07/03/1999 18:01 Alter: 20 yrs

Théâtre du Millénaire: Sanierung und Erweiterung

Kategorie: 60/1999 - Gëlle Fra 60/1999 - Gëlle Fra

Théâtre du Millénaire: Sanierung und Erweiterung ?So schreitet in dem engen Bretterhaus Den ganzen Kreis der Schöpfung aus Und wandelt mit bedâchtger Schnelle Vom Himmel durch die Welt zur Ho lle!" Wer weiß, vielleicht waren es diese Verse aus Goethes Faust, die die Luxemburger Stadtväter dazu bewogen hatten, der räumlichen Enge des alten Theaters in der ehemaligen Kapuzinerkirche ein für allemal zu entfliehen und mit dem Bau eines zeitgemäßen Schauspielhauses ein kulturelles und architektoni-sches Signal zu setzen. So ließ der Schöffenrat, wohl auch im Hinblick auf die Tausendjahrfeiern der Stadt Luxemburg im Jahre 1963, am 20. Dezember 1958 einen internationalen Architektenwettbewerb ausschreiben für einen modernen Theaterbau auf dem früheren Fort Charles, nicht weit von der Stiftung Pescatore entfernt (siehe Ons Stad Nr. 59). Der erste Preis ging im Herbst 1959 an den Pariser Architekten Alain Bourbonnais, dessen elegantes und futuristisches Konzept die Jury am meisten überzeugt hatte. Fotos Titelbild und hintere Deckelseite: Guy Hoffmann EDITORIAL Das Théâtre du Millénaire war als typisches ?Gastspieltheater" geplant worden. Ein solches Konzept geht davon aus, daß die gastierenden Theatertruppen mit ihren eigenen Dekorationen, Kulissen, Requisiten und Kostümen anreisen und eine leere Bühne vorfinden, auf der dann der Aufbau des jeweiligen Spektakels vorgenommen werden kann. Doch inzwischen haben sich die Ansprüche an ein zeitgemäßes Schauspielhaus geändert. Ein Theater muß heute in der Lage sein, drei bis vier Produktionen im Hause selbst zwischenzulagern, damit deren Aufführungen im Abstand von wenigen Tagen wieder auf dem Spielplan stehen können. Heute muß es möglich sein, ein spezifisches Stück mit einer Schauspieltruppe tagsüber zu proben und dann am selben Abend eine ganz andere Vorstellung auf der Bühne zu zeigen. Das funktioniert nur, wenn ausreichend Bühnenneben- räume mit den entsprechenden technischen Einrichtungen zur Verfügung stehen. Das Théâtre du Millénaire hat neben den primären Theaterfunktionen aber auch noch zahlreiche andere gesellschaftliche Rollen zu spielen (offizielle Empfänge, Vernissagen, Büffets, Basare, Festivals usw.), was einen gewaltigen Dienstleistungsbetrieb mit einer perfekten Logistik erfordert. Die zur Strukturverbesserung notwendigen Erweiterungen werden überwie- gend unterirdisch (erstes und zweites Untergeschoß) getätigt. Vergrößerungen über das Geländeniveau hinaus (Hinterbühne, Anlieferung und Verwaltungstrakt) werden so zurückhaltend wie möglich gestaltet, um dem Haus seine typischen architektonischen Linien zu erhalten. Wichtige Renovierungen werden beispiels- weise an der Dacheindeckung getätigt, das gesamte Gebäude wird zudem heizungs-, lüftungs-, elektro- und sanitärtechnisch auf den neuesten Stand gebracht, und dasselbe gilt für alle Brandschutz- und Sicherheitsmaßnahmen. Der Zuschauerraum erhält eine neue Bestuhlung. Eine Verbesserung der Akustik und der Ausleuchtung der Vorbühne wird durch den Einbau einer Beleuchtungsbrücke im Deckenbereich des Zuschauerraumes erzielt. Die fehlenden Rettungswege aus den Rängen werden durch den Einbau von Fluchtstegen und Treppen ausgeglichen. Mit modernen Aufzügen wird der reibungslose Transport vertikal über alle Ebenen ermöglicht. Auch an behinderte Besucher wurde gedacht. Diese können künftig über den neuen Treppenturm mit einem innenliegenden Rettungslift vom Hauptfoyer in das Erdgeschoß gelangen. Der Anbau an der Rückseite setzt sich aus zwei Baukörpern zusammen, aus dem eigentlichen Hinterbühnenanbau sowie einem Laderaum. Die Hinterbühne fungiert gleichzeitig als Transportschacht zwischen dem unterirdischen Lager und der Hauptbühne. Durch die Erweiterung und Modernisierung der Künstlerlogen und der Aufenthaltsräume für die Techniker wird eine Verlagerung der Verwaltungsbüros in das neue Dachgeschoß notwendig. j.c./r.cl.


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