08/03/2003 15:07 Il y a : 16 yrs

Zwei Jahrhunderte Lesespaß für kleine Leute

Catégorie : 73/2003 - Enfance 73/2003 - Enfance

?Kinderbücher gestern und heute -c3 Zwei Jahrhunderte Lesespaß für kleine Leute V or 1800 wurde bei uns praktisch kein eigenes Kinderbuch gedruckt, es gab jedoch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun- derts Ausgaben deutscher Werke, so u.a. die ?Schöne Geschichten und lehrreiche Erzäh- lungen für Kinder" von Aegidius Jais, diver-se Bändchen von Christoph von Schmidt und den ?Télémaque" von Fr. de la Mothe Fénélon. 1877 veröffentlichte Edmond de la Fontaine eine Sammlung von 258 Kinderrei- men, die Karl Mersch 1884 in seine Samm- lung integrierte. Seither ist ? auch menta-litätsmäßig ? sehr viel auf dem Gebiet der Kinderliteratur geschehen. Es würde heute wohl keinen Eltern mehr einfallen, den Leseeifer ihrer Kleinen zu bremsen aus Angst, ihre Entwicklung zu gefährden, es würde keinem mehr einfallen, den Kindern Abenteuer- und Phantasiegeschichten vor- zuenthalten, weil das zu einer Fehlorientie- rung ihres kindlichen Gemüts führen könnte. Und Ober diverse Überlegungen des Jugend- schriften-Theoretikers J.B. Ensch in seiner Abhandlung ?Zur Frage der Jugendlektüre" (Anfang 20. Jh.) kann man nur noch stau-nen: "Die Richter und die Vorsteher der Gefängnisse und Irrenanstalten könnten erzählen, wieviele arme Geschöpfe durch verderbliche Lektüre mit geistiger Blindheit geschlagen wurden. Jahraus jahrein müssen die Staaten Millionen verausgaben, um die gesunde Menschheit vor jenen frevelhaften oder geistig umnachteten Geschöpfen zu schützen, welche die Lesewut so weit geführt hat, dass sie ihrer Phantasie keine Zügel mehr anzulegen imstande waren und gemeingefährliche Personen wurden." Die Auffassung, dass man den Kindern nur moralisch aufbauende, frömmelnde Lek- türe geben sollte, hielt sich übrigens ziemlich lange und bestimmte einen Großteil der Kin- derbücher, die sich ? und das erklärt so man- ches ? weitgehend in der Hand von Geistli- chen und Lehrern befanden. Heute sind wir froh, wenn unsere Kinder überhaupt lesen, Abenteuer- und Phantasiegeschichten inbe-griffen. Die beste Einführung in die Kinderlitera- tur bis zur Mitte des 20. Jh. findet man in Paul Noesens ?Geschichte der Luxemburger Jugendliteratur" (1951), auf die wir uns auch hier basieren. Paul Noesen, selbst ein Viel- schreiber der traditionellen Art, liefert uns mit diesem Buch eine Fülle von Detailinfor- So n n cl es Rcweitig mat Biller vurn Klaudia Karnpa mationen in gut gegliederter Form, und auch wenn seine Einschätzungen seiner eigenen Zeit entsprechen, ist er nicht unkritisch, besonders wenn es um das Einfühlungsver- mögen in die kindliche Psyche und Gefühls- welt geht. Um noch einmal zu den Kinderreimen zurückzukehren: 1914 erschien Nikolaus Welters Bändchen ?Das Luxemburgische und sein Schrifttum", das all die kleinen Reime und Liedchen enthält, die bis heute von Generation zu Generation weiterge-reicht wurden, inzwischen aber riskieren, in Vergessenheit zu geraten. Erwähnen sollte man aber auch Paul Hummer (1859-1917), der 1886 ?Die Luxemburger Kinderspiele" herausgab, von denen der Borschette-Verlag 1996 eine Neuausgabe auf den Markt brach-te. Auch Karl Mersch (1853-1884) schuf und sammelte Kinderlieder ("Der Kinderfreund", 1883), doch ist bis heute vor allem Willy Goergen (1867-1942) als Kinderliedautor in Erinnerung geblieben, nebst Autoren wie H. Godefroid, J.P. Loenertz, M. Hever, Fr. Bins- feld und R Schneider. 