08/03/2003 15:09 Alter: 16 yrs

Manches war damals anders als heute

Kategorie: 73/2003 - Kindheit 73/2003 - Kindheit
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Manches war damals anders als heute Pol Tousch Ich spielte artig in unserm Hinterhof mit einem kleinen Holzpferdchen, das vor ein Wägelchen gespannt war. Ein Foto beweist es, aber nichts ist in meiner Erinnerung geblieben. Das erste Spielzeug, an das ich mich wirklich erinnern kann, war eine Blechlokomotive, drei Personenwaggons und etliche Schienen. Das Märklin-Spielzeug hatte mir ein Vetter meiner Mutter überlassen, der zu diesem Zeitpunkt am Russlandfeldzug teilnahm und dort mit einem kleinen, struppigen Russenpferdchen und einem niedrigen Karren Lebensmittel für die Truppe herbeischaffen musste. Etwas später erbte ich dann noch seinen Mécano- Baukasten Stundenlang verschraubte ich die Stangen, Winkel und Bleche zu allerlei Gebilden zusammen und träumte von einer erfolgreichen Ingenieurskarriere. Auch noch eine Dampfmaschine en miniature war mir beschert worden. Ihr fehlten aber wichtige Teile, und keiner hatte sich die Mühe gemacht, mir das Prinzip einer Dazmu erkplärfenm. Umaoh-nse chine GebraeinuechhalsbeanDa-mwpfmeaiscshuinengzu einem funktionierenden Motor audsafüzr wuar ic-h nbun daochuzu uenbnegab,t. Aber Wasserräder aus Weidenruten, Bindfaden und leeren Zündholzschachteln bauen, das konnte ich. Durch die Wiese meiner Großeltern schlängelte sich nämlich ein kleiner Bach, groß genug, um Staudämme und Mühlenwehre zu bauen, jedoch zu klein, um eine wirkliche Gefahr für uns Kinder zu sein. Kaulquappen, Fischchen und schaurige Blutegel wurden hier zum lebendigen Spielzeug. Libellen, Schnaken und Schmetterlinge erweckten in uns romantische und poetische Träumereien. Aber auch das Wechselspiel der am Himmel vorbeiziehenden Wolken beflügelte unsere Phantasie sehr. Dass dann auch noch lange, schmale Silberstreifen von oben herabsegelten, betrachteten wir als beGlsückosfall.nWir-sadmmeeltenrdeie Sntanniolstreifen beflissen ein und versteckten sie. Eigentlich hätten wir sie bei der Ortsgruppe abliefern müssen, denn die engli- schen Bomberflugzeuge, die nach Dfleogeun, htatstencsiehabg-ewlorafen,numddie einfachen Radargeräte der deutschen Flak zu verwirren. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir Buben jemals Krieg gespielt hätten. Auch nicht Luftschutzalarm. Nur einmal hatten die älteren Schüler der oberen Klassen mich überredet, einen Klassenkameraden aus meinem ersten Schuljahr zu verprügeln. "'T ass e knaschtege Preiss", hatte man mir als Argument gesagt. Und dabei war ich ein schmaler, mickriger Knirps und sonst immer sehr friedfertig. Meine Stärke hatte ich wohl daraus geschöpft, dass ich zugeschaut hatte, als eine befreundete Familie klammheimlich vor ihrer Umsiedlung — sie waren gewarnt worden — etliche Möbel über mehrere Zäune hinweg auf einen Heuschober meines Großvaters gerettet hatte. Ich hatte ansehen müssen, wie die Leute einen Tag später von den Nazis mit Lastwagen abgeholt wurden und wie schon abends wildfremde Deutsche, richtige Preußen, das Haus besetzten. Ich war nicht aus dem Staunen herausgekommen, dass nun ihre Kinder schmuddelig um das Haus herumtollten und barfüssig über spitze Kieselsteine und Geröll liefen, so als hätten sie unverwüstliche Stiefel an. Aus den Kriegsjahren kann ich mich noch an mein Schaukelpferdchen erinnern, dem ich wohl schon gleich den Schwanz ausgerissen hatte und bei dem dauernd