um die Eroberung der Stadt Troja ranken, geschmückt; ein erstes Bild, auf der glat- ten, schiefen Vorderfläche des Abzuges, zeigte Odysseus, den Vielgewandten, wie er zwei Ochsen zusammenbindet. Viel- leicht ist es eine Anspielung auf den ver- geblichen Versuch des Odysseus, sich am Kriege gegen Troja vorbeizudrücken, indem er den Stumpfsinnigen spielte. Er pflügte den Sand am Meeresstrand... Auf der einen Flanke des Kaminabzuges zeigte der Maler die Hilfstruppen und den Nachschub, die für das zehn Jahre von den Griechen belagerte Troja am Hellespont herbeigebracht wurden, auf der anderen Seite ging von der berühmten List des Hölzernen Pferdes die Rede, und das Bild zeigte Sinon, der, indem er sich als Opfer der Griechen ausgab, die Troja-ner überredet hatte, das Hölzerne Pferd, in dem die achäischen Krieger verborgen waren, in die Stadt zu ziehen. Über den zwei Türen sah man zwei Bilder, das Por- trät Karls, und dasjenige Oktavians, der Söhne des Petrus Mansfeldus. Rundher- um, fährt J.-G. W. fort, waren die Wände mit Jagdbildern wie mit Teppichen bedeckt, und zwar zeigten diese Bilder Jagden auf Löwen, auf Büffel, auf Stiere, auf Bären und auf Leoparden, alles offen- sichtlich keine leichte Beute! Natürlich kam in einem Jagdgehege die Jagd in allen ihren Formen zu Ehren, diese Bilder zei- gen aber auch das wachsende Interesse dieses Jahrhunderts an der realistischen Darstellung des wilden und gefährlichen, wenn möglich exotischen Tieres. Unser Mentor hält darauf zu betonen, daß der Rest der Ausstattung den andern Teilen des Schlosses ähnlich war; wir dürfen also mit einer prächtigen Innenausstattung rechnen wie Decken aus vielfarbenem Holze, Möbel mit Goldverzierung und Intarsienarbeiten, Mosaiken, farbige Flies en u.ä. C) Die Oktavianspforte ?Gerade gegenüber der Karlspforte, auf dem gegenüberliegenden Berge, nach Osten, sieht man die Oktavianspforte, ein Gebäude, das der Karlspforte in jeder Hinsicht ähnlich ist." Auch hier herrscht unter den For- schern Einstimmigkeit; in der Nähe von Fetschenhaff soll dieses Gebäude gelegen haben, wo der Name eines lieu-dit Op Tavioun die Erinnerung an Oktavians Haus wachhält. Fetschenhaff (Feit Che- nauve nach einer französischen Karte) genau wie Weimeschhaff lagen außerhalb der Tiergartenmauer; die beiden censes, die beide sehr alte Siedlungen sind, finden sich auf dem Plan Jaillot leicht wieder. Nur ist die Oktavianspforte nirgends zu sehen. Auch unsere Kartenskizze aus dem Nationalarchiv zu dem Prozeß von 1647 hilft uns da nicht weiter. Auf einem Plan de Luxembourg. . . du 5 juillet 1684 (in J.-P. Koltz' Baugeschichte, S.232 ein-zusehen) findet man, in den Verlauf der Mauer eingesetzt, in der rechtwinkligen Einbuchtung nach Norden, genau gegen- über der Porta Carolina ein Rechteck ? ohne Beschriftung ? eingetragen, wahr- scheinlich die Octaviana. Zur Innenausstattung faßt sich J.-G. W. überraschend kurz: ?Die Bilder brin-gen nichts anderes als Küchen, Gärten, Felder, und so weiter". Es ist nun wirk- lich bedauerlich, daß unser Mentor hier so kurz angebunden und fast unwillig spricht! Küchenszenen, Garten- und Feldarbeit könnten Themen der Genre- Malerei sein, wie sie in dieser Zeit vor allem in den Niederlanden blühte. Auch an anderen Stellen des Palastes gab es der- artige realistische Darstellungen, wie etwa die eines Gemüsemarktes, eines Käsemarktes in Holland, einer Küche mit all ihrem Geschirr oder Szenen aus der Welt der Arbeit, wie etwa der Zimmer- leute, der Schmiede, der Bergleute und der Gießer. 