19imedia 20 Fabeln, Märchen und Sagen In der Kategorie der Fabeln und Tierge-schichten kann man mit Adrien de la Fontai-ne beginnen, der zum 100. Geburtstag sei-nes Vaters 1926 eine Sammlung mit Gedichtfabeln herausgab. Anton Meyer (19. 1h.) befasste sich seinerseits mit Aesops Fabel von der Stadt- und der Feldmaus, die später durch Auguste Liesch (1875-1949) als ?D'Maus Ketti" eine Wiedergeburt erlebte. Leo Moulin schrieb ?De Krig teschent den Hésprenger an de Goldkierwerleken" (1944), und von Georges Schmitt haben wir ?T'Séche vun der Ko' a vun der Méck" (1944). Märchen gehörten nicht zu den Stärken der Luxemburger Kinderliteratur, und so mussten Sammlungen mit bekannten aus- rA.Seche vim der KO' A VUN DER NECK DeRrig TESCHENT DEN HESPBENGER AN DE GOLDRIERWERLEREN ländischen Märchen diese Lücke füllen. Bis Arthur Hary mit seiner ?Zeitung für kleine Leute" und seiner Sammlung ?Hein Loser und andere Geschichten" auftauchte. Auch H. Trauffler schrieb Märchen, ebenso wie Margarete Textor und Hermann Berg. 1946 veröffentlichte Wëllem Weis seinen ?Bib" und 1947 ?De Klautje vun ltzeg", Märchen, die noch immer populär sind, auch wenn die hier angewandten Züchtigungsmethoden uns heute bedenklich scheinen, und sein ?Klautjen" in einer öffentlichen Hinrichtung gipfelt, die zum Volksfest für Groß und Klein wird. Zurückzubehalten sind weiter Namen wie lsidor Comes (D'Geschicht vum Grimas-senik, 1950), Louise Wagner, die sehr pro- duktive Helene Fournelle, Nik Thill, Céline Clemen und Franz Binsfeld mit z.B. seinem 1947 erschienenen Buch ?Der Sonnen- stein". Und nicht zu vergessen Ry Boissaux, die in drei Sprachen schrieb, doch besonde-ren Anklang mit ihren französischen Veröf- fentlichungen ?Madame Molitor et Cie" und ?Niki-Chat" fand. Als erster Sagenforscher gilt Nikolaus Steffen (1821-1874), der nicht nur eine Sammlung mit ?Märchen und Sagen des Luxemburger Landes" (1853), veröffent- lichte, sondern auch die ?Wichtelmännchen von Beggen". Weitere Märchensammler waren A. von Ziegler, H. A. Reuland, Dicks mit seinen ?Sagen und Legenden des Luxemburger Landes" (1882), Nikolaus Gonner (19. 1h.), der aber keine eigene Sagensammlung herausgab, J. B. Klein und, vor allem, Nikolaus Gredt (1834-1909) mit seinem ?Sagenschatz des Luxemburger Lan-des" (1883). Populär waren auch historische Erzählungen, deren Hauptvertreter im 19. Jh. Heinrich Adolf Reuland war, mit u.a. ?Der Geiger von Echternach". Hervorheben muss man auch Mathias Martin (1883-1943), der Erzählung aus Geschichte und Sage _der Stadt Grevenmacher eine achtbändige Buchreihe ?Von 10.000- jähriger Heimaterde" plante, von denen aber nicht alle erschienen. 1935 gab P. Olinger ?Velleda. Die Drude von Grevenmacher" heraus und 1950 N. Thill ?Urmenschen unserer Heimat". Bücher, die die Umwelt des Kindes selbst zum Gegenstand hatten, erschienen erst relativ spät, d.h. mit der ?Zeitung für kleine Leute". Mit dieser Gattung hielt das Kind sei-nen Einzug in unsere Kinderliteratur (cf A. Harys ?Hein Loser", N. Clément-Besselings ?Lisette" und M. Textors ?Nicole"). Aber auch H. Trauffler und Paul Noesen (cf ?Die Reiherjagd und andere Geschichten, 1931), Felix Mersch mit seiner Knabenbande ?Franz und die Geheimen" (1938), Helene