etwas Sägemehl aus dem Bauch rieselte. Mit den kleinen Objekten des Winterhilfswerks, Püppchen, germanische Wappen und Äxte, auf die ich zufällig gestoßen war, durfte ich nicht spielen. Geduldig legte ich in der Stube immer wieder die gleichen Puzzles. Mühle spielten wir mit weißen und dunklen Bohnen auf einem Spielfeld, das wir selbst auf Pappe aufgezeichnet hatten. Besonders wenn es regnete, waren Würfel-, Karten- und Gesellschaftsspiele angesagt. "Gänsespiel" und "Mensch ärgere dich nicht" waren besonders interessant, wenn der Partner ein jähzorniger, schlechter Verlierer war. Ich konnte mich dabei in buddhistischem Gleichmut üben, ohne dass ich je von stWoeltanisch-auusng gcehörht oderegelersen hatte. Wenn der Regen besonders stark strömte, war der Heuschober der schönste Platz. Hier konnte ich stundenlang dem Prasseln auf dem Blechdach zuhören. Die Variationen der Regenstärke, die wechselnde Windrichtung, das Gurgeln des Wassers in den Fallrohren klangen wie serielle Musik in meinen Ohren und ich fühlte mich richtig gut unter Dach. Allzugern überhoÅNrten wir Kinder dort, wenn man uns zur Vesper oder zur Abendandacht rief. Da wir schon eine Frühmesse und ein Hochamt hinter uns gebracht hatten, bekamen wir nicht mal ein schlechtes Gewissen, wenn wir schwänzten. Auf den Schobern und Tennen mussten wir darauf achten, nicht zwischen den Strohballen und den morschen Brettern hindurch ein Stockwerk tiefer zu rutschen und dann auch noch in eine Häckselmaschine oder auf irgend ein anderes landwirtschaftliches Gerät zu stürzen. Expeditionen auf nachbarliche Heuschober waren beintersessaont. Vnerges-sende Hüehnerrnesster, meistens mit bereits faulen Eier gefüllt, und mumifizierte, verendete Katzen gaben der Entdeckungsreise den nötigen Kick. Korbflaschen mit mysteriösem Inhalt rührten wir nicht an. Bei den Fässern im Keller waren wir aber mutiger. Auf ihnen lag meistens neben einem Glas ein dünner Schlauch, und den Trick, den Fassinhalt damit anzusaugen, bis der Wein oder der Viz herausströmte, beherrschten wir perfekt. In diesem Moseldörfchen — Canach, um es nicht zu nennen — lernte ich den gegorenen Apfel- saft schätzen. Besonders schmackhaft war er, wenn er prickelte, nur wenn er extrem bitter schmeckte ließen wir ihn sein. Einmal brachte ein Spielkamerad aus dem elterlichen Wirtshaus eine Flasche mit gelb-grünlichen Inhalt mit. Wir verdünnten zwar das unbekannte, nach Anis und Pfeduffte-ndefGeetrränkmmitiWnassezr — aber nach einiger Zeit wankte der Freund ziemlich schräge und wackelig nach Hause; was wir nicht wussten: der vermeintliche Sirup war ein hochprozentiges alkoholisches Getränk. In demselben Wirtshaus holte ich mir dann auch kurze Zeit später einen zerquetschten kleinen Finger auf der Kegelbahn. Zwischen zwei Kugeln war er aufgeplatzt, wie ein heißes Würstchen auf dem Jahrmarktstand. Man sah fast den Knochen und die Sehne. Aus Angst vor Prügeln versuchte ich die Sache geheim zu halten. Der mit einem mehr oder weniger sauberen Taschentuch umwickelte Finger konnte aber nicht lange unentdeckt bleiben. Zur Klinik ging es aber nicht. Damals war man nicht so zimperlich, und Krankenkassendefizite gab es wohl auch noch nicht. Gab es damals überhaupt Krankenkassen? Ärzte gab es jedenfalls. Unser Hausarzt war ein gewisser Dr. Turmes, ein feiner, nobler Mann. Von Zeit zu Zeit kam er zu uns, nicht wegen einer Krankheit, sondern nur um Eier zu hamstern. Er wurde immer mit einer gehörigen Portion Respekt