15Aber da bleiben ja noch zwei Leer- stellen. Welche Tore oder Pforten lagen noch auf den Bergen? Es gab, klärt uns J.-G. W. auf, in der Mauer des Geheges (vivarium) noch zwei Gebäude, und zwar auf beiden Seiten, was nur bedeuten kann, daß das eine auf dem westlichen, das andere auf dem östlichen Berge lag. Beide waren gleichsam Türme, und sie wurden nie fertiggebaut. Nicht unmög- lich ist, daß die eigentümliche rechtwin- kelige Ausbuchtung, welche wir in den Turm 1 Porta S. Petri ? Porta Carolina ? ? Porta Octaviana ? Aber dies ist pure Spekulation. Ein Blick noch auf das Gemälde von Joachim Laukens. Abbé Joseph Reuter° hat die beiden Gebäude, die auf den Höhen emporragen, mit der Porta Carolina und der Porta Octaviana identifiziert; von der Thematik des Bildes her möchte ich dem unbedingt zustimmen, man könnte natürlich auch an Weimeschhaff und an Fetschenhaff denken", die ja nicht mit den Pforten identisch waren. Es handelt sich jedenfalls um größere Gebäude, hin-ter oder vor denen ein Turm zu sehen ist. Mich wundert allerdings, daß J.-G. W. in der Beschreibung der beiden ?Häuser" diese Türme nicht erwähnt. Andererseits hat der Autor der kleinen Prozeßkarte als konventionelles Zeichen für die Porta Carolina ein Rechteck mit einem dahin-terstehenden Turm verwendet, eine zumindest verblüffende Übereinstim- mung der Karte mit dem Gemälde des Joachim Laukens. Wie hat es nun im Innern des Therio-trophions ausgesehen? Am besten verlas- sen wir uns auf Abt Bertels, der in elegan- tem Latein den Zustand des Déieregaart zu Mansfelds Zeiten wiedergibt. Der Tiergarten bestand, sagt er, aus vielen Morgen Land; er war überreich an Wie-sen, Feldern, Tälern, Hügeln, Abgrün- den, Dickicht, Buschwerk, Dornenge- strüpp, Wäldern, Weihern, Höhlen und anderen passenden Schlupfwinkeln, die dem Wild als Wohnung dienen konnten. J.-G. W. spricht nur sehr summarisch von Aufenthaltsorten (stabula, ein Wort, das wir allerdings nicht mit Ställen überset- zen sollten, bestenfalls könnte man an überdachte Futterstellen denken). Wel- che Insassen darf man nun in dem Déiere- 16 murailles du parcq auf der Prozeßkar- tenskizze nahe bei I sehen, dort wo die Mauer brüsk nach Süden abbiegt, der Grundriß eines dieser Türme ist. Leider läßt uns die Prozeßkarte für den exakt gegenüberliegenden Teil der Mauer, also bei der Oktavianspforte, im Stich. War auch hier ein derartiger Turm eingebaut? Das würde natürlich eine symmetrische Anordnung der Pforten und Türme ermöglichen. Turm 2 gaart vermuten? Als ich in fernen Schulta- gen zuerst von Mansfelds Déieregaart hörte, stellte ich mir natürlich eine Art Zoo vor, in welchem der Graf Löwen, Tiger, Elefanten und Nashörner gehalten hätte. Natürlich ist dies nur eine Jugend- phantasie; zwar gab es im Déieregaart auch exotische Tiere, aber nur auf den beliebten Jagdbildern, welche die Zim-mer der Pforten schmückten (Löwen, Bären, Leoparden, Büffel); das Interesse dieser Zeit für exotische Tiere, die keine Fabelwesen waren, wie etwa das Nas- horn, ist sehr groß gewesen. Nur finden wir in den ?Mansfeld"-Texten außer den Hirschen und Damhirschen bloß noch Keiler, Rehe und Hasen als Insassen erwähnt. Was man noch an heimischen Tieren so jagte, geht aus einigen Jagdbil- dem in den Gartenpavillons hervor: Da geht von Kaninchen die Rede, von Hir-schen, Hasen, Dachsen, Keilern, Fisch- ottern und Reihern. Jetzt strebt J.