07/09/1999 18:47 Il y a : 19 yrs

Von Gulden, Talern, Marken und Franken

Catégorie : 62/1999 - Euro 62/1999 - Euro

Deutscher Vereinstaler (MNHA) Von Gulden, Talern, Marken und Franken 1815 wurde auf dem Wiener Kongress das unabhängige Großherzogtum gegründet. Der niederländische König wurde Großherzog von Luxemburg, und die Regierung der Nieder- lande bemühte sich sogleich, ihr Währungssy- stem in Luxemburg einzuführen. Dabei stieß sie auf erheblichen Widerstand, da sich der von den Franzosen 1803 eingeführte Franc germinal dank seiner einfach zu handhabenden Zehner- einteilung in der Hauptstadt wie auf dem flachen Land großer Beliebtheit erfreute. Entgegen den Wiener Abmachungen, aufgrund derer Luxem-burg ein politisch unabhängiger Staat sein sollte, behandelten die Niederländer das neue Gebiet auch währungspolitisch als 18. niederländische Provinz. So trat für das Großherzogtum 1816 ein Währungsgesetz in Kraft, das die niederländi- schen Nord- und Südprovinzen vereinigen sollte. Der Silbergulden mit seiner Cent-Einteilung wurde zur offiziellen Währung. Die Verwaltung musste aber bald feststellen, dass Gesetze allein nicht genügten, um jahrzehntealte beliebte Zahlungsgewohnheiten zu ändern. Eine Über- gangsperiode, in der in der Haupt- und Festungsstadt wie auch auf dem Lande Rech-nungen weiter mit Francs beglichen werden konnten, sollte 1830 gerade zu Ende gehen, als aufgrund der wachsenden Unzufriedenheit der Südprovinzen mit dem autoritären Regime in Den Haag 1830 die Belgische Revolution ausbrach. Während neun Jahren kontrollierten die belgischen Revolutionstruppen das Land bis an die Grenzen der Hauptstadt, die der Deutsche Bund widerwillig, da auch er mit der Regierungs- praxis Wilhelms I. nicht ganz einverstanden war, mit seiner dort stationierten Garnison als Bastion des Orangismus verteidigte. Währungstechnisch führte diese Situation dazu, dass innerhalb der Festung mit Gulden bezahlt wurde, während etwa im heutigen Stadtteil Eich, der außerhalb der Befestigungsan- lagen lag, Rechnungen wieder in Francs ausge- stellt wurden. 1832 hatte das junge Königreich Belgien die 1824 von den Niederländern abge- schaffte Währungseinheit wieder eingeführt.D er Londoner Kongress von 1839 legte die Streitigkeiten zwischen dem nieder- ländischen König und dem jungen belgischen Staat bei. Obwohl die Niederländer den Gulden wieder als Rechnungseinheit der Verwaltungen im gesamten, territorial stark beschnittenen Rumpfgroßherzogtum einführten, zeigten sie doch mehr Verständnis für die Eigenheiten des zwischen den Großmächten Frankreich und Preußen sowie Belgien eingebetteten Grenz- landes. Da die Luxemburger Handelskontakte zu Frankreich, Belgien und Preußen pflegten und sogar von diesen abhängig waren, akzeptierten sie auf ihrem Gebiet die Währungen der Nach- barn. Wirtschaftlich war das Land, das sich, von der Hauptstadt abgesehen, während neun Jahren dem belgischen Markt, zu dem es freien Zugang hatte, zugewandt hatte, in einer Krise, die der belgische Staat mit günstigen Zolltarifen zu mildern suchte. Dem niederländischen König war diese Wirtschaftsorientierung in Richtung des Erzfeindes nicht genehm, und er suchte Kontakte nach Preußen. Als der niederländische König 1842 den Zollvereinsvertrag mit Preußen abschloss, stieß er zunächst auf heftigen Widerstand in der Luxemburger Ständeversammlung, deren Mit- glieder Belgien immer noch als Haupthandels- partner ansahen. Der preußisch-luxemburgische Wirtschaftsvertrag sah vor, dass sich das Großherzogtum einem der beiden deutschen Währungssysteme anschließen sollte, dem süddeutschen 241/2 Guldenfuß