Fournel- le mit ihren ?Sieben aus der Haregáss" und Lucien Marc mit seinem ?Kind im Krieg" (1936), gehören zu dieser neuen Generation von Erzählern. Einen weiteren Typ von Jugendge-schichten bilden die Pfadfindererzählungen. Da gibt es Ugen Webers ?Drei onhémlech Nuechten", das sich im Ösling abspielt und in dem Pfadfinder mit eigenen Mitteln einen Kriminalfall lösen. Das mag als Thema sogar damals nicht originell gewesen sein, bescherte uns aber auch Albert Gricius' bekanntes ?Das Geheimnis der Schiefer- burg" (1946), das sich auch heute noch als sehr spannend erweist, auch wenn Gricius auf alten Stoff zurückgriff. Diese Gattung ist besonders dadurch interessant, dass sie sich von den üblichen Lausbubenstreichen ent-fernte und die Kinder als fähig darstellte, Pro- bleme selbst zu lösen. Es gab unter den damaligen Autoren aber auch einen, der die schulmeisterliche Rolle des Erzählers ablehn- te: Emile Marx, der mit ?Die vom grauen Rand" das proletarische Kind in unsere Kin- derliteratur einführte.Religiöse Schriften Seit Arthur Hary gab es auch Sammel- bände mit Beiträgen mehrerer Autoren. Wie etwa sein ?Dem Kind der Heimat", auf das als 2. Jahrbuch ?Unser Land. Ein Heimat- buch für kleine und große Leute" folgte und, 1917, ?Erzland". Auch Theodor Zenner brachte mit ?Der Säemann" (1927), einen Sammelband heraus, und Paul Noesen zusammen mit Leo Senninger nach dem zweiten Weltkrieg ?D'Land ennerm Rébor". Als nicht besonders geglückt erwiesen sich die Versuche, ganze Kinderbuchreihen auf die Beine zu bringen; meist gingen diese Versuche nicht Ober die ersten Bände hinaus, bis 1924 die ?Lies mich"-Reihe erschien, deren Herausgeber jedoch ebenfalls nach dem 6. Band das Interesse verlor. Auch die ?Büchlein der klaren Quelle" im Verlag der Missionsschule Clairefontaine gerieten bald wieder ins Stocken, und ein erneuter Versuch 1939 mit ?Alix a Charel" wurde ein Opfer der Nazis. Auch Anna Speyers ?Bunte Heft- chen" hatten nur einen kurzen Atem. Ein Großteil der damaligen Kinderlitera- tur sah, wie gehabt, ihre Aufgabe darin, aus den Kleinen gottesfürchtige Bürger zu machen (Vorbereitung auf die erste hl. Kom-munion, Sammlungen mit Messdiener-Tex- ten usw.). Ein häufiges Thema in diesem Sinne war denn auch der bestrafte Ungehor-sam, eine Spezialität von Theodor Zenner (1890-1948). Dechant Zenner galt als der bis dahin erfolgreichste Kinderschriftsteller, nicht zuletztweil erals Hausautor des Verlags der Schulbücher in Kirnach-Villingen ein Publikum erreichte, das weit über die Gren-zen des Landes hinausging. Paul Noesen hält ihm jedoch seinen Hang zum Moralisieren, seine mangelhafte psychologische Vertie-fung und die Wirklichkeitsferne seiner Gestalten vor. Seine ganze Produktion hier zusammenzufassen, würde zu weit führen, beschränken wir uns also auf ein paar Titel, wie etwa ?Im Walde verirrt", ?Der arme Rudi, Erlebnisse eines kleinen Schulschwän- zers" (1922), und ?Häsleins Tod" später umbenannt in ?Häsi und Hosi". 