07/09/1999 18:47 Il y a : 19 yrs

Vor zwanzig Jahren

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?EDITORIAL Vor zwanzig Jahren Eine Krankheit namens Aids gab es noch nicht, niemand dachte an ein Ozonloch, das Wort Ökologie war nur einigen Spezialisten vertraut. Sieben Jahre vor Tschernobyl gab es noch keine ernstzunehmende grüne Bewegung, weltweit wurde voll auf Atomstrom gesetzt, und in Cattenom, direkt an der Luxemburger Grenze, wuchsen langsam die ersten Kühltürme in den Himmel. Der amerikanische Präsident hieß Jimmy Carter. Deutscher Bundeskanzler war Helmut Schmidt, der nach Mogadischu grad einen großen Sieg gegen die Rote Armee Fraktion errungen hatte und nicht im Traum daran dachte, dass in Bälde ein ziemlich unbe- kannter Herr namens Helmut Kohl Weltgeschichte machen würde. Genauso wenig wie bei den französi- schen Nachbarn jemand ahnen konnte, dass Valéry Giscard d'Estaing dem bisher glücklosen Sozialisten François Mitterrand für vierzehn Jahre das Zepter Ober- lassen sollte. Die Namen Gorbatschow und Jelzin waren gänzlich unbekannt, aber die in jener Zeit noch glor- reiche Sowjetunion wurde auch damals von einem krän- kelnden alten Mann - sein Name war Leonid Breschnew - angeführt. Luxemburgs Hauptstadt wurde 1979 von Bürgermeisterin Colette Flesch regiert, einer der drei CSV-Schöffen hieß Jacques Santer. Landespolitisch war grad das sozial-liberale Kabinett Thorn abgewählt worden, die erste Luxemburger Regierung ohne die CSV. Es war die Zeit des Strukturwandels in der Großindustrie, das Zauberwort hieß Tripartite, viele Stahlarbeiter wurden in die Frührente geschickt oder mit Notstandsarbeiten in der sogenannten Antikrisendivi- sion betraut. Die Westseite des Knuedler war seit 1978 eine riesige Baustelle, ein überdimensionales Bagger loch, aus dem langsam, Stockwerk um Stockwerk und mittels Hunderten von Tonnen Eisenbeton das erste unterirdi-sche Parkhaus der Stadt dem Tageslicht entgegen-strebte. Fußgängerzonen gab es noch keine, und auf dem Boulevard Royal trotzten noch einige stolze Bürgervillen aus der Gründerzeit den Planierraupen und dem nimmersatten Bankenplatz. Am 9. März 1979 war das neue hauptstädtische Verwaltungsgebäude Centre Emile Hamilius feierlich eingeweiht worden, das zusammen mit dem Busbahnhof Aldringen dem Stadtzentrum ein kompromisslos modernes Gesicht verpasst hatte. Titelbild und hintere Deckelseite: Bruno Baltzer Was ist die Zeit? Ein Geheimnis, - wesenlos und allmächtig. Die Zeit ist tätig, sie hat verbale Beschaffenheit, sie ?zeitigt". Was zeitigt sie denn? Veränderung! Jetzt ist nicht damals, hier nicht dort, denn zwischen beiden liegt Bewegung." Thomas Mann (Der Zauberberg) Ein Jahr später dann wechselte Colette Flesch in das Außenministerium, anstelle von Gaston Thorn, der zum EG- Präsidenten gewählt worden war. Frau Flesch wurde am 1. Dezember 1980 auf dem Bürgermeisterstuhl von Camille Polfer abgelöst. Nach den Gemeindewahlen im Oktober 1981 trat dann die Anwältin Lydie Polfer die Nachfolge ihres erkrankten Vaters an und wurde mit 29 Jahren Luxemburgs jüngstes Stadtoberhaupt. All dies und noch viel mehr kann man in Ons Stad nachlesen. In jenem Stadtmagazin, dessen erste Nummer übrigens 1979 erschien. Vor zwanzig Jahren. rd.


Fichiers :
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