-G. W. rasch dem Ende seiner Beschreibung zu; es gab da noch, sagt er, Keller, in denen man Eis aufbe-wahrte für die Sommerzeit, um damit die Becher zu kühlen. Zudem befanden sich im Déieregaart auch ?Wassertürme mit ihren Rädern und Wassermaschinen"; mehr erfahren wir darüber nicht, weder wo sie standen, noch welches genau ihre Rolle in dem System von Quellen, Behäl- tern, Röhren, Brunnen gewesen sein mag. Der Ruhe seines Alters hatte Mans- feld seinen Schloßbereich gewidmet, er hatte aber hinzugefügt, ?worum er im Gebete Gott anflehe". Friedlich und hei- ter ist dann das Alter; unter diesen Vers aus der Abendphantasie des Dichters Fr. Hölderlin hatten wir diese Ausführungen gestellt. Wenn in späten Jahren aus Madrid, Prag oder Brüssel die staubbe-deckten Eilkuriere eintrafen, so stand auf den versiegelten Umschlägen ab 1594: Dem Fürsten Mansfeld. Ob den alten Mann, während er die Siegel der Depe-schen erbrach, der Gedanke an die vielen Toten oder an die brennenden Städte gequält hat? An zwei Tote wird er bestimmt gedacht haben: Die beiden Söhne, für die er die stolzen Pforten im Déieregaart aufgerichtet hatte, waren beide im Kriege umgekommen, Oktavian 1591, Karl 1595. War das die abendliche, heitere Altersstille, die der Graf sich 1574 gewünscht und 1590 vom Himmel erfleht hatte ?12 1604 stirbt Mansfeld und wird in der Grabkapelle auf dem Knuedler beige- setzt. Später, in der Revolutionszeit, wird Mansfelds Grabstätte profaniert, die Gebeine werden zerstreut, und die Bron-zestatuen, die ihn mit seinen beiden Frauen als gisants darstellten, werden schließlich unter wuchtigen Hammer- schlägen zu einem unförmigen Bronze- klumpen verarbeitet, aus dem man dann eine Glocke gießt. Mansfelds Renais- sance-Schloß mit den Gärten und Wei- hern, den Brunnen, den Römersteinen, dem Cryptoporticus und der Grotte, den Altanen und Balustraden, den Pergolen, dem exotischen Hängenden Garten, den manieristischen Pavillons, wird der bewußten Zerstörung und dem natürli- chen Verfall preisgegeben, bis heute. Der Rest ist Schweigen. Othon Scholer O. Scholer: Le serpent qui se mord la queue. Un emblème perdu du château de Mansfeld. Hémecht 1992, 2. Jahrg. 44 Valeri Andreae Desseli I.C. Bibfiotheca Bel- gica: De Belgis vita scriptisq. claris Lovanii M DC XLIII (1643) cf. O. Scholer: Deux survivants du grand naufrage. Hémecht 1991, 1. Jahrg. 43 4 E. van der Vekene: Les Cartes géographiques du Duché de Luxembourg, Luxembourg 1975, p. 295-298. 5 J.-P. Koltz, Baugeschichte der Stadt und Festung Luxemburg I, Luxemburg 1970, S. 160 (mit zwei Karten S. 8 und S. 232 [Abb. 1 und Abb. 70]) Vor allem von J-.-P. Koltz in EC. Mansfeldia 1919-1979, S. 56f. 7 E. van der Vekene: op. cit. pp. 340/341 J.-P. Koltz, Baugeschichte der Stadt und Festung Luxemburg I, Luxemburg 1970, S. 162 Bei der Brauerei H. Funck . . . 9 Abbé Joseph Reuter: Chorale Ste Cécile Neudorf 1919-1969, 50 anniversaire, pp. 42 sqq: ... in Neudorf bei der Brauerei Funck " In Hémecht 20, 1968, 1 und in Neudorf, Werden und Wachsen eines Vorstadtortes, Chorale Ste Cécile Neudorf 1919-1969, 50' anniversaire, pp. 42 sqq " Beides alte Siedlungen: Für Weimeschhaff zitiert Pierre Bausters eine Urkunde aus dem 13. Jahrhundert, in der Weimershof vor- kommt. In Neudorf und seine 75jährige Pfar- rei (Chorale Ste Cécile Neudorf-Weimershof, 60' anniversaire 1979), p. 31. Fetschenhaff soll nach Joseph Reuter um die Mitte des 16. Jahr- hunderts von den Mönchen der Münsterabtei erbaut worden sein. (Hémecht 15, 1963, 1 S. 121). 12 Nach zwei datierten Inschriften im Schloß.


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46/1994 - Neudorf

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