1925 gelang ihm der Sprung über die Grenze in den Kir-nacher Schulbücher-Verlag, wo er seine Schriften in seinen ?Büchlein für kleine Leute" veröffentlichen konnte. Dazu gehör- ten religiöse und geschichtliche Stoffe, Erbauungslektüre und lustige Verse; hinzu kommt seine Übersetzung von P.N. Genglers ?Ermesinde" aus dem Französischen. Damit kommen wir zu den Prämien- büchern. Ein Jahrhundert lang waren die Preisverteilungen der Hauptweg, auf dem die Kinder in den Besitz von eigenen Büchern kamen. Leider waren die genehmigten Bücher vornehmlich von der moralisch auf-bauenden und frömmelnden Sorte, doch zum Glück hielten sich so manche Lehrer nicht an die wenigen durch die Unterrichts-kommission genehmigten Listen. Diese Tra-dition starb irgendwann eines natürlichen Todes. Was die Autoren religiöser Jugend- schriften anbelangt, kann man noch einige Namen zurückbehalten, wie Nikolaus Glo- den (1836-1893), Karl Müllendorff, der mit Joseph Hochmuth eine Sammlung ? Luxem- burger Heiligenlegenden" herausgab, Alex-ander Koenig und vor allem J.P. Reichling (1869-1939), der sich mit Erzählungen zum Thema Messdiener, kindliche Märtyrer und Ähnlichem befasste. Weitere religiöse The- men waren die Missionen und die himmliche Mutter, die erste hl. Kommunion und diver-se Heilige. Die Zahl der Kinderbücher in französi- scher Sprache blieb beschränkt. Neben der bereits erwähnten Ry Boissaux und Henriet- te Clement-Besseling sollte man an Paul Neyens und sein ?Au fil des jours" (1938), erinnern, sowie an Pierre Hurst mit seinem ?Colibri, petite fille luxembourgeoise et ses poupées" (1937). Kinderzeitschriften Beschränkt blieb auch die Luxemburger Produktion auf dem Gebiet der naturkundli- chen Jugendbücher. Doch schaffte es 1849 ein ?Elementares Lehrbuch der Landwirt-schaft" auf die Liste der Preisbücher. Der Verfasser war Landwirt, genau wie Nicolas Paulus, Autor von ?Naturgeschichtliche Unterhaltungen mit besonderer Berücksich- tigung der Landwirtschaft zum Nutzen der Jugend" (1894), das so ziemlich alles behan- delt, was da wächst und kreucht und fleucht. Nach ?Die einheimischen Giftpflanzen" von Mathias Kraus dauerte es jedoch bis zu Edm. J. Kleins ?Wissenschaftlichen Plaudereien" in der ?Zeitung für kleine Leute" und den ?Morgenglocken", bis wieder naturwissen- schaftliche Themen kindgerecht behandelt wurden. 1936 erschienen als Sonderdruck seine in den ?Morgenglocken" veröffent- lichten ?Botanische Plaudereien für meine jungen Freunde". Auch H. Trauffler, Paul Noesen und Mie Wingert-Rodenbour schrieben über naturkundliche Themen. Die Zahl der Reisebücher blieb beschränkt, und sie waren z.T. auch nicht auf Kinder zugeschnitten. Erwähnen wir M. Donvens ?Bilder und Skizzen aus Frank- reich" (1894), N. Pletschettes ?Reisebilder aus Italien" (1933), und ?Wanderglück im Schweizerland" (1936), sowie Gustav Schmits ?Belgienland ? Nordseestrand" (1936). Beschränkt blieben ebenfalls ? aus Kostengründen - die eigentlichen Bilder- bücher, wenn auch viele Kinderbücher schon sehr früh illustriert wurden. Sieht man sich die Verlage an, in denen bis Mitte des letzten Jahrhunderts veröffent- licht wurde, so überragt der St.-Paulus-Ver- lag bei weitem alle anderen, gefolgt von den Druckereien Worré-Mertens und Hermann; 21daneben gab es natürlich auch ausländische Verlage, die Luxemburger Autoren veröf- fentlichten. Natürlich wurden im Laufe dieser Zeit auch Kindertheaterstücke aufgeführt und gedruckt, doch müssen wir aus Platzgründen auf die Vorstellung dieser Gattung verzich- ten. Ein anderes wichtiges Kapitel sind aller- dings die Kinderzeitschriften, deren Bedeu-tung für das Kinderschrifttum auf der Hand liegt. Den Anfang machte Karl Mersch 1884 mit seinem ?Komm mit mir! Unterhaltungs- blättchen