oder dem nord-deutschen 14 Talerfuß, dies, obwohl die Stände- versammlung, wie das Parlament damals hieß, im gleichen Jahr den Wunsch ausgesprochen hatte, aufgrund der Wirtschaftsbeziehungen des Landes und der damit verbundenen Vorherr-schaft des Franc, diesen zur Rechnungseinheit des Großherzogtums zu erklären. Der Handel stützte sich auf Zahlungen in Francs, die Rech- nungsbücher wurden in Francs geführt, die Grenzbeamte in der Zeit des Deutschen Zollvereins (BNL) Pierre Dupong (Porträt von Emile Probst) komplizierte Umrechnung in niederländische Gulden ? 1 Gulden entsprach 2,1164 Francs ? führte zu Irrtümern und Schwindeleien. Die Regierung befürchtete ähnliche Schwierigkeiten durch die Umrechnung in Gulden und Taler und bemühte sich wenig um die Umsetzung der währungspolitischen Klausel des Zollvereinsver- trages. Ein Gesetz des gleichen Jahres legte lediglich den Umrechnungskurs des Franc zum Gulden fest. Fortan war ein Franc 8 Silbergro- schen, 0,471/4 Gulden wert, ein Taler entsprach 30 Silbergroschen oder 3,75 Francs. Der Geld- umlauf in der Hauptstadt, in der doch ein großer Teil der Geschäfte in jenen Jahren getätigt wurde, war alles andere als klar und einfach. Nachdem die wirtschaftlichen Kontakte mit Preußen, nicht zuletzt dank der aufkeimenden Luxemburger Eisenindustrie und der Zollpolitik des Bundes intensiver geworden waren, drängte das deutsche Geld immer stärker nach vorn. Zwei Gesetze von 1843 und 1844 trugen der neuen Situation Rechnung und legten den Umrechnungskurs von Taler und Gulden neu fest. Dennoch konnten sich die Luxemburger vom Franc als Rechnungseinheit nicht trennen: Man zahlte in Talern und rechnete in Franken. Kindergedichte zeugen auch heute noch von der damaligen Lage: ?Hei huest'en Daler...." 1847 lief der erste Zollvereinsvertrag aus. Aufgrund seiner geographischen Grenzlage wollte das Großherzogtum die begonnene Inte-gration in das deutsche Währungssystem nicht fortführen, und mit der Erlaubnis Preußens durfte es bei der Unterzeichnung des zweiten Zollvereinsvertrages den deutschen Münzverein verlassen. Als 1848 die Revolution auch Luxem-burg berührte, war es nur noch die niederländi- sche Verwaltung, die in niederländischen Gulden rechnete und Steuern erhob. In einem nationalen Elan und um die Verwaltungsgeschäfte zu vereinfachen, beschloss das neu gewählte Luxemburger Parlament, den Franken als Rech-nungseinheit der Verwaltung einzuführen. Das betreffende Gesetz vom 20. Dezember 1848 kann deshalb getrost als Geburtsstunde des Luxemburger Franken angesehen werden, obwohl es diesen weder als Schein noch als Münze gab. 1854 kamen die ersten, vom Luxemburger Staat geprägten Scheidemünzen in Form von 10, 5 und 2,5 Centimes Münzen auf den Markt. Die Politiker hatten festgestellt, dass die Ausgabe von Kleingeld ein lukratives Geschäft war und beriefen sich auf die liberale Verfassung von 1848, die dem Großherzog das Recht gab, Münzen zu schlagen. Fortan gesellten sich zu den preußischen Talern, den belgischen und französischen Centime-Stücken auch noch Luxemburger Kupfermünzen. Der Staat Luxem-burg erlebte einen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung, den der Nationaldichter Michel Lentz 1859 in der fünften Strophe des Feierwon besang: ?Mir hu keng schwéier Läscht zu dro'n Fir onse Staatswoon dun ze go'n Keng Sterre kommen ons erdrécken, Keen Zwank de fräie Geescht erstécken; Mir maache spuersaam onse Stoot, Kee Bürger a kee Bauer klot."Grubenarbeiter im Tagebau (um 1900) In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Kapitalbedarf gering, und es gab kaum Institute, die man als