07/03/1999 18:05 Alter: 20 yrs

Bastion Beck

Kategorie: 60/1999 - Gëlle Fra 60/1999 - Gëlle Fra

?N ähert man sich der Oberstadt vom Bahnhof her über eine der beiden Brücken, sieht man auf der gegenüberliegenden Talseite hoch aufra-gende Mauern, von Bäumen gekrönt. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, daß es sich dabei nicht so sehr um mit sorgfältig behauenen Steinen aufwendig verkleidete Stützmauern, sondern eher um die Überreste von Festungs-werken der früheren Thionviller Front handelt. Unter diesen einstigen Befestigungen fallen besonders die massigen Formen der Bastion Beck auf. Sie wird eingerahmt von zwei weiträumigen Terrassen, den Niederwällen Louis-Beck und Beck-Jost. Die ersten Befestigungsbauten in diesem Bereich lassen sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Zwischen 1330 und 1390 wurde die große Ringmauer angelegt, die hier entlang dem Petrußtal verlief. Möglicherweise befand sie sich nicht immer genau auf der Fels- kante des Tales, sondern lag etwas rückwärts davon. Hinter der Mauer stieg das Gelände noch etwas an. Es handelte sich um eine hohe Mauer mit halbrunden Türmen, in der Art der soge-nannten ?Wenzelsmauer" auf dem Rham. Ungefähr in Verlängerung der heutigen Rue Chimay befand sich die Beckerigpforte, auch Beguinenpforte genannt. Von hier aus führte ein Weg ins Petrußtal. Wie jedes Tor, bildete auch dieses einen Schwachpunkt in den Befesti-gungen, der besonders gesichert werden mußte. Dies geschah durch zwei flankierende Türme, die auf dem 1553 gezeichneten Olgiatiplan zu erkennen sind. Im Jahr 1390 wurde die Pforte zur Verstärkung mit einer Geschützscharte versehen. Bastion Beck Die Plattform il conte Mans felt Die Ereignisse der Jahre 1542-1544, in denen die Stadt zweimal ohne große Anstren-gung in die Hände der Franzosen gefallen war, hatten gezeigt, daß die alten mittelalterlichen Mauern durch neue der Artillerie angepaßte Befestigungen ersetzt werden mußten, wollte man die Stadt weiterhin gegen einen Angriff schützen. Die neue, aus Italien kommende, bastionierte Befestigungsweise wurde vor allem in der Ebene (entlang dem heutigen Boulevard Royal) angewandt, die einem eventuellen Bela- gerer die besten Angriffsmöglichkeiten bot und wo es deshalb unbedingt darauf ankam, daß die Geschütze der Verteidiger ein starkes Kreuzfeuer entfalten konnten. Den Anfang der späteren Bastion Beck bildete die Plattform i/ conte Mans felt. Von der Form her muß man sie als platte Bastion bezeichnen, da sie nur aus einer geraden Front und zwei Flanken bestand. Sie bot Platz für die Aufstellung mehrerer Geschütze zur Bestrei- Bastion Saint-Jean imedu chung des Tales. Wegen ihrer Lage hinter und über der alten Mauer, erfüllte sie eher die Aufgabe eines Kavaliers denn eines Bollwerks oder gar einer Bastion. Ab 1644 wurde die alte Plattform erneuert und zu einer regelrechten Bastion mit zwei Facen und zwei Flanken umgebaut. Möglicherweise handelt es sich bei dem Absatz, der auf halber Höhe zu erkennen ist, um den ursprünglichen Aufzug des Bauwerks. Wie weit nach rückwärts die linke Flanke reichte, ist schwer zu erkennen. Die Arbeiten standen unter der Leitung des Obersten und Ingenieurs Isaac de Treybach, dessen Name man noch immer in einer Inschrift am Fuß der Bastionsspitze lesen kann. Die neue Bastion Saint-Jean, später Beck genannt, reichte bis an den Rand der Felsen, also weit vor die alte Ringmauer, die teilweise im Innern des neuen Von den ersten Befestigungen des 14. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg10 A:: .40.?!;.,.. S-} ?;!..iagrOCZ.4/96rsfe!/,'1, /??'7.1?l; '4. 2, ? 4;/,,...,,p/ ?D'r ar4r/r1 _C'er'er e.h/t4rrer'rr, vr, . p.'" ? ./ 1. 2:"Wrevntart.:7:".??e ? r eyr., , ? , - Werks verschwand. Hierdurch wurde dann auch die Beckerigpforte überflüssig, da sie vom Rest der Stadt abgeschnitten war. Im Verlauf dieser Verstärkungsarbeiten tauchte ein Problem auf, das Militär- und Stadt- verwaltung noch bis zum Ende des 19. Jahrhun-derts öfter beschäftigen sollte, nämlich eine Verbindung über das Tal hinweg. Im Zuge der Neubefestigung der Stadt waren nach und nach die meisten alten Pforten verschwunden, und nur wenige Tore, die entsprechend aufwendig geschützt wurden, verblieben. Dies erhöhte wohl die militärische Sicherheit der Stadt, bedeu-tete im Gegenzug aber, daß die Stadtbewohner und die Bevölkerung der umliegenden Orte erhebliche Umwege in Kauf nehmen mußten, wollten sie die Stadt verlassen oder in sie hinein gelangen. Im August 1671 schlug der damalige Kommandant und Ingenieur Louvigny den Bau einer Brücke (pont romain = Bogenbrücke) in Verlängerung der heutigen Rue Philippe II (damals rue de la monnoye), also zwischen den Bastionen Beck und Jost vor. Zur Sicherung des gegenüberliegenden Brückenkopfes waren neue Befestigungen vorgesehen. Mit Hilfe einer Schleuse unter der Brücke sollte es möglich sein, das Petrußtal bis nach Hollerich unter Wasser zu setzen und so die Festung auf dieser Seite zusätzlich zu sichern. Louvigny hatte sich auch schon Gedanken über die Finanzierung dieses Projekts gemacht. Ein Teil der Ausgaben sollte unter anderem durch Brückenzölle wieder einge-nommen werden. Die Genehmigung zum Bau der Brücke wurde am 26. September erteilt. Angesichts der finanziellen Lage aller beteiligten Parteien kam es jedoch nie dazu. Zur weiteren Sicherung der Thionviller Front wurde 1674 der Niederwall Beck-Jost angelegt, dessen Plattform vorerst ohne Absperrung in den Hauptgraben vor der Bastion Jost überging. Ein rr ? ? !! . !!!, _ leek, - ' Felsvorsprung vor dem Niederwall wurde durch das Ravelin Pâté (Pastetchen) befestigt. Die Fels- wände wurden dabei so behauen, daß eine künf- tige Ersteigung ausgeschlossen war. Die Gewehrkasematten des Ravelins sind heute fester Bestandteil der vom Luxembourg City Tourist Office angebotenen Führungen durch die unterirdischen Anlagen der früheren Festung. Hinter der Kehle der Bastion kam es im gleichen Jahr zum Bau einer erhöhten Geschützplattform, dem Kavalier Beck. Vaubans Beitrag Awn- 12?10o7- 1684 kam die Festung nach mehrwöchiger Belagerung durch die Truppen des Marschalls Créqui in französische Hand. Die Bastion Beck und die angrenzenden Anlagen hatten die Bela- gerung unbeschadet überstanden, weil es auf dieser Seite der Festung keine Kämpfe gegeben hatte. Vauban, der die eigentlichen Belagerungs- arbeiten geleitet hatte, fiel auch die Aufgabe zu, einen Plan für den Umbau und die Verstärkung der Festung auszuarbeiten. Die Arbeiten begannen noch im selben Jahr. Der Bau von neuen Befestigungen auf der äußeren Talseite brachte es mit sich, daß alle Bastionen, Kurtinen und Kavaliere auf der inneren Talseite zu deren Beherrschung um 10 bis 15 Meter erhöht werden mußten. Der leere Raum zwischen