für die liebe Jugend", das Gedich-te, Erzählungen, Märchen, Lieder, Sprüche, ein Briefkästlein und Rätsel enthielt, also fast alles, was wir auch in späteren Kinderzeit- schriften wiederfinden, wobei sich natürlich im Laufe der Zeit Konzept und Aufmachung an die jeweiligen Ansprüche anpassten. Sein Nachfolger war Arthur Hary, der als einer unserer begabtesten Kinderautoren galt und sich durch seine Sprache, seine Phantasie und sein Einfühlungsvermögen in Empfin- den und Denken der Kinder auszeichnete. Nach einer zweijährigen Anlaufsphase wurde die ?Zeitung für kleine Leute" 1915 erstmals gedruckt und einem breiteren Publi- kum zugänglich gemacht. Ihr Untertitel lau- tete: ?Eine Jugendzeitschrift zur Lust und Lehr", und genau das verstand Hary daraus zu machen, ohne sich allzu sehr auf den Katholizismus festzulegen. Das aber machte sein Nachfolger H. Trauffler (1920), der, wie Hary, sehr viel selbst zum Inhalt der Zeit-schrift beitrug, die er in ?Morgenglocken" umtaufte. Kind, Heimat und Religion waren die Hauptthemen der elf Jahrgänge unter Trauffler, dessen Nachfolger 1931 J.P. Greisch wurde. Zehn Jahre später wurden die ?Morgenglocken" verboten. Von 1945-58 übernahm Pfarrer Nicolas Espen die Leitung einer ?eigenständigen imedia 61/W5=5ER: ñIii1Uf -IARY LeNMeM, i/ERLAG VON pi!,rAVff 50UPERT 22 katholischen Luxemburger Kinderzeitung", die den Namen ?Letzeburger Kanner" bekam. Bis 1989 war sie, mit diversen Namensänderungen (? Benny a Jenny" von 1958-66 und ?Zack" von 1966 bis zu seiner Einstellung im Jahre 2003) auch das Vereins- organ der ?Lëtzebuerger Kanner Aktioun", wurde dann aber von der St.-Paulus-Drucke-rei übernommen. Ab 1949 gab es eine weitere Jugend- zeitschrift, die jedoch das Thema Religion aussparte und auf den Grundgedanken Dienst am Nächsten, Hygiene und Pflege der internationalen Freundschaft ruhte: die ?Revue de la Jeunesse" (seit 1997: Young Cross) im Verlag des Luxemburger Roten Kreuzes. Neben diesen Zeitschriften gab es aber auch die Kinderblätter, die als Beilagen zu Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Auch heute noch wendet sich eine erstaunli- che Vielzahl von Zeitschriften an die Kinder und Jugendlichen. Sie werden herausgege- ben von diversen Bewegungen und Gesell- schaften, von Vereinen, Verbänden, Gewerk-schaften und religiösen Orden. Hinzu kom- men noch eine Fülle von Zeitschriften von und für Primärschulen. Kalender und Jahrbücher Doch nicht nur Zeitschriften sollten die kleinen Leseratten mit unterhaltsamem und billigem Lesestoff versorgen. Seit dem ersten Weltkrieg gab es auch immer wieder Versu-che, Kalender und Jahrbücher auf den Markt zu bringen, so z.B. 1918 mit dem ? Luxem- burger Kinder-Kalender" des EscherJugend-schriftenausschusses, 1922 und 1923 mit Traufflers ?Morgenglocken-Kalender", 1925 mit dem ?Almanach de la Page de l'En-fant" des Syndicat des Instituteurs luxem- DI F. KLEIN E.Aeig#041i..3...61?011:1 ? . I DIE isitiSENFVOSK',.. Vie .400214/taptil....:. I Voni?Aign KQLTZ ?? ? 1.: ? ..... ? bourgeois und Th. Zenners ?Kalender für kleine Leute", von dessen Leitung er 1936 wegen der Nazis zurücktrat. Doch 1946 kam ein neuer Kalender unter Zenner heraus, der ? Letzeburger Kannerkalenner", der nach seinem Tod von N. Espen weitergeführt und sogar zu einem Jahrbuch ausgebaut wurde. Th. Zenner, Paul Noesen, R. Boissaux, H. Fournelle, G. Schmitt, Fr. Binsfeld und F. Mersch sind, nebst einigen anderen, die Namen, die gegen Ende des Zweiten Welt- krieges immer wieder auftauchen. 