08/03/2003 15:12 Il y a : 16 yrs

Was bedeuten die Straßennamen der Stadt?

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?Was bedeuten die Straßennamen der Stadt? Servals (Boulevard Emmanuel) Diese auf Limpertsberg gelegene Straße - ihr Name wurde am 16. Mai 1925 durch Gemeinderatsbe- schluss festgelegt - zweigt jenseits des Rond-Point Robert Schuman nach rechts ab, führt am Lycée Robert Schuman vorbei und mündet in den Boule-vard Paul Eyschen. Lambert Joseph Emmanuel Servais war eine der bedeutendsten und einflussreichsten Persönlichkei- ten in der Landes- und Stadtgeschichte Luxem- burgs. Er wurde am 11. April 1811 in Mersch geboren, stu-dierte am Athenäum und absolvierte seine Jurastu- dien in Gent, Paris und Lüttich. Von 1833 bis 1839 war er Advokat in Arlon und während der letzten drei Jahre sogar Mitglied des Provinzialrates. Als einer der Gegner des Vertrages der 24 Artikel, der 1839 die dritte Teilung des Landes besiegelte und die westlichen frankophonen Gebiete an Belgien abtrat, kehrte Servais nach Luxemburg zurück, wo er von 1840 bis 1846 als Anwalt fungierte. 1841 berief ihn Wilhelm II. in die Kommission von neun Män- nern, die als Berater mit der Ausarbeitung einer Ver- fassung betraut waren. Servais war auch Mitglied der Landständeverwaltung, die aus gewählten Abge-ordneten bestand und die Volksvertretung darstell- te; daneben gehörte er dem Gemeinde- und Schöf- fenrat an. Im Mai 1848 wurde er mit Jean-Georges Willmar und Charles Munchen als Vertreter des Großherzogtums in die Nationalversammlung nach Frankfurt genannt. Im selben Jahr trat auch die freiheitliche Verfassung von 1848 in Kraft, an deren Ausarbeitung er beteiligt gewesen war; es erfolgt seine Ernennung zum Obergerichtsrat, und in die folgenden Jahre, von 1853 bis 1857, fällt seine Betei- ligung an der Regierung als Finanzminister. 1857 wurde er zum Staatsrat ernannt, dessen Vizepräsi- dent er 1867 wurde. 1867 stellte sich in beängstigender Weise die Luxem- burger Frage, als Napoleon III. Annexionsgelüste auf unser Land hegte, denen sich Bismarck radikal ent-gegensetzte. Eine Konferenz der Großmächte in London sollte diese spannungsgeladene Frage schlichten. Luxemburg wurde dort von dem damali- gen Staatsminister Baron de Tornaco vertreten, dem Emmanuel Servais zur Seite stand. Die Konferenz erkannte das Großherzogtum als einen unabhängi- gen, dauernd neutralen Staat an unter der Garantie der vertragsschließenden Mächte. Einige Zeit später erfolgte die Ernennung von Emmanuel Servais zum Staatsminister und nach sei-nem Abschied 1874 zum Präsidenten des Staatsrates. Nicht zu vergessen ist bei seiner unermüdlichen poli- tischen Tätigkeit sein Engagement im Gemeindewe-sen: von 1875 bis zu seinem Tode 1890 war er Bür-germeister der Stadt; von 1887-1890 war er Kam- merpräsident. Eine Unstimmigkeit zwischen ihm und dem damaligen Staatsminister Paul Eyschen überkonstitutionelle Fragen der Souveränität, die zu einer heftigen Auseinandersetzung in der Kammer führte, soll die Gesundheit Servais schwer erschüttert und zu einem Herzinfarkt geführt haben. In Bad Nauheim, wo er Heilung für sein Herzleiden suchte, ereilte ihn den Tod am 17. Juni 1890. Hervorzuheben bleibt neben diesen biographischen Angaben auch sein rastloser Einsatz für die Förde- rung des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens, sei dies auf dem Gebiet der Eisenbahn, der Landwirt- schaft, des Handels, des öffentlichen Unterrichtes und des Kultus. Auch seine schriftstellerische Tätig- keit war weit gefächert; seit 1865 war er Mitglied der Section historique des Institut Grand-Ducal. 