07/09/1999 18:47 Il y a : 19 yrs

Stater Chronik

Catégorie : 62/1999 - Euro 62/1999 - Euro

?STATER CHRONIK 28 Marcel Schroeder t ?Ech kucken emol a méngem Archiv, ob ech eppes fannen." Wie oft während der vergan- genen zwanzig Jahre hat Marcel Schroeder, ein Ons Stad-Mitarbeiter der ersten Stunde, uns dies geantwortet, wenn wir wieder einmal eine passende Illustration zu einem geschichtlichen Beitrag suchten? Kurze Zeit später kam er in der Redaktion vorbei, mit einem dicken Ordner in seiner Mappe. Und dann hatten wir jedes Mal die Qual der Wahl, denn Marcel hatte auf seinen groß-und kleinformatigen Diapositiven oder auf seinen Schwarz-Weiß-Bildern meist alles, was es an Ikonographie zu einem Thema gab; ob es sich dabei um eine historische Persönlichkeit handelte, nach der eine Straße benannt war, um ein Stadtviertel, eine längst verschollene Skulptur, einen Grabstein, ein Wegkreuz oder um einen ganz bestimmten Baum im Stadtpark. Marcel Schroeder war ein äußerst begabter Fotograf und ein leidenschaftlicher Sammler. Mit den Jahren waren seine Privatarchive im zweiten Stockwerk seines schönen, mit Efeu und wildem Wein umrankten Hauses in der Limpertsberger Michel Lentz-Straße derart angewachsen, dass es zahlreicher Karteikästen und Regis- termappen bedurfte, um einen schnellen und thematisch präzisen Zugriff zu ermögli- chen. Aber da Marcel ein überaus ordnungs- liebender und gewissenhafter Mensch war, hatte er ein System entwickelt, das demje- nigen eines professionellen Archivars durch- aus ebenbürtig war. Weil ihn historische Themen schon in jungen Jahren faszinierten, wollte er eigent-lich Geschichtslehrer werden. Familiäre Umstände zwangen den am 9. März 1919 in Bonneweg geborenen Gymnasiasten jedoch dazu, auf ein Universitätsstudium zu ver- zichten und statt dessen eine Laufbahn als Arbed-Beamter einzuschlagen. In seiner Freizeit konnte der junge Mann sich jetzt immerhin ganz seiner zweiten Leidenschaft, der Fotografie widmen, und im Laufe der Zeit gelang es ihm, sein histo-risches Interesse mit seiner künstlerischen Begabung auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Als Autodidakt eignete er sich durch umfangreiche Lektüre das nötige Wissen an, und mit seiner Kamera fing er gewissenhaft alles ein, was er für den Aufbau seiner Archive benötigte. Mit den Jahren wurde das Hobby dann immer mehr zum Beruf. Sein Arbeitgeber, der Luxemburger Stahlkonzern, begann sich für die speziellen Fähigkeiten dieses Beamten zu interessieren, und schon bald war er derjenige, der ausländische Gäste und Geschäftspartner zum Sightseeing in Stadt und Land herumführte und ihnen fach-kundige Erklärungen zur Luxemburger Geschichte lieferte. Immer mehr Autoren und Historiker entdeckten den unschätzbaren Wert von Marcel Schroeders Archiven, so dass bald im Großherzogtum kaum noch ein Kunst- oder Geschichtsband erschien, in dem sein Name als Fotograf nicht im Impressum figurierte. Als Marcel Schroeder im Jahre 1978 seine Laufbahn bei der Arbed beendete ? wo er zuletzt den Posten des Bevollmächtigten und Leiters der grafischen Abteilung bekleidet hatte ? und in den Vorruhestand trat, konnte er sich endlich ganz seiner foto-grafischen Kreativität widmen. Der frühe Tod der einzigen Tochter vor fast einem Jahrzehnt war ein schwerer Schicksalsschlag für den rüstigen Pensionär und seine sympa- thische Gattin. In den letzten Jahren quälte ihn eine grausame Krankheit, die ihn mehr- mals in der Woche in die Klinik, zur Dialyse, nötigte. Dazu kam dann noch eine schwere Gehbehinderung, die es ihm zuletzt fast unmöglich machte, die Treppe in sein geliebtes Studier- und Arbeitszimmer mit den schrägen Mansardenwänden hinaufzu-steigen. Marcel Schroeder starb am vergangenen 5. Oktober im Alter von achtzig Jahren. Mit ihm verliert unsere Zeitung nicht nur einen Mitarbeiter, sondern einen langjährigen Freund. Sein Archiv indes wird uns auch weiterhin gute Dienste leisten. Marcel hatte nämlich bereits zu Lebzeiten, als die Krank-heit ihn immer mehr an seiner geliebten Arbeit hinderte, große Teile davon an die hauptstädtische Fotothek abgegeben. r.cl.In Clausen: Die neue Alzette-Brücke wurde feierlich ihrer Bestimmung übergeben Anderthalb Jahre hatten die Bauarbeiten gedauert, und am vergangenen 24. September war es endlich soweit: Im Beisein von Bautenministerin Erna Hennicot-Schoepges, Bürgermeister Paul Helminger sowie zahlreichen anderen Ehrengästen - sogar die frühere hauptstädtische Bürgermei- sterin und jetzige Außenministerin Lydie Polfer war ?aus reiner Nostalgie kurze Zeit bei der Einweihungszeremonie anwesend - konnte die neue Brücke offiziell für den Verkehr freigegeben werden. Bereits im 13. Jahrhundert hatte es an dieser Stelle eine Flussbrücke gegeben. Die alte Steinbrücke mit drei Bögen war während des Ersten Weltkrieges zerstört worden. Nach dem Krieg wurde sie durch eine Betonkonstruktion ersetzt, die mit Steinimitationen verkleidet war. Seit längerem war der schlechte Zustand dieser Brücke bekannt. Im Jahre 1995 wurde festgestellt, dass sie inzwischen eine reelle Gefahr darstellte. 1997 wurde nach einer öffentlichen Ausschrei- bung eine Sandweiler Firma mit dem Neubau betraut, der rund 60 Millionen Franken kostete und integral vom Bautenministerium finanziert wurde. Die technischen Dienste der Hauptstadt indes beteiligten sich an der Neuverlegung der Kanalisationsrohre sowie der Wasser-, Gas- und Stromleitungen. Bundespräsident Johannes Rau auf Antrittsbesuch in Luxemburg Am 5. und 6. Oktober 1998 war der neue deutsche Bundespräsident Johannes Rau in Begleitung seiner Gattin im Rahmen eines zweitägigen Antrittsbesuches zu Gast in unserem Lande. Während eines offiziellen Empfangs im Cercle Municipal am ersten Besuchstag, zu dem die deutsche Botschaft in Luxemburg anlässlich des zehnten Jahres- tages der deutschen Einheit geladen hatte, wurden Johannes und Christine Rau vom neuen hauptstädtischen Bürgermeister Paul Helminger herzlich willkommen geheißen. Danach trugen sich die hohen Gäste im Beisein mehrerer Mitglieder des Schöffen- rates traditionsgemäß ins Goldene Buch der Stadt ein. Anschließend begaben sie sich ins Palais, wo das großherzogliche Paar zum Abendessen geladen hatte. 29


Fichiers :
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