07/09/1999 18:47 Il y a : 19 yrs

"Eng Kurbel Gölleronner"

Catégorie : 62/1999 - Euro 62/1999 - Euro

??Eng Kurbel Gölleronner? Notgeld aus Zink (1918) CMMNHA Unsere Valuta ist krank. Herzkrank. Tachy-carditis, Herzjagen. Man stirbt nicht davon, aber die verfluchte Herzensangst! Puls zwischen 175 und 178. Die Ärzte stehen mit sorgenvollen, gefurchten Stirnen ums Bett und pressen ihre Rohrstöcke mit den Goldknäufen an die Lippen und reden von Digitalis, Digalen, Stabilisierung, Halbstabilisierung, Vorstabilisierung, Zwischen- stabilisierung, Etappen usw. Und schielen nach den teuren Apotheken in Amerika und England. Das Herz unserer Valuta ist der Franc. Man sagt wohlgemerkt der Franc, nicht der Franken. Franken ist eine Sprachdummheit. Le Grec heißt der Grieche, nicht der Griechen. Also heißt le Franc bestenfalls der Franke, nicht der Franken. Der Franken, das klingt, wie wenn weiland Herr Tony Erpelding in der Kammer sagte: der Herrn Eyschen. Bleiben wir beim Franc. Er macht uns noch immer viele Sorgen, mehr Sorgen, als er vielleicht noch wert ist. Bei der Nennung seines Namens durchfährt uns eine jähe Angst. Sobald unsere Valuta wieder gesund ist, schlage ich vor, den Franc umzutaufen, damit wir nicht täglich an vergangenes Elend erinnert werden. Der Sou mag bleiben. Der arme Kerl kann für nichts. Aber für den Franc müssen wir einen anderen Namen finden, um über die unselige Vergangenheit Schwamm drüber zu machen. Im Volksmund klingen noch allerhand Namen verflossener Münzarten auf. Der Klos zahlt den Heng ?bei Dubbelsno" aus, aber er zahlt ihm keinen ?blatzegen Cents". Jeder von uns kennt noch die Stelle, wo das Wirtshaus ?Um leschte Steiwer"(Au repos au dernier sol) stand, in dem der Überlieferung nach die Bauern von Hesperingen, Alzingen, Fentingen, Frisingen usw. bei der Heimkehr ihren letzten Stüber vertranken. Im Viehhandel haben noch heute das ?Stück" und der ?Napoliom" Kurs. Auch den Pfennig haben wir, zumal an der Mosel, als ?Penner gekannt, und die halbe Mark war uns Kindern als ?Correntchen" eine willkommene Kirmesmünze. Warum sollen wir nach der Gesundung unserer Valuta nicht von unten herauf tabula rasa machen und mit der neuen Nomenklatur ein neues Leben beginnen? Unseren Centime nennen wir Cents. Der Sou bleibt. Aber der dicke Sou hat keinen Sinn mehr. Als er noch von Bronze war, da war er dick. Heute verdient er das Prädikat nicht mehr. Nennen wir ihn Dubbel, um das alte Wort herüberzuretten. Aber der Franc? Es wäre irreführend, ihn Goldfranc zu nennen, denn einen goldenen Franc kann es nicht geben. Worin besteht das Wesen des neuen Franc dem alten gegenüber, was unterscheidet in unserer Vorstellung den Goldfranc vom Papierfranc? Doch hauptsächlich die Form und das Material. Jener ist seinem Wesen nach rund und schwer. Und er rollt. Dieser ist viereckig und leicht. Und er fliegt, leider nur zu leicht und zu hoch. Also wie wär's, wenn wir dem neuen Franc den Namen gäben, der ihn am malerischsten kennzeichnet: ?E Ronnen". Fönnef Ronfler, zwanzeg Ronner, honnertdausend Ronner, drei Ronner an en halwen ? das alles liegt uns vortrefflich auf der Zunge. Für den halben Runden könnten wir aus linguistischer Pietät ?e Correntchen" setzen. Nun zu den Goldmünzen, die wir hoffent- lich auch prägen werden. Am nächsten läge es, sie nach dem Landesfürsten zu nennen, wie Louis, Napoleon, Friedrich d'or usw. Das ergäbe für uns eine Charlotte bzw. eine halbe Charlotte. Es klänge frendartig. Geld ist Sinnbild des Kampfes ums Dasein, für den Kampf kommt nur der Mann in Betracht. Über den männlichen Cents, Sou, Dubbel und Franc kann nur ein männliches Zwanzigfrancstück befehlen. Man könnte es einen Peter nennen, nach dem Finanz- minister, unter dem die Stabilisierung vor sich gehen zu wollen scheint. Aber in ferner Zukunft könnten Zweifel darüber entstehen, welcher von den zwei Petern, die 1926 am Ruder waren, als der Peter der Große zu gelten hat, auf den unser Goldstück getauft sein wird. Schade, ein Peter und ein Peterchen für je zwanzig und zehn Franc wäre nicht übel. Aber es gibt eine einfachere Lösung: Da der Franc ?e Ronnen" heißt, warum das goldene Zwanzigfrancstück nicht ?e Gölleronnen" taufen? Daraus ergäbe sich für das Zehnfranc- stück von selbst der liebliche Kosename: ?e Göllerönnchen". Im Weiteren würde es sich empfehlen, für die Zahlenwerte, die uns in ihrer Transzendenz so gut wie gar nichts mehr bedeuten, als da sind: Millionen, Milliarden, Billionen, Trillionen usw., die Bezeichnungen ?Kurbel", ?Sieschter", ?Maler" usw. einzuführen. Wenn ich sage: ?Eng Kurbel Gölleronner", so sagt das der Phantasie des einfachen Mannes mehr, als ?eng Million Frang". Ich unterbreite diese Vorschläge unserem Herrn Finanzminister zur gefälligen Bebrütung. Batty Weber ?Abreißkalender" vom 12. Oktober 1926 17


Fichiers :
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