behandelt. Bei meinen Großeltern wurde jeder mit Respekt behandelt, sogar die zwei " Kohl's". Der "rote Kohl" und der "schwarze Kohl". Sie trugen alle beide den gleichen Familiennamen "Kohl", waren alle beide heBreuttlerm, der erinee riot-hasarige, dner adndeere schwarzhaarig. Sie durften am Mittagstisch mitessen, schliefen aber abends im Kuhstall auf einigen Strohgarben. Wobei Großvater jedesmal Angst hatte, einer von ihnen — sie kamen nie gleichzeitig — würde heimlich rauchen und unversehens das Stroh in Brand setzen. Im Krieg war das Rauchen aber nicht gerade einfach. Tabak war rationiert. Man wusste sich zu helfen. Ein Nachbar trKoräutercaufkeiner-altenn Zeietung,tzeerrieb das Getrocknete und vermischte es mit etwas Tabak, der aus aufgelesenen Zigarettenstummeln gewonnen wurde. Das war nicht sehr appetitlich, und so geriet ich später nicht in Versuchung, wie andere Kameraden, heimlich zu rauchen. Wir Kinder wussten, das Rauchen war für uns verboten, aber dass es generell gesund- heitsschädlich war, das war uns völlig unSbtandedo-chkübearallngesnchrietbe.n: "Maryland - d'Zigarett vum Sportsmann". Wir, und außer uns noch wohl so mancher, nahmen eher an, man könnte seine sportli- chen Leistungen mit fleißigem ZigabisrienstUtneermnes-slricaheustecigherne. n Das Knickerspiel wurde mir definitiv verleidet, als ein älterer Schulkamerad mir mein ganzes Säckchen Knicker abgeluchst hatte. Ich war " krupps", sogar meine Sternchen und die milchigweißen Agas hatte ich verloren. Meinen angeborenen Optimismus hatte er schmählich ausgenutzt und mich zu immer weiteren Spielen angefeuert. "Das nächste Mal gewinnst du sicherlich". Seither sind auch Spielkasinos für mich ein Gräuel. Seit ich die "WahrscheininlicdhekreSitcshbuele-regcelhenrnutnghaebne", kaufe ich nicht mal mehr Lotterielose. Mädchen spielten mit Puppen und Puppenkleidern. Sie spielten mit ihnen Schule und setzten sie dabei in eine Reihe ins Gras. Und teilten auch Prügel aus, wenn die Puppen ungehorsam waren. Manchmal versuchten sie, anstatt ihrer Puppe, ein junges Kätzchen in ihr Puppenwägelchen zu legen, aber meist blieb dieses nicht liegen. Ihre Puppen trugen jede einen eigenen Namen, und wehe, wenn wir Jungen diese verwechselten: wie Trottel wurden wir dann behandelt. Damals dachten wir, Mädchen wären bestens geeignet, um sie zu ärgern. Das hätten wir aber nicht machen sollen, denn später weigerten diese Mädchen sich, uns in den Wald zu begleiten, wo wir sie an die Bäume fesseln wollten. Jungen an den Marterpfahl zu binden, fanden wir witzlos. Ein verbotenes Spiel war "Giisch". Dabei wurde mit einem Stock auf ein an beiden Seiten angespitztes Holzstäbchen geschlagen, das dann ziemlich unkontrolliert umher flog. Dieses Spiel hat mehr als ein Kinderauge gekostet. Was uns aber nicht daran hinderte, es trotzdem auszupro-bieren. An regnerischen Tagen zogen wir uns auch mal in eine selten genutzte Kammer zurück und verkleideten uns mit den dort hängenden Reservekleidern. Hier fanden wir den "Këpp" und die "Halette" der verstorbenen Urgroßmutter. Auch Zylinder und Melone setzten wir uns bei den Rollenspielen auf. Wir schreckten nicht davor zurück, uns mit Damenkleidern zu schmücken und auf Stöckelschuhen umherzuwatscheln. Nur Büstenhalter lösten eine gewisse Beklemmung bei uns aus. Wir wussten, hier haftete etwas Sündhaftes daran, was das aber genau war, das wussten wir nicht. Wir Buben wollten auch das Stricken erlernen. Wir brachten es aber nur bis zum