den neuen, nahezu senkrechten Mauern und dem natürlichen Hang wurde durch umfangreiche Erdanschüttungen aufgefüllt. Die linke Flanke der Bastion wurde hierbei nach hinten verlän- gert. Noch vorhandene Reste der mittelalterli- chen Ringmauer verschwanden beim Bau des oberen Niederwalls zwischen den Bastionen Louis und Beck. Zusätzlich wurde der untere Felsenrand durch einen weiteren Niederwall gesichert. Eine Abschnittsmauer mit Graben in der Verlängerung der rechten Flanke des Pastet-chens sollte ein Eindringen aus dem Haupt- graben vor Jost zur Kehle des Pastetchen und zur Bastion Beck verhindern. Hinter dem Kavalier Beck wurden eine drei- stöckige Kaserne (caserne des Jésuites) mit insgesamt zwölf Ställen im Erdgeschoß und je zwölf Stuben in den beiden oberen Geschossen, sowie ein Pulvermagazin errichtet. Man dachte erneut an den Bau einer Brücke als Verbindung zu den neuen Befestigungen; jedoch kam auch dieses Vorhaben nicht zur Ausführung. Österreich baut Kurt/ne Beck-lost (1782). Deutlich zu erkennen sind die verschiedenen Bauwerke: Kavalier, Pulvermagazin Beck, Maria-Theresien-Kaserne. Der Wall ist mit einer doppelten Reihe von Bäumen bepflanzt. Die Gärten und der frühere ?Hellepull" sind in Grün angelegt. (AGR) Durch den Frieden von Rastatt im März 1714 fiel Luxemburg an Österreich. Die ersten österreichi- schen Arbeiten begannen 1726. Zwei Jahre später wurde die Bourbonschleuse als erste von insgesamt drei Schleusen angelegt. Sie bot einer-seits, wie bereits 57 Jahre vorher von Louvigny vorgesehen, die Möglichkeit, die Petruß bis nach Hollerich anzustauen, andererseits konnte man durch eine mit Gewehrscharten zur Hollericher Seite hin versehene Galerie in der Staumauer gedeckt von der Bastion Beck in das gegenüber- liegende Fort Bourbon gelangen. Der Zugang erfolgte über eine 131 Stufen zählende, heute noch begehbare Treppe (die sog. österreichische Treppe) aus dem Innern der Bastion Beck. Die Winden zum Heben und Senken der Schleusen- tore befanden sich in einem schiefergedeckten Haus über den beiden Schleusenkanälen. Zur Seite des Fort Bourbon befand sich unterhalb der Galerie ein Durchlaß (déversoir), der verhindern sollte, daß das angestaute Wasser bis in die Galerie steigen konnte. Laut Jamez stellte sich bei einem späteren Versuch heraus, daß dieser Kanal einen zu geringen Querschnitt hatte, wodurch die Gefahr bestand, daß das Wasser über die Schleusenkrone hinweg fließen und dasganze Bauwerk zum Einsturz bringen könnte. Ob die geforderte Erweiterung des Kanals ausge- führt wurde, ist nicht bekannt. Die Jesuitenkaserne wurde 1736 um ein Drittel vergrößert. Bei Nutzung der Ställe im Erdgeschoß als Soldatenstuben konnten in insge-samt 352 Bettstellen und bei einer Belegung mit jeweils 21/2 Mann, bis zu 880 Soldaten unterge-bracht werden. Wann genau es zur Umbenen-nung von Kaserne und Pulvermagazin nach der Kaiserin Maria-Theresia kam, ist unklar. Mögli- cherweise geschah es nach der Schließung des Jesuitenkollegs im Jahr 1773. Die Kasematten Zwischen 1746 und 1756 wurden die ober-irdischen Befestigungen durch mehrere Geschützkasematten verstärkt: sechs in Felsen gehauene Kasematten unterhalb des Pastet-chens zur Bestreichung der Talsohle, weitere Kasematten unterhalb des Niederwalls Beck-Jost dienten der Flankierung der rechten Face Beck, der rechten Face des Pastetchens und der Fels- wände