1953 ver- öffentlicht Anise Koltz ? Die Blumenwiese und andere Märchen". Auch sie wird in den kommenden Jahren zur Bereicherung unse-rer Kinderliteratur beitragen, während Emile D. Probst die religiöse Literatur fortsetzt mit ? Y BOISSAUXBüchern wie ?Aus dem Leben der Mutter- gottes" und Ähnlichem. 1964 taucht ein Typ von Sammelband auf, wie wir deren im Laufe der kommenden Jahre häufigerfinden werden: Texte von Kin- dern für Kinder, in diesem Fall ein Buch von L'Art l'Ecole mit einer spannenden räuberi- schen Geschichte. Im selben Jahr veröffent- licht Will Reuland mit ?De Jempi" seine Jugenderinnerungen. Von den Veröffentli- chungen der folgenden Jahre wollen wir Norbert Webers ?Stécker a Soen" erwäh- nen, Jean Milmeisters ?Old Knatterhand und die Plattfußindianer" und René Kartheisers ?D'Wichtelcher vum Holleschbierg". Nebst den Wiederauflagen älterer Texte tauchen auch weiter neue Namen auf, die ihren Teil dazu beitragen, die heutige Kinderliteratur zu entwickeln. Lex Roth beginnt mit seinen Übersetzungen, 1973 sind es Fabeln, ihnen folgen die Tintin-Bände, Astérix und diverse Walt Disney-Titel. 1974 veröffentlicht Josy Christen ?Allerhand durcherneen! Lëtzebur- gesch Gedichter a Lidder fir Kanner". Fer-nand Salentiny, der sich eher an die Jugend- lichen wendet und ihnen die Art von histori- schen Entdeckungsliteratur bietet, die einen in einem bestimmten Alter so begeistern kann, gehört zu den wenigen Luxemburger Autoren, die konsequent im Ausland veröf- fentlichen. ?Das Lexikon der Seefahrer und Entdecker" erscheint 1974, gefolgt von ?Aufstieg und Fall des portugiesischen Imperiums" (1977) usw. Auch René 0th geht in diese Richtung, wenngleich mit anderen Themen. 1981 sind es ?Gedachte Welten: das fabelhafte Universum der Scien-ce Fiction", gefolgt 1988 von dem Thema, das gewissermaßen zu seinem Markenzei- chen werden sollte: die Indianer, diesmal mit ?Auf den Spuren der Indianer: Geschichte und Kultur der Ureinwohner Amerikas". Daneben gibt es natürlich jede Menge unter- schiedlicher Veröffentlichungen. So etwa beginnt Laure Wolter mit ihren Lieder- büchern, Guy Rewenig bringt ?Sonndes däerf ee Wollécke fänken" heraus, Michel Berger ?Blue-Boy" (1981), wunderschön illustriert von Gaston Heuchling. In der Tat zeichnet sich das moderne Luxemburger Kin- derbuch durch seine hervorragenden Illus-trationen aus und gibt damit Leuten wie Anne Weyer, Klaudia Kampa, Michel Demart, Renée Weber, Pascale Junker, Roger Manderscheid u.a. die Gelegenheit, ein Publikum zu erreichen, das empfänglich ist für ihre Phantasie und Kreativität. Das neue Kinderbuch-Kind Weitere Namen, die in dieser Zeit auf dem Kinderbuchmarkt auftauchen, sind Pierre Hamer, Pit Hoerold, Colette Delcourt, Jhemp Hoscheit und Josy Braun. Fernand Salentiny und René 0th, Rosemarie Kieffer und René Kartheiser sind weiter mit von der Partie, Pir Kremer veröffentlicht ?Kanner feiere frou Fester" (1984), Pol Tousch ?Kin- derreime aus Luxemburg", Marc Angel beginnt mit seinen Geschichts-Comics, Luci-en Czuga und Roger Leimer erfinden den Superjhemp, der sich jedoch eher an Erwach-sene wendet, und Jean Leesch beginnt in wechselnder Zusammenarbeit kindgerechte Sachbücher zu diversen Themen herauszu-geben: Wir entdecken die Milch, den Honig, das Brot, das Fliegen usw. Guy Rewenig entpuppt sich bald als unser produktivster Kinderschriftsteller, obschon er auch weiter für die Erwachsenen schreibt. Mit Muschkilusch beginnt er die wohl populärste Trilogie und setzt den Ton für das Kinderbild, das bis heute unsere Kin- derliteratur prägt. In der Tat hat sich das Kin- derbuch-Kind in den letzten 25-30 Jahren gehörig emanzipiert. Es ist nicht mehr Emp- fänger bigotter Moralerziehung, es ist nicht mehr potenziell angepasster Spießbürger, sondern entpuppt sich als früh zu selbststän- digem Denken fähig. Mit natürlicher Intelli-genz greift es die Defizite der Erwachsenen auf und treibt sie durch Überspitzung ihrer eigenen unlogischen oder vorurteilsbehafte- ten Argumentation in die Enge. Der Lernpro-zess zwischen Erwachsenem und Kind geht in beide Richtungen und lässt keinen Platz mehr für wohlwollende Gönnerhaftigkeit gegenüber unseren ?lieben Kleinen". Denn die lieben Kleinen müssen heute mit ganz anderen gesellschaftlichen Problemen fertig werden als die vorangegangenen Generatio-nen. Dabei kommt dem Thema Antirassis-mus eine wichtige Rolle zu. Guy Rewenigs ?Zebra Tscherri" (1992), Chantal Schenten- Kellers ?D'Kira a säin neie Frënd Fernando" (1993), und Josy Brauns ?Numia" (1994), um nur diese zu nennen, sind gute Beispiele. Aber auch Initiativen wie ?Äddi Käerjeng, Namaste Calcutta" (St.-Paulus-Verlag), an dem acht Schulklassen der Gemeinde Bascharage beteiligt waren und in dem eine luxemburgische Familie ein paarlahre lang in Indien lebt und dort eine neue Gesellschaft und Kultur schätzen lernt, sind gute Beispie- le dafür, wie das Buch dazu beitragen kann, aus unseren Kindern weltoffene Bürger zu machen. Doch Lesen ist auch Auseinanderset-zung mit Sprache, denn ironischerweise ist in unserem ?visuellen" Zeitalter Sprache wie- der zu einem entscheidenden Kommunika- tionsmittel geworden. E-Mail und Internet eröffnen eigene sprachliche und technologi- sche Welten, mit denen sich etwa Jhemp Hoscheit auseinandersetzt. Er ist nicht der 23einzige, betreibt seinen Spaß an der Sprache aber am konsequentesten. Auch der Freude der Kinder an ulkigen Namen tragen unsere Autoren Rechnung. Guy Rewenigs Buchtitel sind ein ganzes Wörterbuch an solchen Spie- lereien, von Muschkilusch, Libella Bitsch und Packatuffi bis zu Palazzo Matrazzi, Komba la Bombaund Moss Kita, um nur einige zu nen-nen. Auch Josy Braun nimmt die Kleinen mit auf den Weg nach ?Papperlapappagos", von den drolligen Namen in seinen Theater- stücken ganz zu schweigen. ?Krababbel" nannten Christiane Bidinger-Ehlinger und Tun Weber ein Buch mit CD, und die Kinder- buch-Reihen vereinzelter Verleger haben sich eigene Namen zugelegt, wie Philou bei Phi und datscharitschi bei ultimomondo. Übersetzungen zuhauf Was in den letzten 25 Jahren ebenfalls auffällt, ist die Vielzahl der Übersetzungen. Das hat z. T. mit dem Boom unserer Natio- nalsprache zu tun, es ist aber auch auf die Erleichterung der Eltern zurückzuführen, die dank der regen einheimischen Buchproduk-tion und dieser Übertragungen ins Luxem-burgische ihre Gutenacht-Geschichten nicht mehr selbst zu übersetzen brauchen. Diese rege Produktion erklärt sich natürlich auch dadurch, dass der Kinderbuchmarkt, der regelmäßig neue Abnehmer hervorbringt, ein sehr interessanter Markt ist, was bei den