Halstuchstricken, immer das gleiche Muster, mit vielen fallen gelassenen Maschen. An einer leeren Zwirnspule, in die vier Nägel geschlagen waren, strickten wir aus Wollresten eine riesig lange, bunte Schlange, die dann zu einem Topfuntersetzer zusammen- gerollt wurde. Oder zu einem "Judenkäppchen ". Auch Kochen wollten wir lernen. Aus Ziegeln und einer Platte wurde eine Kochstelle aufgebaut. Allerlei Behälter und Gläser wurden mit Kartoffelstückchen, Blättern, Blumen und Beeren gefüllt. Das wurde dann auf einem Kerzenstummel erhitzt. Den Ekel auf Holunder habe ich von diesen Koch- und Einmachkünsten bis heute behalten. Dann wurde die Kochmaschine zu einem Altar umfunktioniert und mit Deckchen, Kerzen und selbstgebastelten Kreuzen geschmückt. Ein Weinglas war der Kelch, eine löchrige Decke der Chormantel. Sogar Heiligenfiguren aus Lehm haben wir geformt — sie sahen aber eher wie primitive, babylonische Götzen aus. Aus Konservendosen und Faschinendraht bastelten wir Rauchfässer. Ein Gemisch aus Tannenharz, Sägemehl und Zeitungsschnitzel sorgte für den nötigen Gestank. Hauptsache, das Ding rauchte fürchterlich. Ob wir auch gebetet haben, weiß ich nicht. Einmal habe ich auch abstruses Zeug gepredigt, und dabei haben sich wohl meine Spielkameraden genauso gelangweilt wie bei den richtigen Predigten. Wenn die Putzfrau die Kirche auhfatteguned -mist ihprenePurtzlarppten beschäftigt war, schlichen wir uns einige Male in den Kirchturm, stiegen heimlich auf die Empore und durchblätterten die dort liegenden Gebetbücher nach alten Totenbildern. Und weiter ging's dann in den Kbiisrzucr ohbers-tentLueiter,ramn den hängenden Glockenseilen vorbei bis zu den Glocken. Die uralten Spinnweben sorgten für eine verwunschene Stimmung. Sollten wir an den Seilen ziehen? Ich glaube, wir wagten es nie. Im Dorf verbrachten wir viel Zeit bei den verschiedenen Handwerkern. Heute wäre so was undenkbar, durch die Unfallversicherungsbedingungen, aber auch wegen des Mentalitätenwandels der Luxemburger. Dem Metzger durften wir beim Schlachten, beim Zerschneiden, bei der Wurstherstellung zusehen und "helfen". Den Wagner bewunderten wir sehr, wenn er kunstvoll große Wagenräder herstellte und sie bereifte. Beim Hufschmied durften wir den Blasebalg in Bewegung setzen, wenn er ein Pferd beschlug oder einen Pflug reparierte. Wir bewunderten gebührend seine Herkuleskräfte. Der Schreiner störte uns nicht, wenn wir im Sägemehl wühlten und uns eine Unmenge Klötzchen und Leisten mitnahmen. Das Herstellen und Flicken der Schuhe war für uns kein Geheimnis, wir wunderten uns nicht mehr über das seltsame Handwerksgeschirr, und den Duft des Schusterleims erkannten wir ohne Fehl. Auch in der kleinen Dorfmolkerei trieben wir uns herum. Dass ein Käser eben nach Käse roch, lag für uns in der Sache begründet. Im Krämerladen hielten wir uns gerne auf. Erbsen, Reis, Bohnen, Mehl und noch vieles mehr wurde noch aus Säcken in Tüten umgefüllt. Sogar Maggi aus großen viereckigen Flaschen wurde in kleine viereckige Flaschen aufgeteilt, aber solche aus Glas und nicht aus Plastik. Senf gab es aus dem Fässchen. Und sonntags gab es in diesem Laden Eis zu kaufen, das wie gefrorener Pudding schmeckte. War dieses Eis noch mit richtigen Vanilleschoten hergestellt worden oder hatte Dr. Oetker schon ein Ersatzaroma gefunden? Sonntags sahen wir uns so oft wie möglich die Fußballspiele am Dorfrand an. Ohne Eintrittskarten. Wir feuerten die schweißtriefenden Canacher Spieler, die wir