07/03/1999 18:11 Il y a : 20 yrs

Was bedeuten die Straßennamen der Stadt?

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Was bedeuten die Straßennamen der Stadt? Ruppert (Rue Eugène) Diese Sackgasse in der Industriezone von Gasperich beginnt an der Rue Guillaume J. Kroll und verläuft parallel zur Route d'Esch. Der Ingenieur Eugène Ruppert, bekannt durch seine langjährige Tätigkeit in China, wurde 1864 als Sohn eines Schmiedes in Stadtgrund geboren. Nach seinen Sekundarstudien an der Section industrielle et commerciale des Athenäums schrieb er sich an der Technischen Hoch- schule in Aachen ein, wo er das Fach Metallurgie belegte. Sein Abschlußdi- plom ermöglichte es ihm, eine Zeitlang in Deutschland zu arbeiten, zunächst als Bergarbeiter in einem Aachener Kohlen- revier, danach als Chemiker und später als stellvertretender Hochofendirektor bei den Phoenixwerken in Ruhrort. 1893 wurde er von der Firma Cockerill aus Seraing nach China berufen und mit der Direktion der Hochöfen in Hanyang betraut. Später findet man ihn als Gene- raldirektor der Deutschen Diskonto Gesell- schaft in Japan mit der Aufgabe, die Bodenschätze des Landes zu erforschen, die die japanische Regierung mit Hilfe deutschen Kapitals fördern wollte. Nach einem weiteren Jahr in Dortmund als Leiter der dortigen Hochöfen kehrte er nach Hanyang zurück, wo ihm der Posten des Generaldirektors der Hochöfen über- tragen worden war. Die Revolution in China von 1912 zwang ihn und seine Mitarbeiter, nach Luxemburg zurückzu- kehren. Eugène Ruppert vertrat aber noch die Interessen der chinesischen Hochofengesellschaft in Europa bis ins Jahr 1923. Nach dem Ersten Weltkrieg war er einer der Befürworter des wirt- schaftlichen Anschlusses unseres Landes an Frankreich. Von 1920 bis 1934 betrieb er zusammen mit François Cox das tech- nische Büro Ruppert und Cox. Hohe chinesische und luxemburgische Auszeichnungen würdigten seine Leistungen. In ausführlichen Berichten hat er seine fernöstlichen Erlebnisse geschildert. Eugène Ruppert, der im Volksmund de Chines genannt wurde, war aber auch ein großer Kunstliebhaber, der in Gesellschaft durch seinen scharfen Geist und seine sehr farbige Ausdrucks- weise zu glänzen verstand. Mit seinem Tod im Jahre 1950 verlor die Stadt Luxemburg eine überaus markante und schillernde Persönlichkeit. Rupprecht (Rue Alphonse) Diese Sackgasse auf Cents-Fetschenhof verläuft parallel zur Rue Nicolas Margue und perpendikular zur Rue Nicolas Majerus. Alphonse Rupprecht wurde am 31. August 1868 in Luxemburg geboren. Eine erste Anstellung fand er von 1885 bis 1902 bei der Staatsanwaltschaft, bis er am 27. März 1902 durch Gemeinderats- beschluß zum Polizeikommissar in Luxemburg ernannt wurde. Nach der Eingemeindung der benachbarten Ort- schaften 1920 erhielt er den Rang eines ?commissaire de police en chef". Alphonse Rupprecht hat sich durch verschiedene historische Arbeiten einen Namen gemacht. Hervorgehoben seien hier in erster Linie seine Veröffentli- chungen in der Revue Ons Hemecht in den Jahren 1917-1928 über die militärischen Einquartierungen in Wohnungen der Hauptstadt, zur Zeit der zweiten franzö- sischen Herrschaft von 1794 bis 1814. 1932 erschienen sie in Form eines Buches unter dem Titel: ?Logements militaires Luxembourg pendant la période de 1794 1814". Die erste Liste dieser Wohnungen aus dem Jahre 1794, die noch auf Befehl General Benders erstellt worden war, mußte zweimal revidiert und ergänzt werden, um den Bedürfnissen der jewei- ligen Besatzungen zu genügen, für die in den Kasernen nicht genügend Platz war. 1795 galt es die französischen Truppen einzuquartieren, 1814 waren es die Hessen. Diese Register aus den Archiven des Kommissariats veröffentlichte Rupprecht mit entsprechenden Kommentaren, die sehr aufschlußreich sind für die Geschichte der Festungsstadt in den Jahren der Belagerung und Besatzung. So befinden sich in der Oberstadt 25 Straßen unter ihrem damaligen Namen mit 558 numerierten Häusern, in der Unterstadt Grund sind es 5 Straßen mit 127 Häusern, in Pfaffenthal ebenfalls 5 Straßen mit 147 Häusern. Dazu kommen sowohl die Namen der Eigentümer und ihrer Mieter mit den jeweiligen Berufen, als auch Angaben über die Größe der Wohnungen, die Logiermöglichkeiten und über die eventuell zur Verfügung stehenden Ställe. In anderen Artikeln, die in Ons Hemecht veröffentlicht wurden, hat sich Rupp- recht mit numismatischen Funden in der Rue de l'Eau befaßt und mit den republi- kanischen Festen in Luxemburg im an VI de la Republique (1797-1798). In beruflicher Hinsicht galt er bei seinen Zeitgenossen als ein hervorragender und gewissenhafter Polizeikommissar. Er starb auf Limpertsberg am 25. März 1929. Seinen Namen trägt die Straße seit dem 7. Juni 1979.


Fichiers :
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