Banken bezeichnen konnte. Kaufleute und Industrielle wie Jean-Pierre Pesca- tore in der Stadt Luxemburg und Joseph Tschid- derer in Diekirch verliehen Geld. 1843 eröffnete das Handlungshaus Wagner und Schoemann aus Trier eine Außenstelle in Luxemburg und mischte sich ebenfalls in das Kreditgeschäft ein. In Geldnot geratene Privatleute wandten sich meist an einen Notar. Nach den Krisen von 1845, 1846 und 1847 nahm der Staat das Projekt eines Crédit foncier in Angriff. In seiner ambitiösesten Form sollte es unter anderem eine Sparkasse und eine Immobilienkreditkasse sowie eine Bank für Landwirtschaft, Handel und Industrie begreifen. Finanziert werden sollte die Anstalt durch öffent-liche Gelder, Pensionsgelder, Kirchenfabriken, Gemeinden, Wohlfahrtsbüros, die Ausgabe von Papiergeld und durch eine Monopolstellung des Staates bei Lebens- und Feuerversicherungen. Die Bodenkreditanstalt wurde trotz heftiger Proteste 1854 eröffnet, scheiterte aber in der Hauptsache am Widerstand gegen die Pfand-briefe, die die Kunden, die sich an sie wandten, an Stelle von Geld erhielten und mit denen sie sich das nötige Kapital besorgen konnten, vorausgesetzt, sie fanden jemanden, der es ihnen vorstreckte. 12 Die im Aufbau begriffene Industrie, für die die Regierung nach 1855 ein Eisenbahnnetz einrichtete, brauchte Kapital und ein modernes Kreditsystem, das weder Notare noch Kaufleute ihr liefern konnten. 1856 entstanden in der Hauptstadt die beiden ersten modernen Kredit- institute: die Sparkasse, die sich in erster Linie an Privatkunden wandte, und die Internationale Bank in Luxemburg. Deutsche Geldinstitute standen Modell. Als Gegenleistung für das Recht, Geld zu drucken, musste sich die Bank verpflichten, der Industrie das nötige Kapital zur Verfügung zu stellen. Allerdings hatten die Taler- scheine der Internationalen Bank in Luxemburg Schwierigkeiten sich durchzusetzen. Privatleute misstrauten dem Papier und bevorzugten klin-gende Münzen, Geschäftsleute zogen Taler- scheine von deutschen Banken vor, die in den Staaten ihrer Handelspartner anerkannt waren. Erschwerend für die Durchsetzung des luxem- burgischen Papiergeldes kam die von der preußi-schen und der bayerischen Regierung betriebene währungspolitische Einigung Deutschlands hinzu, die ab 1857 die Verbreitung von ausländi-schen Banknoten verbot. Die erste luxemburgi- sche Währungsbank durchlebte bewegte Jahre, in denen sich die Luxemburger langsam an das Papiergeld gewöhnten. Die Krisenjahre der Inter-nationalen Bank waren noch nicht zu Ende, als Schmelzherr Emile MayrischAnfang der 1870er Jahre eine neue, von der Regierung unterstützte Währungsbank die Kreditlandschaft Luxemburgs bereicherte. Die Nationalbank, die Geldscheine in der nach 1871 eingeführten neuen deutschen Währungseinheit Mark ausgab, stieß auf nationalem Gebiet auf den Widerstand von Industriellen, die der Inter- nationalen Bank die Treue hielten. Der von der Einigungspolitik Bismarcks geprägte deutsche Markt war geschlossener denn je, und sogar der älteren Internationalen Bank gelang es nur durch Scheine mit der Aufschrift ?25 Thaler ? 20 Mark", die strengen deutschen Bestimmungen zu umgehen. Die von einer Krise in die andere gleitende Nationalbank vegetierte weiter, bis ein Gericht 1886 ihren Bankrott erklärte. Die enttäuschte Bevölkerung, die große Hoffnungen in die von der Regierung unterstützte Anstalt gesetzt hatte, entlud ihren Zorn, indem sie Banknoten der Nationalbank auf der Place d'Armes verbrannte. 