07/09/1999 18:47 Il y a : 19 yrs

Was bedeuten die Straßennamen der Stadt?

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?Was bedeuten die Straßennamen der Stadt? V' Saint- ith, (Rue de) Parallel zu der Rue des Forains zweigt diese Sackgasse ab von der Rue de Kirch- berg in Weimerskirch. Seit dem 4. Juli 1930 trägt sie durch Gemeinderatsbeschluß den Namen des Eifelstädtchens Sankt Vith, das wie so manche andere lange Jahre zur Grafschaft und zum Herzogtum Luxemburg gehört hatte. Die Gründung von Sankt Vith reicht zurück ins 7. Jahrhundert, in die Zeit der Frankenkönige, die in den ausgedehnten waldreichen Gebieten zur Urbarmachung der Wälder Königshöfe und Niederlas- sungen errichteten; diese legten den Grundstein zu vielen späteren Ort- schaften. Der Name taucht zum ersten Mal in einer Urkunde der Klöster Malmédy und Stavelot auf, deren Einfluß sich bis nach Sankt Vith erstreckte. An der alten Römerstraße von Reims nach Köln gelegen, entwickelte sich Sankt Vith bald zu einem bedeutenden Markt- flecken. Die Pfarrkirche, die den hl. Vitus zum Patron erhielt, gab dem Ort den Namen; der jugendliche Märtyrer genoß schon in den frühen Jahren der Christen- heit sowohl in Italien als auch in Deutschland große Verehrung. Die Gläu- bigen erbaten von ihm Heilung von ihren Nervenleiden (Veitstanz). Im 13. Jahrhundert kam Sankt Vith an die Grafen von Vianden und wurde zusammen mit deren Gütern zu Lehns-gutsbesitzungen der Luxemburger Gra- fen, die es zum Hauptort der deutschen Ardennen machten. Über 500 Jahre waren die Eifelkantone Bitburg, Neuerburg und Sankt Vith Teile der Grafschaft, später des Herzogtums Luxemburg. Aber auch sie sollten nicht verschont bleiben von den wechselvollen Ge-schicken, die so viele Grenzgebiete heim-suchten: 1689 verwüsteten die Truppen Ludwigs XIV. das Land, und 1794 erfolgte die Annexion durch Frankreich. Bei der Aufteilung des Wälderdeparte- ments beim Wiener Kongreß 1815 fielen die Eifelkantone an Preußen; für unser Land ein schmerzlicher Verlust mit schlimmen wirtschaftlichen Folgen. Im Vertrag von Versailles 1919 wurde Belgien 32 für seine Opfer während des Krieges mit den Gebieten Eupen, Malmédy und Sankt Vith entschädigt, die Hitler 1940 wieder an das Reich anschloß. Bei Kriegs-ende fielen sie an Belgien zurück. Für, uns ist es nicht uninteressant, einige Persönlichkeiten zu erwähnen, die aus Sankt Vith stammen; so der Provinzialrat und Altertumsforscher Johann von Wilt- heim, dessen Söhne sich in der Geschichte Luxemburgs einen Namen machten, die Jesuiten Alexander und Wilhelm als Historiker, Eustach als Präsi- dent des Provinzialrates. Hier wurde auch Theodor Ignaz de la Fontaine geboren, der als Advokat in Luxemburg wirkte. Sein Sohn mit glei- chem Vornamen wurde Gouverneur während der holländischen Periode, sein Enkel war der Dichter Dicks. Heute hat sich Sankt Vith nach den Zerstörungen durch die Rundstedtoffen- sive zu einer neuen Stadt mit schmucken Häusern, einladenden Hotels und modernen Geschäften entwickelt und in der waldreichen Umgebung der schönen Ardennen-Eifel-Landschaft zu einem idealen Reiseziel für den Ruhe und Erho- lung suchenden Touristen. Salentiny Jules, (Boulevard) Vom Boulevard Charles Simonis auf Cents ausgehend, führt diese Straße, so benannt seit dem 5. Juni 1972, um den westlichen Teil der Cité HBM herum und mündet wieder in den Boulevard Charles Simonis ein. Jules Salentiny wurde am 3. April 1894 in Luxemburg als einziger Sohn des Direk- tors der Forstverwaltung geboren. Er entstammte einer Juristenfamilie aus Ettelbrück; der Großvater war Advokat in Diekirch und Abgeordneter. Nach den Sekundarstudien am Athe- näum entschied er sich beim Besuch der Oberkurse für das Rechtsstudium. Seine Universitätsjahre fielen in die Zeit des Ersten Weltkrieges und führten ihn teils an deutsche, teils an französische Hoch- schulen. Sein Diplom zum Doktor der Rechte erhielt er am 10. Dezember 1918, die Vereidigung als Advokat erfolgte am 10. Januar 1919. Zwei Jahre später legte er auch das Notariatsexamen ab, schlug aber dann doch die Laufbahn in der Magi- stratur ein, die ihn stufenweise über die verschiedenen Grade hinweg bis zur höchsten Würde brachte, zum Präsi- denten des Obersten Gerichtshofes. Dieses Amt bekleidete er vom 14. Oktober 1953 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 1959. Während der Nazidiktatur ereilte auch Jules Salentiny das Schicksal derer, die es gewagt hatten, ihrer Entrüstung über die Willkür des Unterdrückers Ausdruck zu verleihen. Im Herbst 1942 hatte er, wie viele andere seiner Kollegen und Mitbürger, laut gegen die vom Gauleiter aufgezwungene Wehrpflicht für junge Luxemburger protestiert. Diese Haltung, die so manche unserer Landsleute vor das Exekutionskommando brachte, führte ihn nach seiner Amtsenthebung zunächst in das Grundgefängnis, dann in die Umsiedlung, zuerst nach Leubus, später nach Boberstein. 1943 kam er aber an die Hermann Göring-Werke nach Linz, wo er im Direktionssekretariat beschäftigt war. Am 25. Mai 1945 kehrte er in die Heimat zurück. Hier fiel ihm in den Nachkriegs- jahren die schwere Aufgabe zu, den Gerichten vorzustehen, die die Kriegsver- gehen abzuurteilen hatten, eine Aufgabe, die er ? ein eifriger Leser von Montes- quieu und von La Bruyère ? mit dem Bestreben des Weisen nach einer unge- trübten Gerechtigkeit anging. Sein umfangreiches Wissen, seine Welter- fahrung, durch zahlreiche Reisen berei-chert, seine liebenswürdige Güte und seine courtoisie machten ihn zu einem geschätzten Zeitgenossen. Jules Salentiny, der Junggeselle war und am 19. Juni 1962 verstarb, hat in seinem Testament die Stadt Luxemburg großzügig bedacht: Er setzte sie zur Univers alerbin seines beträchtlichen Vermögens ein, welches, nach Abgaben an das Rote Kreuz, die Caritas und an verschiedene Familienmitglieder, für die sozialen Aufgaben der Stadt und insbe-sondere der Zivilhospize verwendet werden sollte. Durch diese edle Geste steht Jules Salentiny in den Annalen der Stadt als einer ihrer Wohltäter.


Fichiers :
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