Voraussetzungen, unter denen in Luxem-burg Bücher produziert werden, nicht unwe- sentlich ist. Wir haben bereits Lex Roths Arbeit auf dem Gebiet der Übersetzungen erwähnt, aber er ist nur einer unter vielen. Der Binsfeld Verlag hat sich ein bisschen auf diese Art von Veröffentlichungen speziali- siert. Was nicht bedeutet, dass er nicht auch luxemburgische Originaltexte herausbringt, 24 wie Jhemp Hoscheits köstliches ?Wann d'Déieren Detektiv spillen" oder auch Pau-lette Langs ?De Burny brennt duerch", doch daneben finden wir Henri Loschs Überset- zung von ?D'Julie an d'Dramvillercher" und des Dickens'schen ?E Wantermärchen" und, nicht zu vergessen, Desiree Petrys Überset- zung von Peter Mayles hervorragendem ?Wou kommen dann eb o déi kleng Kanner hier?". Doch auch Saint- Exupérys Kleinen Prinzen gibt es auf Luxemburgisch (Josy Braun/Phi), Henry Wickens hat für Op der Lay nicht nur zwei Winni-Pu Bände Ober- setzt, sondern auch Tolkiens Hobbit, Chantal Schenten-Keller hat die luxemburgische Fas- sung von ?Dem Laura säi Star" gemacht, die Publications Zack haben Gitte Reding- Andersens Übersetzung von sieben H. Chr. Andersen Märchen herausgebracht und im Phare-Verlag ist vor kurzem eine hervorra- gend aufgemachte Übersetzung von Collo- dis Pinocchiodurch Yvette Moris erschienen. Doch auch in die andere Richtung funktio-niert es, wenn auch selten. So finden wir in ?The Nato Story Book" eine Sammlung von Geschichten aus allen Nato-Ländern, darun- ter auch ?Little Star" und ?An Easter Hare's Story" von Rene Kartheiser, übersetzt von Liliane und Guy Lenz. Natürlich können wir hier nicht alle Publikationen der letzten Jahre erwähnen, Interessenten können sich in den Kinder- buchabteilungen unserer Buchhandlungen erkundigen. Sie werden dort auch Claudine Muno entdecken und Nicole Paulus mit ihren bisherigen Veröffentlichungen, darunter der herrliche Band ?Schnéi am Kapp" (1993). Oder z.B. Roger Manderscheids ?D'Magali flitt an den Himmel", Roland Meyers ?Dem Kinnek säi Gaart" und ?Voll Natur. Dat Bescht vu Panewippchen & Co" und viele andere Bücher mehr. Neben den bereits erwähnten Verlagen darf man aber auch die Editions Borschette nicht vergessen, für die der Verlag Schortgen inzwischen den Vertrieb übernommen hat. Hier finden wir Märchen-Bände, aber auch ?Dem Dicks seng schéinst Kannerreimer" und ?Dem Yabbo seng Kap". Auch bei den Editions Passerelle gibt es ein ?Lëtzebuerger Määrchen Album" und eine Sammlung mit ?Soen aus dem Syrdall". Bleibt ein letztes Wort zu sagen zu den Luxemburger Schullesebüchern, die es den Kindern erlauben sollen, die einheimische Literatur von früher und heute zu entdecken. Was auch geschieht, wobei man jedoch mit Bedauern feststellen muss, dass lange Zeit fast nur die männlichen Autoren Erwähnung fanden. In ?Lëtzebuergesch an der Schoul" ist H. Fournelle die einzige Frau unter 32 Autoren und in den ?Lëtzebuergesch Texter fir postprimär Schoulen" (Niveau 7e / defini-tive Ausgabe 1982) gibt es unter den 36 aus- gewählten Autoren keine einzige Frau! Zum Glück sieht es in dem sich in Ausarbeitung befindlichen neuen Lesebuch für das 3. und 4. Schuljahr ein bisschen besser aus... Josiane Kartheiser Quellennachweis: Paul Noesen: Geschichte der Luxemburger Jugendliteratur, 1951, L.K.A. Verlag Cristione Bdinger-Ehlinge Tun Weber Nr4


Fichiers :
PDF(1.8 Mb)

73/2003 - Enfance

p.  1