unterhalb der Contregarde Jost und dem Fort Peter. Die rechte Flanke des Kavaliers wurde mit einer Kasematte zu drei Scharten zur Flankie- rung der Kurtine Beck-Jost versehen. Die vergit- terten Scharten sind heute noch in den Fels- wänden zu sehen. Der Vollständigkeit halber sollte noch erwähnt werden, daß im Jahr 1745 der alte, aus Trockenmauerwerk bestehende Vauban'sche Niederwall Louis-Beck durch einen neuen, fest gemauerten ersetzt wurde. Souterrain- und Minen- Plan von Luxemburg (1825). Unten rechts: D = Bastion Jost, E = Bastion Beck. (GSTA) 177- Die rechte Face der Bastion Beck. Der deutlich erkenn- bare Absatz im unteren Drittel des Aufzugs gibt uns möglicherweise einen Hinweis auf die Bauhöhe der ersten Bastion vor 1644 (1999). Schnitt durch den Kavalier und die Bastion Beck, mit der langen Treppe, der Bourbon-Schleuse und dem Reduit des gegenüberliegenden Fort Bourbon (1824). Bauten des Deutschen Bundes Bedingt durch die günstige Form des Geländes und die bis dahin geschaffenen Befe-stigungen war dieser Bereich zu einem der best- gesicherten der Festung gworden. Die weiteren Arbeiten des Deutschen Bundes betrafen vor allem kleine An- und Umbauten. So wurden 1828 die Ställe im Erdgeschoß der Maria- Theresien-Kaserne in Wohnstuben zur Unter- bringungung von Soldaten umgebaut. 1843 wurde ein Schuppen für Feuerlöschgerät am westlichen Giebel des Gebäudes angebaut (zur Rue Philippe Il hin). Zur Flankierung aller Werke bis Fort Rheins-heim wurde im Jahr 1858 ein doppelter bomben-sicherer Geschützstand auf dem rechten Schul- terwinkel der Bastion angelegt. Als letztes Gebäude wurde 1863 bis 1865 ein bombensi-cheres ?Artillerie-Wagenhaus zugleich Kriegs- Laboratorium" im ehemaligen NamOr'schen Garten hinter der Kurtine Beck-Jost errichtet. Hier konnten auf zwei Stockwerken Geschütze, Lafetten, Munitionswagen und dergleichen untergebracht werden. Das obere Stockwerk war über eine Rampe am Giebel zu erreichen. Das Erdgeschoß sollte im Kriegsfall zur Herstel- lung von Munition benutzt werden. Anfang der 1860er Jahre wurden mehrere neue Pulvermagazine außerhalb der Hauptfe- stung (der Oberstadt) gebaut, wodurch man auf einen Teil der alten Magazine in der Oberstadt verzichten konnte. Das auf Vauban zurückge- hende Pulvermagazin Maria-Theresia wurde 1863-1864 abgerissen, um dem ?Neie Quartier" zu weichen. Heute befindet sich hier unter anderem das Hotel Cravat. Die Schleifung Im September 1867, vier Monate nach dem Londoner Vertrag, zogen die letzten preußischen Truppen ab. Die Stadt hörte auf eine Festung zu sein. An den Hauptverkehrswegen und dort, wo die Stadt sich noch ausdehnen konnte, wurde die vertraglich vereinbarte Schleifung der Festungs- werke sofort in Angriff genommen. Im Bereich der Bastion Beck begannen die Arbeiten erst sechs Jahre später: Kurtine Louis- Beck 1873; Kurtine Beck-Jost: 1874; Kavalier Beck und Brustwehr Bastion Beck: 1875-1876. Bereits seit Anfang 1869 war die Plattform der Bastion für einige Zeit dem Priesterseminar als Garten überlassen worden. Den Abschluß der Arbeiten bildete eine Gartenanlage auf der Platt- form der Bastion, die Place de la Constitution benannt wurde. Die Kaserne samt Feuerlöschschuppen wurde in den Jahren 1877-1878 abgerissen. Im Februar 1881 wurden die Schleifungsar- beiten von zwei Militäringenieuren, dem franzö- sischen Major Klein und dem preußischen