wochentags hinter dem Pflug gesehen hatten, so laut wir konnten zu Höchstleistungen an. "Abseits" war ein verschwommener Ausdruck für uns, keiner hatte uns die Regeln erklärt, "Händs" hingegen und "Elfmeter' konnten wir deuten. Was ein "corner" war, hatten wir auch spitz gekriegt. Sonntags nach der Vesper standen wir auch voller Bewunderung vor einem krausköpfigen, braungebrannten Bauer, der auf irgendeiner Dorftreppe Harmonika spielte. Schon während der Vesper! Welch ein Sakrileg! Neben sich eine Weinflasche, aus der er in regelmäßigen Abständen einen Schluck nahm. Gegen Abend spielte er dann immer falscher, bis ihm das MusauiskdeinnHä-ndsentrgliutt. mSo steelltne icth mir noch lange die Russen vor, denn in einem russischen Märchenfilm hatte ich so was ähnliches schon gesehen und die Musik klang fast wie die Musik aus dem russischen Film. Wir bewunderten den Harmonikaspieler sehr und verziehen ihm gerne seinen Suff. Schlittenfahren kam für mich nicht in Frage. Einen ordentlichen Schlitten besaß ich nicht. Der Schreiner hatte mir einen Schlitten mit einer rechtwinkligen Kufe zusammengezimmert. Das sah enautsmund eus wtaria-uchgenetmuntigednd. Alle Kinder hatten Schlitten mit elegant geschwungenen Kufen, nur ich nicht. Aber sowieso durfte ich nur ausnahmsweise fahren. Meine Eltern hatten Angst ich würde zum Krüppel, denn eine "kleine Kusine" meines Vaters hinkte sehr stark, seit sie einen Schlittenunfall erlitten hatte. Ein abschreckendes Beispiel! Mit ausgehöhlten Runkelrüben und brennenden Kerzen versuchten wir mehrmals vergeblich die aus der Abendandacht heimkehrenden Kirchgänger in der "Gässel" zu erschrecken. Abends wollten wir beim sSomomernnoc-h dmögleichstrlasnge draußen spielen. Uns imponierten Mitschüler, die lebendige Schnecken essen konnten, oder die es wagten, einen Schluck Tinte zu trinken. Aufgeregt warteten wir darauf, dass sie tot umfielen. Auch mit Blumenessen verwirrte uns ein Junge. Blumenpflücken und eingesammelte Pflanzen für's Herbarium trocknen war eine Weile ein beliebter Zeitvertreib. Die Pflanzennamen, sogar die lateinischen lernten wir spielend durch die gesammelten Schokoladenbilder. Dann sammelten wir Menschenrassen und Autobilder. Ein Kräuterbuch des Urgroßvaters und die Pflanzenkunde aus der Studienzeit eines Onkels wurden eifrig studiert. Überhaupt, das Lesen war uns ein unersetzlicher Zeitvertreib. Später kam das Fahrrad hinzu. Immer weiter zogen wir unsere Kreise. Die spektakulärste Ergebnis einer dieser Reisen war die unerwartete Entdeckung des Abdeckers zu Beyren. Uns standen die Haare zu Berg. Am Waldrand stand sein umzäuntes Hexenhäuschen. Zwei riesige Kettenhunde spielten mit blutigen Rinderschädeln, an denen noch Fleischfetzen hingen. Abgehäutete Tierpelze hingen wie makabre Unterwäsche an einer aufgespannten Leine. Kordenweise waren große Rinderknochen aufgFeäs-serscmithTiiecrfehtt tsteantde.n herum. Überall getrocknete Blutlachen. Diese Welt der Apokalypse war von einem penetranten, ekligen Leichengeruch durcEinhunv-erdgesrslicuhesnErglebneis.n. Später wagten wir uns dann aber auch mit unsern Fahrrädern bis zur Mosel. Hier versuchten wir mit einer einfachen Angel unser Fischerglück. Erfahrene Fischer füllten direkt neben uns Eimer auf Eimer mit Fischen. Wenn wir aber nach einem halben Tag etwas frustriert mit vier oder fünf kleinen "Blénkerten" nach Hause kamen, fühlten wir uns trotzdem fast schon als Erwachsene


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