1896 wurde seine Autobiographie von seinen Nach-kommen herausgegeben, und zwar im Band XLIII der Publications de la Section historique. Sig efroi (Rue) Eine erste Straße dieses Namens wurde auf dem Gelände des Plateau Bourbon während der Schleifung der Festung angelegt. Der Gemeinde- rat benannte sie 1889 nach dem Grafen Siegfried aus dem Geschlecht der Ardennergrafen. Am 29. Dezember 1945 änderte ein Gemeinde- ratsbeschluß den Namen in "Rue Jean Origer" zum Gedenken an den Journalisten Msgr. Jean Origer, der 1942 im Konzentrationslager Dachau umgekommen war. In dieser Straße befanden sich damals die Geschäftsräume des Luxemburger Wort. Heute trägt eine Straße im Stadtzentrum diesen Namen. In der Verlängerung der Rue de la Boucherie beginnt sie am Platz vor dem Staats- museum, führt über den Fischmarkt, vorbei an der Dominikanerkirche einerseits, andrerseits am Gebäude des Staatsrates bis zur Montée de Clau-sen an der Schlossbrücke. Die Geschichtsschreibung sieht in dem Ardennergrafen Siegfried den Begründer der Stadt Luxemburg. Ardennergrafen nennen sich Geschlechter lothringischer Grafen, die während der Unruhen in der ausgehenden Karolingerzeit in ihren Gebieten die Gewalt ausübten und über ausgedehnten Grundbesitz sowohl in den Arden- nen als auch in den Moselgauen verfügten. So auch Siegfried. In einem Bestreben, das allen sei-nen Standesgenossen gemeinsam war, versuchte er seinen Machtbereich zu erweitern und sich zugleich ein Zentrum zu schaffen, das es ihm ermöglichen könnte, seine Gebiete zu überwa- chen. Nach einigen ergebnislosen Versuchen in dieser Hinsicht in Belgien fiel schließlich seine Wahl auf ein kleines Kastell an den Flüssen Alzet- te und Petruss, für ihn günstig gelegen zwischen seiner Pfalz Diedenhofen und der Stadt Trier. Dieses Kastell, castellum quo d dicitur Lucilinburhuc, gehörte der Abtei St. Maximin in Trier. Am Palmsonntag des Jahres 963 kam es in Gegen- wart einer Reihe von Würdenträgern zu einer Einigung zwischen dem Abt Wicher und dem Grafen Siegfried. Dieser erwarb das besagte Kastell gegen das Abtreten eines Teiles seiner Besitzungen in Feulen an die Abtei St. Maximin. Die diesbezügliche Urkunde befand sich, nach wechselvollen Schicksalen, seit 1818 in der Stadt- bibliothek Trier. Am Palmsonntag, dem 15. April 1984, übergab die Stadt Trier in einer feierlichen Sitzung im Trierer Theater "in Anerkennung der historischen Bindungen zwischen beiden Städ- ten der Stadt Luxemburg deren sogenannte Geburtsurkunde als Depositum zu treuen Hän- den". Heute befindet sich das Dokument in sicherer Verwahrung im Geschichtsmuseum der Stadt Luxemburg. Für Siegfried war der Erwerb dieses Kastells von großer Wichtigkeit, denn es war ein strategisch bedeutender Punkt inmitten seiner Besitzungen. Er begann auch bald das castellum in ein castrum umzuwandeln und aufdem Bockfelsen eine befes-tigte Anlage zu bauen, die zum Stammschloss der Luxemburger Grafen werden sollte. Die Bauern, Handwerker und Hörigen, die zu den Bauarbei- ten herangezogen wurden, siedelten sich um die Burganlage an; so entstanden die Unterstädte Grund, Clausen und Pfaffenthal. Auch die Ober- stadt bevölkerte sich rasch. Die Burg wurde der Mittelpunkt der neuen Grafschaft, deren Gebiet sich dank der zielbewussten und zähen Arbeit von Siegfried und seinen Nachfolgern stetig erweiterte. So wurde Siegfried, ohne sich dessen damals bewusst zu sein, zum Gründer sowohl einer neuer Dynastie als auch eines neuen Staatswesens.


Fichiers :
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