Major Goetze inspiziert: ?Les fronts du Sud (St Esprit ? Louis ? Beck ? St Jost) ont été, d'une manière générale, entièrement démantelés; Les rues de rempart et parapets ont été presque partout abaissés jusqu'au niveau des cordons; les escarpes sont en roc et couronnées par une balustrade en pierre. On a commencé à détruire 12 les fausses-braies et à utiliser les terres ainsi gagnées, soit pour adosser des talus en terre coulante contre les escarpes, soit pour constituer la plate-forme du chemin qui, partant du cavalier Jost, descend le long de leur parement extérieur. (...) 31. Le pont éclusé Bourbon, en face du bastion Beck, dans le ravin de la Pétrusse, est en mauvais état. L'administration luxembourgeoise se propose de le démolir entièrement et de créer dans le fond de la vallée un jardin public avec bassins et cascades." Die Galerien und Kasematten der Bastion blieben verschüttet, bis sie 1915 wieder zur Einrichtung von Luftschutzräumen geöffnet wurden. Die Bourbonschleuse wurde erst nach Fertigstellung der Adolphe-Brücke (1899- 1903) im Jahr 1907 abgetragen. Es wird wieder geschossen... Bereits seit Ende Juli 1871 hatte die Schüt- zengesellschaft, d'Schéiss, ihre Vereinsräume und Schießstände auf dem Niederwall Beck-Jost und dem Pastetchen eingerichtet, von wo aus man auf Scheiben in den Ruinen des Fort Bourbon, jenseits der Petruß, schießen konnte. Von 1877 bis 1879 bemühte sich der Verein vergeblich, die alten Festungswerke zu kaufen. Als 1899 der Bau der Adolphbrücke beschlossen wurde, zog die Gesellschaft um. Die Anlagen verfielen, und ein Gärtner züchtete Champig-nons in den früheren Kasematten. Durch den Bau der neuen Brücke mußten einige der Spazierwege im Tal verlegt werden. Im Zuge dieser Arbeiten wurden die Geschützkase- matten in der rechten Flanke des Pastetchens gesprengt, um dem heute noch vorhandenen Weg hinter dem Werk entlang Platz zu machen. 1907- 1908 entstand das städtische Elektri- zitätswerk mit einer Transformatorenstation und Büroräumen auf der rechten Hälfte des früheren Niederwalls Beck-Jost. Bis 1915 wurde der Rest der Plattform in eine Grünanlage umgewandelt. Abwässer und Kloaken Am 9. Juni 1772 besichtigten der Major und Ingenieur Nicolas Jamez und die beiden Stadt- Eines der Projekte für den Bau eines zweiten Bahnhofs im Bereich der Bastion Beck (Barblé 1894). (ANL)Die Vereinsgebäude der Scheiss auf dem Niederwall Beck-Jost, um 1890 (Bild oben). Ansicht der Bastion Beck, des früheren Niederwalls Beck-lost und des davorliegenden kasemattierten Ravelin Beck-lost (Pastetchen) sowie des Predigtstuhls von der Adolphe-Brücke her (1934). (PVL) schöffen Gerardy und Dumont die Abwasser- kanäle der Stadt. Zweck der Besichtigung war die Untersuchung des baulichen Zustandes und die Feststellung, wer für den Unterhalt dieser Anlagen zuständig sei, die Stadt oder der König (Staat). Zwei der Abzugskanäle ergossen sich in der Nähe der Bastion Beck ins Petrußtal. Der erste, vom Arsenal und den Judenkasernen kommend, unterquerte die Wallplattform bei der Jesuiten-Kaserne und lief durch den Niederwall zur Petruß hinab. Der zweite verlief vom Parade- platz her durch die Rue Philippe II, dann rechts der Bastion Louis ebenfalls durch den Niederwall zur Petruß hin. Der Unterhalt beider Anlagen samt Absperrungsgitter usw. oblag der Stadt. 