30/06/1994 17:57 Alter: 25 yrs

Ecoles privées Notre-Dame (Sainte-Sophie) Weimershof

Kategorie: 46/1994 - Neudorf 46/1994 - Neudorf

?22 Ecoles privées Notre-Dame (Sainte-Sophie) Weimershof Seit fast einem Vierteljahrhundert schon beleben die Schulen der Kongrega-tion Unserer Lieben Frau das Weimers-hofer Plateau nahe am Priesterseminar und gleich hinter dem Plenarsaal des Europaparlaments und der hohen Kulisse des Kommissionsbuildings. Synthese und Symbol? In etwa schon: christliche Ausrichtung und weltoffener Geist erge- ben ein tragfähiges Schul- und Erzie-hungsprogramm. Daß aber dieser heute mit über sechshundert Schülerinnen und Schülern und achtzig Lehrpersonen im Volks- und Sekundarschulbereich gut besetzte Schulkomplex vor 22 Jahren gerade dieses Viertel belegte, bewirkten eher der Zufall und die innerstädtische Verkehrslage. Seit langem schon ent-sprach die alte Schule im Regierungsvier- tel zwischen Kathedrale und Brückenring neuzeitlichen Unterrichtserfordernissen nicht mehr. Die eigentlichen Kongrega- tionsgebäude aus dem achtzehnten Jahr- hundert waren sowieso im Laufe der Zeit abhanden gekommen: die barocke Drei- faltigkeitskirche hatte sich die Militärgar- nison angeeignet, und sie wurde dann der evangelischen Gemeinde überlassen, und das anstoßende imposante Schulquartier blieb nach der französischen Revolution in staatlicher und munizipaler Hand. Um 1970 übernahm der Staat dann auch die übrige ?alte Sainte-Sophie", riß einiges ab und machte aus dem ansehnlichen Rest ein ?Hôtel de Bourgogne", eine Finanz- inspektion, ein Beamtenrestaurant und eine skulpturbestückte Grünfläche. Wo ehedem die Révérende Mère der Kongre-gation regierte, waltet, verwaltet, beschwichtigt, entscheidet, empfängt seit zwanzig Jahren der Staatsminister. Seit- dem befindet sich im Kern der Stadt Luxemburg keine höhere Schule mehr. Daß sich die ?neue Sophie" gerade auf Weimershof einlebte, entbehrt trotz allem nicht einer gewissen Geradlinig-keit. Die Luxemburger Niederlassung der Kongregation wurde 1627 von einer Tochter des Gouverneurs Mansfeld und deren Bekannten Frau Marguerite Wilt- heim-Busbach ins Leben gerufen. Der mit der bis dahin vernachlässigten Mäd- chenerziehung betraute Schulorden war einige Jahrzehnte vorher vom Lothringer Landpfarrer, Ordensreformator und Gegenspieler Richelieus Pierre Fourier gegründet worden und hatte eine rasche Ausbreitung erfahren. Das Luxemburger Haus war das erste außerhalb des lothrin- gischen Raumes und brachte seitdem französisches Bildungsniveau und klassi- sche Erziehungserfahrung in unsere Brei- ten (und von hier in mehreren Neugrün- dungen über Trier, Mainz bis nach Süd- deutschland hinein). Die erste Unter-kunft befand sich, Mansfeldischer Stif-tungsgunst entsprechend, im kleinen Margaretenhospital am Hundhaus der Clausener Mansfeldresidenz. 1628 siedel- ten die Schwestern dann in die zur Festung gewordene Oberstadt über und wurden auf Jahrhunderte zu den Haupt- trägerinnen Luxemburger Mädchener- ziehung. Zu Mansfelds Zeiten lag der Bering des alten Weimershofes gleich jen-seits der Parkmauer des Palastes; der heu-tige Sainte-Sophie-Standort entspricht also in etwa der Rückkehr in die alten Gefilde. Die Bezeichnung ?Sainte-Sophie" war freilich zur Gründungszeit und bis zur vorübergehenden Schließung der Anstalt durch die französische Revolu- tionsverwaltung unbekannt. Sie ent- stand, als die Schwestern 1808 zeitweilig der von Bischof Jauffret ins Leben gerufe- nen ?Association des Dames de la Provi-dence ou de Sainte-Sophie" angeschlos- sen wurden (wobei mit ?Sainte-Sophie" die HI. Weisheit, wie im Falle der Hagia Sophia in Konstantinopel, also Gott selbst, und nicht etwa eine seiner vielen Heiligen gemeint ist). Als die Kongrega-tion Unserer Lieben Frau einige Jahre später dann ihre eigenen Regeln und ihre Selbständigkeit wiedererlangte, blieb ihr und der Schule der entliehene Name ver- haftet. Also geschieht es, daß im Volks- mund nebensächliche Dinge manchmal längeren Bestand haben als die wesentli- chen. Die neuen, funktionellen Gebäulich- keiten auf Weimershof wurden vom Bau-promotor W. Hein vermittelt, vom Architektenbüro Haagen und Ewert ent-worfen und vom Unternehmen Felix Giorgetti errichtet. Der erste Betonguß des Fundaments erfolgte am 5. Novem-ber 1970 ?sous le pontificat de Sa Sainteté le Pape Paul VI, sous le règne de S.A.R. le Grand-Duc Jean, sous l'épiscopat de Mgr Léon Lommel, M. Pierre Werner étant Ministre d'Etat, M. Jean Dupong Mini- stre de l'Education Nationale, Mlle Colette Flesch Bourgmestre de la Ville de Luxembourg, Sr. Consolata Thill Supé- rieure de la communauté de Luxem-bourg...", wie es die einzementierte Urkunde festhält. Im September 1972 nahmen die Schulen, im April 1973 auch die Klostergemeinschaft von dem anspre- chenden Neubau Besitz. In ihm erlebte der Schulbetrieb seit-dem einen neuen Aufschwung, wenn auch die Zahl der Schwestern weiterhin abnimmt. Statut, Programm, Qualität des Lehrpersonals entsprechen weitge-hend den staatlichen Schulnormen, dane- ben bleibt die seit über 350 Jahren tradi- tionelle religiöse Ausrichtung auch im pluralistischen Umfeld spürbar. In den siebziger Jahren, das sei am Rande noch vermerkt, fanden die zahlreichen Vollver- sammlungen der Diözesansynode in den neuen Ste-Sophie-Räumlichkeiten statt. P.M.


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