30/06/1994 17:57 Alter: 25 yrs

Der "Seminärsbierg" auf Weimershof

Kategorie: 46/1994 - Neudorf 46/1994 - Neudorf

?Der ?Seminärsbierg" auf Weimershof Am Westende der lang gestreckten Weimershofer Höhe, auf dem Gebiet der Sektion Neudorf innerhalb der früheren Gemeinde Eich, liegt der ?Seminärsbierg". Obwohl erst zwischen 1970 und 1973 auf dem Felsenhiigel über Clausen das Luxem- burger Priesterseminar ?Centre Jean XXIII" entstand, wurde bereits seit längerem dieser Teil des Plateaus von Weimershof als ?Semi- närsbierg" bezeichnet. Die bewaldete Höhe diente nämlich während vieler Jahrzehnte als wöchentliches Ausflugsziel der Seminari-sten, die bis 1930 ihre Studienanstalt im Bereich des ehemaligen Jesuitenkollegiums neben der Kathedrale hatten und 1930 nach Limpertsberg, ins frühere sogenannte ?Amerikanische Kloster" übersiedelten. Dank einer Schenkung des ersten Präses des Priesterseminars, Johann Michael Führ (1845-1884) aus Echternach, der nach der Schleifung der Festungsanlagen das Gelände etappenweise erworben hatte, gelangte das Seminar 1885 in den Besitz der ausgedehnten Waldhöhe über Clausen, und eine zweite Schenkung aus dem Jahre 1911 erweiterte den Besitz. Die Ortsbezeichnung ?Seminärsbierg" weist jedoch nur auf die jüngere Geschichte des Felsenhügels über Clausen hin. Histo-risch aufschlußreich sind die beiden Kata- sterbezeichnungen ?Auf der Hoecht" und ?Im Thiergarten" (= ?Am Déieregaart"). Namentlich letzterer Ortsname wirft ein Licht auf die Geschichte des Terrains und verbindet den ?Seminärsbierg" unmittelbar mit dem Tiergarten des Grafen Peter Ernst von Mansfeld, Gouverneur des Herzogtums Luxemburg von 1545 bis 1604. Wie der Beitrag von Othon Scholer (S.10-16) in allen Einzelheiten erläutert, errichtete Graf Mansfeld ab 1563 im Bereich des alten Tiergartens des Luxemburger Gra- fenschlosses entlang der Alzette das Schloß ?La Fontaine" und legte neben dem eigentli- chen Schloßgarten einen erweiterten Tier- park auf der Anhöhe über seiner Residenz an. 1572 gliederte er deshalb 100 Morgen Land, die zum Gutshof von Weimershof gehörten und Eigentum des Heilig-Geist- Klosters in der Stadt Luxemburg waren, sei-nem Besitz in Clausen ein. Noch heute weist ein Renaissancesteinrelief mit der Inschrift des Grafen im Bering des Seminars auf den mansfeldischen Tiergarten hin. Auch nach dem Verfall des Schlosses ?La Fontaine", der bald nach dem Tode des Grafen einsetzte, behielt das Terrain die Bezeichnung ?Parkhöhe". Auf französi- schen, nach 1684 entstandenen Stadtansich- ten ist die Bezeichnung ?Hauteur du Parc" angegeben. Während langer Zeit war die Parkhöhe über Clausen trotz ihrer strate- gisch wichtigen Lage ein offenes, freies Gebiet, das nicht in die Befestigungsanlagen der Stadt Luxemburg einbezogen war. Hier- für zeugt z.B. das Gemälde Van der Meu- lens, das die Belagerung der Stadt durch die französischen Truppen 1684 festhält. Auch der 1805 entstandene ?Plan-relief" von Boi-tard, im Ratskeller des Cercle Municipal ausgestellt, illustriert diesen Befund. Erst kurz vor der Schleifung der Festungsbau- werke wurde zwischen 1864-65 auf dem bewaldeten Felsenhügel das ?Fort Parkhö- he" errichtet, um somit die Unterstadt Clau-sen in die Festung einzubeziehen und der Stadt selbst neue Ausdehnungsmöglichkei- ten zu geben. Näherhin gehörte das ?Fort Parkhöhe", auch ?Parkhöhen-Fort" benannt, zum äußeren Festungsgürtel der ?Grünewalder Front" und lag zwischen ?Fort Thiingen" (= ?Drei Eicheln") und ?Fort Dumoulin", das, oberhalb des Trierer- bergs am Fuße vom Fetschenhof errichtet war. Im Zusammenhang mit dem Bau des ?Fort Parkhöhe" wurden die Felsen über Clausen eskarpiert und teilweise Stützmau- ern errichtet, um Zwischenräume der Felsen aufzufüllen. Deutliche Mauerüberreste des Forts traten bei den Ausschachtungsarbeiten für die Errichtung des neuen Seminargebäu- des hervor, weitere Überbleibsel sind auf dem Felsenhügel in Richtung Clausen ver- teilt. Bis auf den heutigen Tag ist von Tal und Oberstadt her die Ansicht des ?Seminärs- bierg" gekennzeichnet durch eine monu- mentale steinerne Sankt-Joseph-Statue, die auf einer neogotischen, von Architekt Knepper aus Diekirch entworfenen Sockel- architektur sich erhebt. Die Statue selbst, die am 17. Oktober 1888 eingeweiht wurde, stammt vom Bildhauer Stracke aus Haarlem. Das heutige, modern konzipierte Semi- nargebäude, das gleichzeitig als Ausbil- dungsstätte des Katechetischen Instituts fungiert und im Dienst der Weiterbildung für kirchliche Berufe steht, ist nach Plänen des Architektenbüros Michel Heintz aus Luxemburg ab Ende 1970 vom Luxemburger Staat durch Gesetz vom 8. Januar 1968 errichtet worden. Als sich nämlich ab 1966 das neue Schulzentrum auf dem oberen Lim- pertsberg immer weiter entwickelte und an die Errichtung einer Sekundarschule von staatlicher Seite her gedacht wurde, erwies sich das zum Limpertsberger Seminar gehö- rende Areal als günstig gelegen für den Bau eines größeren Schulkomplexes, zu welchem in der Zwischenzeit auch der ?Centre Uni- versitaire" gehört. Somit kam es aufgrund staatlicher Initiative zu einem Abkommen zwischen Regierung und Bistum, laut wel- chem das Priesterseminar das ihm gehörende Terrain auf dem ?Seminärsbierg" teilweise für die Errichtung eines neuen Gebäudes dem Staate überließ. Die Grundsteinlegung wurde am 23. Dezember 1970 gefeiert. Michel SchmittBatty Fischer: Clausen-Neudorf, 1900 v&v.: X44; 21


Dateien:
PDF(555 Kb)

46/1994 - Neudorf

p.  1