1850 wurden vor dem Pastetchen drei Kloaken angelegt, welche die Abwässer des erst-genannten Kanals aufnahmen. Dieser Kanal dient heute noch der Ableitung von Regen-wasser zum Abwasserkollektor, der entlang der Petruß und der Alzette zur Kläranlage in Beggen verläuft. Koltz erwähnt noch einen dritten Kanal, der von der Place d'Armes ausgehend durch die Rue Philippe II sich in die oben genannten Kloaken ergo& 1907 begannen die ersten Arbeiten an einem modernen Kanalisationsnetz. Die Kloaken im Petrußtal wurden 1917 beseitigt. Ein Bahnhofstor im Fort Beck? Am 5. Juni 1858 wurde die Lage des Zentralbahnhofs am jetzigen Ort, also außerhalb der Festung, festgelegt. Die Durchfahrt durch die Festunganlagen hatte alle beteiligten Parteien vor große Probleme gestellt, wobei das Festungsgouvernement am längeren Hebel saß und das letzte Wort hatte. Damit war wiederum das alte Problem einer Verkehrsverbindung über das Petrußtal hinweg aktuell geworden. Die Stadt forderte den Bau eines Viadukts, der letzt- lich auch zustande kam. 13Eines der Projekte der Wilhelm-Luxemburg- Eisenbahngesellschaft sah den Bau eines Kopf- bahnhofs vor dem Fort Bourbon vor. Die Eisen- bahnlinie nach Diekirch wäre in diesem Fall in einem weiten Bogen über Hollerich, das Petrußtal hinab, durch einen langen Tunnel unter der Stadt hindurch geführt worden. Die Einfahrt des Tunnels war unterhalb des Pastetchens, die Ausfahrt im Hang unterhalb der Bastion Berlai- mont vorgesehen. Dies entspricht in etwa dem Verlauf des heutigen Tunnels des städtischen Kanalamts, der allerdings erst gegen Ende der 1960er Jahre gebohrt wurde (Länge: ca. 800 m). Die Anbindung an die Oberstadt sollte in diesem Fall über eine Straße erfolgen, die, ausgehend vom rechten Schulterwinkel des Fort Elisabeth, entlang der Lünette rechts von Elisabeth, durch ein doppeltes Tor (zwei nebeneinander liegende Torbögen) mit zwei Fallbrücken in der Lunette coupée, über einen rechtwinklig zur Kurtine Louis-Beck gelegenen Viadukt mit neun Bögen verlaufen sollte. Auf dem Niederwall Louis-Beck angekommen, ware die Straße in einem rechten Winkel nach links abgebogen, um dann über eine auf gemauerten Bögen gestützte Rampe der Länge nach über die Plattform des Niederwalls zur linken Flanke der Bastion Beck (auf allen dies- bezüglichen Plänen und Schriftstücken als ?Fort" Beck bezeichnet) zu verlaufen, in der sich zwei baugleiche Tore mit Fallbrücken befanden. Im Innern der Bastion war eine weitere Rampe vorgesehen, über welche die Straße in die Rue Chimay einmündete. Das Projekt eines Bahnhofs im oberen Petrußtal, unterhalb des Fort Rheinsheim, sah den Bau von zwei Tunnels vor, wovon einer seinen Eingang unter dem Niederwall am Fuß der rechten Flanke der Bastion Louis und seinen Ausgang unterhalb der mittleren Grundpforte haben sollte. unarkt.V4',41--44. 14 Der Bau der Adolphe-Brücke (1900-1903) Ein Bahnhof für die Oberstadt Die Schleifungsarbeiten an den Festungs-werken hatten kaum begonnen, als schon erste Forderungen für den Bau eines zweiten Bahn-hofs in der Oberstadt erhoben wurden, der den Reisenden den weiten Weg über den Viadukt und die Avenue de la Gare zum Bahnhof hin ersparen sollte. Im Oktober 1869 reichte ein Comité d'ha-bitants notables einen Entwurf für den Bau eines Bahnhofs auf der Bastion Beck ein. In einem Gutachten vom 31. des Monats bezeichnete der Bezirksingenieur Sivering das Projekt als unaus-gereift und den