1881 beschloss die Regie- rung, die Geldscheine des Instituts zu 100 Prozent zu ersetzen. Vom Scheidegeld abgesehen, beherrschten am Vorabend des Ersten Weltkrieges von der Internationalen oder von deutschen Banken ausgegebene Markscheine die Geldlandschaft Luxemburgs. Wenige Tage nach Kriegsausbruch erhielten die Scheine der Internationalen Bank und der umliegenden Institute einen Zwangs-kurs. Darüber hinaus wurde die Internationale Bank von der Pflicht, ihre Geldscheine in klin- gende Münze umtauschen zu müssen, entbunden. Dennoch geriet das Großherzogtum in eine immer tiefere Geldkrise, die der Staatsrat 1914 folgendermaßen beschrieb.,,.. Par suite des derniers événements, l'or se cache et le métal argent devient rare. Le public se refusant de recevoir les billets de la Banque et de l'empire allemand, qui ont toujours circulé dans le pays, alors cependant qu'ils n'ont pas cours légal dans le Grand-Duché, il en résulte que tous les paie-ments doivent se faire en numéraire. De là une véritable crise qui atteint surtout le commerce et l'industrie, et plus particulièrement les banques. Ces établissements ne font plus de recettes et ils ne savent plus comment satisfaire leurs créan- ciers..." (Compte-Rendu 1914/15, annexe 1, pal) In der Folge erhöhte die Internationale Bank ihr Emissionsvolumen, und die Regierung gab selbst in Franken lautende Kassenscheine heraus. So wuchs das Geldvolumen auf ein unnatürliches Maß an. Die ersten in Franken lautenden Luxem- burger Geldscheine waren in einer Notsituation entstanden und von Anfang an als eine vorüber- gehende Maßregel angelegt worden. Dennoch gewöhnte man sich rasch an eine eigene Währung, so dass die Luxemburger Regierung nach der Kapitulation Deutschlands und dem damit verbundenen Zusammenbruch des Zoll- vereins nicht darauf verzichten wollte. Von einem Tag zum andern verschwand das deutsche Papiergeld, mit dem Firmen wie ARBED Löhne und Rechnungen bezahlten, vom Markt. Eine vorübergehende Lösung wurde in Papiernotgeld , Banknote von 1876 mit Kontrollstempel, der das Verhältnis vom Franken zur Mark zeigt. maltISSZMI =104110=1=11 (I.ïI I -12 /N. NI 4r !6i. `,1911 Itrg.r.r:t1117, .7:1V4 ? ? ; (BIL) 13gefunden, das große Firmen in aller Eile drucken ließen. In Zeitungsanzeigen machte die Regie- rung darauf aufmerksam, dass sie das Papiernot- geld der Hüttenwerke in allen Staatskassen zum vollen Nominalwert annahm und dass es deshalb keinen Grund gab, seine Annahme im täglichen Geschäftsverkehr zu verweigern. Kreditkassenscheine in Franken und Papier- notgeld in Mark bestimmten die Geldlandschaft 1919, am Vorabend der Wirtschaftsverhand- lungen zwischen Belgien und Luxemburg. Rich- tiges Geld sollte her, das Geldvolumen musste verringert und die Marken umgetauscht werden. In den langwierigen Verhandlungen, die die Luxemburger aus einer schwachen Stellung heraus führten, gelang es den Vertretern des Großherzogtums zumindest teilweise, eine eigene Währung durchzusetzen. Für die Luxem- burger in der Hauptsstadt wie auf dem Land bedeuteten die beiden kurzen währungspoliti- schen Artikel des belgisch-luxemburgischen Wirtschaftsvertrages von 1921, die beiden Seiten viel Interpretationsspielraum ließen, dass sie künftig sowohl mit belgischem wie auch mit luxemburgischen Geld bezahlen konnten. Indu-strie und Handel konnten bei Import und Export von der international anerkannten belgischen Währung profitieren. Nach der durch den Ersten Weltkrieg bedingten Inflation erholte sich die Luxemburger Wirtschaft recht bald, während Belgien in eine immer tiefere Wirtschaftskrise glitt. Als das benachbarte Königreich 1926 seinen Franken 14 zum ersten Mal abwertete, erwog die luxem- burgische Regierung, eine von Belgien unabhän- gige Währung