19/07/2010 11:51 Il y a : 9 yrs

Zwei Theaterhäuser, ein Direktor

Catégorie : 94/2010 - Théâtre 94/2010 - Théâtre

 

Wenn der Chef des Kapuzinertheaters Marc Olinger am kommenden 5. Januar mit 65 Jahren in Pension geht, wird die Leitung und die Koordination der beiden hauptstädtischen Theaterhäuser einem einzigen Mann übertragen, und zwar Frank Feitler, der seit 2001 Direktor des Grand Théâtre am Rond-Point Schuman ist.

Als Frank Feitler seine Ausbildung als Philosophielehrer abschloss und rund zehn Jahre am Echternacher Kolléisch lehrte, konnte er nicht ahnen, dass gerade Friedrich Schiller und sein Demetrius-Fragment am Anfang seiner neuen Karriere stehen sollten. Doch als 1984 in den Ausstellungshallen auf Limpertsberg, den heutigen Victor-Hugo-Hallen, das Demetrius-Fragment in einer Inszenierung von Frank Hoffmann mit Steve Karier in der Titelrolle, René Nuss als Komponist und Frank Feitler als Dramaturg aufgeführt wurde, geschah etwas, was auch auf europäischem Niveau einmalig sein dürfte: der Intendant des Baseler Theaters engagierte Steve Karier fest ans Baseler Theater, bot Frank Hoffmann an, die Inszenierung in Basel zu wiederholen und engagierte Frank Feitler als Dramaturg nach Basel. Mit Ausnahme eines Abstechers ans Schauspielhaus Hamburg, wo er die Produktionsdramaturgie für Macbeth übernahm, blieb Feitler von 1984 bis 1988 in  Basel. 

Ende der achtziger Jahre kehrte Frank Feitler nach Luxemburg zurück, wo er versuchte, in der Theaterszene zu arbeiten und auf mangelndes Interesse stieß. Seine erste Regiearbeit stammt aus jener Zeit: Im Kasemattentheater inszenierte er Peter Handkes „Kaspar“ mit Steve Karier in der Titelrolle. Die neunziger Jahre widmete Frank Feitler vor allem den zahlreichen Drehbüchern, die er für das Kino schrieb. (Ende Oktober/Anfang November lief übrigens in den Luxemburger Kinos „Boys on the run“ von Paul Cruchten nach einem Drehbuch von Frank Feitler).

Seine Inszenierungen für die Bühne widmete er – so seine eigenen Worte – eher der leichten Muse: die herrliche Produktion „7 Lëtzebuerger kréien de Karlspreis“ oder die Poutty Stein-, Auguste Liesch- und Pir Kremer-Abende, die im Rahmen des Festivals von Mensdorf mit Josiane Peiffer, Marc Olinger, Luc Feit und Fernand Fox entstanden, trafen den Nerv eines begeisterten Publikums. Im Juni 2001 wurde ihm der Direktorenposten am Rond-Point Schuman angeboten, wo er die beiden ersten Jahre bis zur Neueröffnung im September 2003 vor allem mit der Koordinierung der umfassenden Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten des seit seiner Einweihung Anno 1963 arg in die Jahre gekommenen Theaterhauses verbrachte.

 

Eine neue Ära

 

Seiner neuen Aufgabe als Direktor der beiden hauptstädtischen Theater sieht Feitler eher gelassen entgegen. Es sei eine Entscheidung, die auf der Hand gelegen habe, und zahlreiche Beispiele aus anderen europäischen Städten würden deutlich belegen, dass es durchaus Sinn mache, die Planung der Inszenierungen sozusagen zu zentralisieren. Vor allem in der Logistik, also  in den Ateliers, bei den Bühnenarbeitern und den Verwaltungsbeamten.

Es sei einfach leicht anachronistisch für eine Stadt wie Luxemburg, dass beide Häuser bisher über getrennte technische Mannschaften verfügt hätten. Zwar habe man teilweise hervorragend zusammengearbeitet, was aber leider nicht verhindert habe, dass öfters im Jahr beispielsweise eine Opernpremiere im Grand Théâtre stattgefunden habe, während am gleichen Abend im Kapuzinertheater eine andere Produktion zum ersten Mal über die Bühne gegangen sei.

 

Feitlers Konzept

 

Frank Feitlers Zukunftsvisionen sind klar und nur auf den ersten Blick pragmatisch. Die Hauptstadt verfügt über insgesamt drei Theatersäle: Im Grand Théâtre den großen Saal mit über 900 Plätzen, der vor allem für Opernaufführungen oder Tanztheater genutzt wird sowie das Studio, einen polyvalenten  Theaterraum, der eher für experimentelle Produktionen geeignet ist. Dank einer flexiblen Bestuhlung und einer mobilen Bühne kann  der Saal konventionell eingerichtet werden, d.h. wie ein klassischer Theatersaal mit Guckkastenbühne, oder aber an das jeweilige Regiekonzept angepasst werden. 

Feitler verwehrt sich indes dagegen, dass das Kapuzinertheater künftig bloß „als dritter Saal“ dienen soll. Ganz im Gegenteil: Marc Olingers 25-jährige Pionierarbeit in Sachen Eigenproduktionen soll auch unter seiner Leitung weitergehen. So sind für die kommende Saison 2010/2011 bereits zehn Erstaufführungen (luxemburgische, deutsche, französische und englische) fest eingeplant.

 

Einsparungen nicht auf Kosten
der Qualität und des Personals

 

Frank Feitler betont, dass in diesen Krisenzeiten zwar Einsparungen nötig sind, aber diese sollen weder auf Kosten der Qualität gehen  noch auf dem Buckel des Personals ausgetragen werden. Von Entlassungen im technischen oder administrativen Bereich kann keine Rede sein, und auch das Hollericher Atelier soll an Ort und Stelle verbleiben, aber enger mit den Werkstätten am Rond-Point Schuman zusammenarbeiten. In anderen Worten: Die technischen und administrativen Mitarbeiter werden künftig je nach Bedarf für die verschiedenen Produktionen und Insze-nierungen in den insgesamt drei Sälen zusammen arbeiten. Was aber für den einzelnen keineswegs mehr Arbeit bedeuten soll, wenn die Logistik so funktioniert, wie der altneue Doppeldirektor sich das vorstellt. Und die sieht im Klartext so aus, dass quasi allabendlich in der Theatersaison in den beiden Häusern etwas über die Bühne geht. Aber jeweils eben nur in einem Saal.

 

 

René Clesse


Fichiers :
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94/2010 - Théâtre

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