Kostenvoranschlag als viel zu niedrig berechnet, weil der vorgesehene Stand- ort zu klein und ein rationeller Betrieb nicht möglich sei. Zwei weitere Vorschläge aus den 1890er Jahren, die ebenfalls den Bereich der Bastion Beck betrafen, sollen noch vorgestellt werden. Der Architekt und Ingenieur J. B. Kintzelé sah 1890/92 eine eingleisige Abzweigung am nördlichen Ausgang des bestehenden Haupt- bahnhofs vor, mit einer anschließenden weitge- schwungenen S-Kurve, die über die ganze Breite des Plateau Bourbon verlief, um das Petrußtal in der Nähe der Einmündung der heutigen Rue Adolphe Fischer in den Boulevard de la Pétrusse in Richtung des früheren Fort Peter zu Ober- queren und dann am linken Talrand entlang zum Kopfbahnhof auf der Place de la Constitution und dem wohl bis auf die Höhe der Straße aufzu- füllenden Niederwall Louis-Beck zu gelangen. Eine Kommission unter der Leitung des Stadtrats Georges Wittenauer (Präsident) und des Stadtar-chitekten Antoine Luja (Sekretär) sollte die beiden vorliegenden Entwürfe (Kintzelé: Bastion Beck, und Worré: Plateau Bourbon) begut-achten. Man einigte sich darauf, auch die Charles Bern hoeft -§ -2 Meinung der Regierung zu berücksichtigen. Letztere bat ihrerseits einen preußischen und einen belgischen Ingenieur um ein Gutachten. Die beiden ausländischen Experten kamen zum Schluß, daß beide Projekte zu verwerfen seien, weil sie als Kopfbahnhöfe starken betrieblichen Einschränkungen unterworfen seien, was den Ablauf der Zugbewegungen angehe und daß vor allem das Projekt Kintzelé die übrigen notwen-digen Bahnhofsanlagen überhaupt nicht berück- sichtige. Es sei auch im Interesse des neuen Bahnhofsviertels günstiger, den bestehenden Hauptbahnhof zu vergrößern und für eine weitere Straßenverbindung zur Oberstadt zu sorgen. Das zwei Jahre später vorgestellte Projekt Barblé sah den Bau eines Durchgangsbahnhofs von sieben Gleisen im Petrußtal vor. Das Bahn- hofsgebäude sollte am Fuß der Bastion Beck gebaut werden. Für die Anbindung an den Hauptbahnhof war der Bau eines Tunnels zwischen dem Hauptbahnhof und dem Tal in Höhe der Molkerei, mit einer anschließenden Brücke und einem neuen Tunnel zwischen der früheren Heilig-Geist-Bastion und dem Nieder- wall Louis-Beck geplant. Die Weiterführung der Linie nach Petingen sollte über jeweils eine Linie der Wilhelm-Luxemburg-Bahn und der Prinz- Heinrich-Bahn erfolgen. Auch diesem Vorhaben war kein Erfolg beschieden, weil die Regierung um diese Zeit bereits über eine neue Straßenbrücke, die spätere Adolphe-Brücke, nachdachte. André Bruns Quellen: Archives Municipales de Luxembourg: LU II 11, No. 484; Archives Nationales de Luxembourg (ANL): AE 2125; H 419; 1P475; TRA 119; Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem (GSTA): Pläne A70.227, C70.454, D70.083; JAMEZ, N.: ATLAS Des plans et profils des Batimens Militaires De la ville de Luxembourg, avec la Description Sur chaque plan De leur utilité bonne et Mauvaise Construction b. quelle charge ils Sont, Tant b. Sa Majesté qu'a la ville. Levés ties exactement differentes reprises Pendant les années 1749. 1763. et 1764. Benutzte Literatur Monographien KOLTZ, J.-P.: Baugeschichte de Stadt und Festung Luxemburg, I. Band, 3. verbesserte Auflage. Luxemburg, 1972; KOLTZ, J.