zu schaffen. Finanzminister Pierre Dupong holte Rat bei Hjalmar Schacht, dem Präsidenten der deutschen Reichsbank und späteren Finanzminister Hitlers. Trotz des posi- tiven Gutachtens Schachts sah man vorläufig noch von einer Abkoppelung der luxemburgi- schen Währung ab und begnügte sich damit, den Luxemburger Franken zu ?stabilisieren", indem man ihn 1929 per Gesetz mit Gold deckte. Zum ersten Mal in seiner fünfundsiebzigjährigen Geschichte wurde der Luxemburger Franken definiert. Der im Nationalarchiv aufbewahrte handgeschriebene Gesetzentwurf zeugt auch heute noch von dem Interesse und Engagement, das Pierre Dupong dem Projekt entgegen brachte. Das Großherzogtum war auf dem Weg, sich von seinem Wirtschaftspartner zu emanzi-pieren und fing an, ein stärkeres nationales Selbstbewusstsein zu zeigen. Die Luxemburger Banken hatten sich von den wirtschaftlichen Umwälzungen, die der Wechsel des Wirt- schaftspartners nach dem Krieg mit sich gebracht hatte, erholt. Nationale Versicherungsgesell- schaften entstanden und 1929 wurde die Luxemburger Börse, die ihren Sitz in der Haupt- stadt hatte, gegründet. Das die Besteuerung von Holding-Gesellschaften mit Sitz in Luxemburg betreffende Gesetz stammte aus den gleichen Jahr, hatte allerdings noch kaum Auswirkungen auf die Wirtschaftslage des Landes. ; ,T4A43,:,P4444`441.4,74.:4,41u ?De Feierstëppler" 1935 entwertete Belgien seinen Franken ein zweites Mal, wiederum ohne den Luxemburger Währungspartner zu informieren. Diesmal reagierte die Regierung hart und beschloss, die Luxemburger Währung abzukoppeln. Im Volks- haus stellte sich Pierre Dupong der Luxemburger Öffentlichkeit und rechtfertigte die Maßnahmen unter dem Beifall der Zuhörer. Er erklärte, durch die 28prozentige Entwertung seien in Belgien auch 28 Prozent aller festen Einkommen und damit die Kaufkraft der Löhne abgebaut worden. Er wolle dieses Schicksal den luxemburgischen Arbeitnehmern ersparen, da die Verschuldung von Banken und Wirtschaft, die zur Entwertung geführt hatte, in Luxemburg nicht so groß und das Staatsbudget ausgeglichen sei. In Luxemburg konnte man weiterhin in beiden Währungen bezahlen, und so bedeutete der Schritt in die währungspolitische Unabhän- gigkeit für das tägliche Leben der Luxemburger ein beständiges Umrechnen, das der Vorkriegs- generation, der das Hin und Her zwischen Franken und Mark noch geläufig war, allerdings nicht allzu schwer fallen durfte. Zur Vereinfa-chung der Umrechnung wertete die Luxem- burger Regierung nur um 10 Prozent ab, und ein Luxemburger Franken war nun 1,25 belgische Franken wert. Eine Konvention mit Belgien gestand Luxemburg mehr währungspolitische Rechte zu. Die Ungleichheit der beiden Währungen bestand immer noch, als beide Länder 1940 auch währungspolitisch vom Dritten Reich annektiert wurden. Nach einer kurzen Übergangsperiode wurden am 29. Januar 1941 alle luxemburgi- schen und belgischen Franken aus dem Verkehr gezogen. Lebensmittel konnte sich der Luxem- burger in der Stadt nur noch mit Lebensmittel- karten und Reichsmarken besorgen. Unter dem Begriff ?Hamstern" spielte der Tauschhandel während der Kriegsjahre und unmittelbar danach eine wachsende wirtschaftliche Rolle, sowohl in Luxemburg als auch in Belgien. Unterdessen waren sich die Regierungen der beiden Wirtschaftspartner im Exil wieder näher gekommen, und man beschloss, den Wiederaufbau gemeinsam anzugehen. Belgien stand Luxemburg 1944 beim Umtausch der Reichsmarken bei, und stillschweigend wurde die Parität zwischen den beiden Währungen wieder eingeführt. Marie-Paule Jungblut


Fichiers :
PDF(1.4 Mb)

62/1999 - Euro

p.  1