-P.: Baugeschichte der Stadt und Festung Luxem-burg, II. Band, Beschreibung und Schleifung der Festungs-werke. Luxemburg, 1946; KOLTZ, J.P.: Baugeschichte der Stadt und Festung Luxemburg. Ill. Band: 1867-1920. Das Entstehen von Grog-Luxemburg. Luxembourg: Bück 1951; LASCOMBES, F.: Chronik der Stadt Luxemburg 1444 - 1684. Luxemburg, 1976; LASCOMBES, F.: Chronik der Stadt Luxemburg 1684 - 1795. Luxemburg, 1988. Artikel BRUNS, A.: Luxemburg als Bundesfestung 1815-1866, in: Das Leben in der Bundesfestung Luxemburg. Luxemburg: Musée d'Histoire de la Ville de Luxembourg 1993, S. 191-260; MARGUE, P.: Wallmauern, Plattformen und Bollwerke: Wie die Stadt Luxemburg zur Festung wurde, in: Hemecht 1993/1, S. 31-53.Plan der Thionviller Front im lahr 1867 Archives Générales du Royaume, Bruxelles (AGR): Plan C.P.M. N° 1648 Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München (BHStA): Plan Pls 11 Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, Wien (OSA/KA): Plan GI g 94 Photothèque de la Ville de Luxembourg (PVL): 1890/1/181, 1903/3/548, 1934/1/2998 GLOSSAR Bastion Bastion (ftz. bastion): eine aus dem Hauptwall stark hervorspringende Anlage für Frontal- und Flankierungsfeuer nach beiden Seiten. Sie ist in der Regel fünfeckig und besteht aus zwei Facen, zwei Flanken und der Kehle. Bollwerk (frz. boulevard): eine runde oder halb- runde Verteidigungsanlage, die einem größeren Wehrbau (z.B. einer Stadtmauer) vorgelagert und durch Wälle mit ihm verbunden ist. Es ist ein Vorläufer der Bastion und wird manchmal auch als solche bezeichnet. Face (frz. face): die ?feindwärts" gerichtete Front einer Bastion. Flanke (frz. flanc): die Verbindung zwischen Bastionsface und Kurtine. Front (frz. front): im weiteren Sinne die ?feind- warts" gerichtete Ansichtsseite einer Festung. Im engeren Sinne jeder Abschnitt einer nach mehreren Seiten gerichteten Festung, z.B. Thionviller Front, Front der Ebene. Eine bastio-nierte Front besteht aus zwei halben Bastionen und einer Kurtine, also aus fünf sich gegenseitig flankierenden Linien (Face ? Flanke ? Kurtine ? Flanke ? Face), z.B. Front Beck-lost. Kasematte (frz. casemate): ein über- oder unter-irdischer, schußsicherer und verteidigungs- fähiger, in Mauerwerk gewölbter oder in Felsen gehauener Raum oder Bau in der Festungsan- lage. Kavalier (frz. cavalier): eine überhöhende Stel- lung, z. B auf einem Wall oder einer Bastion. Sie ermöglicht eine wirkungsvollere Beherrschung des Vorgeländes. Kehle (frz. gorge): die Rückseite einer Bastion bzw. eines Werkes. Sie ist entweder offen oder geschlossen. Kurtine (frz. courtine): der zwischen zwei Bastionen liegende Wallkörper. Liinette (frz. lunette): ein pfeilförmiges Werk im einspringenden Winkel eines gedeckten Weges, in der Regel aus zwei Facen bestehend. Niederwall (frz. fausse-braye): Eine vor der Kurtine verlaufende niedrigere Wallstufe zur Sicherung eines Abschnitts der Festung. Rave lin (frz. ravelin): ein vor der Kurtine liegendes, in der Regel vollständig von Gräben umzogenes, drei- oder fünfeckiges Werk zur Deckung der Kurtine. Schulterwinkel (frz angle d'épaule): Winkel, gebildet durch die Face und Flanke eines Festungswerks. Trockenmauerwerk (frz. maçonnerie sèche): Mauerwerk ohne Mörtel. Nach: Huber, R. / Rieth, R. (Hg.): Festungen. Der Wehrbau nach Einführung der Feuerwaffen. Systema-tisches Fachwörterbuch. (= Glossarium Artis 7) München, New York, London, Paris: Saur 1990. 15


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