13/03/2007 18:11 Alter: 11 yrs

Belairer Kirche feierte fünfzigstes Wiegenfest

Kategorie: 84/2007 - Jugend 84/2007 - Jugend

?50 BELAIRER KIRCHE Im Jahre 2007 jährt sich zum fünfzigsten Male die Weihung der Belairer Kirche am 3. März 1957. Vorausgegangen ist ein 20-jähriges Tauziehen zwi-schen dem 1935 ernannten Gemeindepfarrer Joseph Gevelinger und der Ge- meindeverwaltung. Bereits 1937 hat Abbé Gevelinger versucht, für die immer größer werdende Pfarrei die Genehmigung für den Bau einer eigenen Kirche zu erlangen. Er schreibt am 20. Februar jenes Jahres an den Gemeinderat der Stadt Luxemburg: ?Der Unterzeichnete beehrt sich, dringlichst um den Bau einer Pfarrkirche für das Bel Airviertel einzukommen. Unerlässliche Le- bensbedingung einer jeden Pfarrei ist die Pfarrkirche. Der Unterzeichnete ist überzeugt, dass der wohlleibliche Schöffen- und Gemeinderat den religiösen Bedürfnissen der Einwohnerschaft von Bel Air, ähnlich wie in anderen Stadt- teilen, Rechnung tragen und sobald als möglich die Errichtung eines wür-digen Gotteshauses in die Wege leiten wird." Die Stadtverwaltung ergreift erste Initiativen, als glaubhaft gemacht werden kann, dass die von der Pfarrei leihweise genutzte Kapelle derJesuiten in der Avenue Gaston Diderich für die über 4000 Gläubige zählende Pfarrei viel zu kle in und insbesondere für die Kinder gesundheitsschädlich ist. Ungelöst bleibt die Frage der Finanzierung. Der Gemeinderat besteht darauf, dass sich sowohl die Einwohner von Belair als auch der Staat an den Kosten des Baus beteiligen. Unterbrochen durch die Jahre des zweiten Welt- krieges bleibt diese erste Initiative zum Bau einer Kirche in Belair zunächst ergebnislos. Erst im Jahre 1950 steht das Projekt wieder zur Diskussion. Nach Konsul- tation mit dem Erzbischof wird der Bauplatz an der Kreuzung Avenue Gaston Diderich und Rue d'Amsterdam, zwischen den beiden Grundschulen und im Herzen des schnell wachsenden Viertels, festgelegt. Den am 15. Mai 1952 ausgeschriebenen Architektenwettbewerb ge-winnt der junge Architekt Laurent Schmit mit seinem Projekt ?Gloire l'Eternel" (15. September 1952; Abb. 1). Neben seiner Beteiligung am neuen Athenäum, am Centre Hospitalier und dem Bahnhof von Esch, war dies das erste große Projekt des zu einer neuen Generation gehörenden Architekten. Nach der teilweisen Einarbeitung der Änderungswünsche der ?Commission de Surveillance des Bâtiments Religieux" sowie des damaligen Stadtarchi-tekten liegt das endgültige Projekt im Juli 1953 vor (Abb. 2). Insbesondere in h , _ 11Alleip. 4:41111g:40 Mik:4,,,,4V! 1 1141t"Ilig:4i ill" '.."IWIllb: 40 I i511411C411 fic4 li il P:11 I I I 1?:: I:1 Il I: loci. 4,-, 0,41obli lc cam:. 7- N.:o ?cl ..* ,? - 'y ? 0. ov4 1 II 0:41 :11?- LI 0.1 11:4 111°J i1.411201 1:4 III ,:4104'"? 11V.41101...0 1:4111,:11?40 /:4 1110:411,,_! Q11101:. i:111;411% ?"410',ASK.It 0111110t- der Größe weicht dieser Bauentwurf stark von den ersten Plänen ab: Der Turm hat statt 43,5 m eine Höhe von 70 m und auch der Chor ist ca. 3 m höher als ursprünglich geplant. Diese Abweichungen hängen wohl mit einer Initiative der Kirchbaukommission zusammen, die den Kirchturm in einer Linie mit den Türmen der Kathedrale sehen und von weiten sichtbar machen wollte. In der Tat dominiert die Belairer Kirche das Stadt- bild des westlichen Luxemburg. Der damalige Stadtarchitekt Eugène Schmit warnt vor der Monumentalität der Kirche und insbesondere der vorgesehnen Höhe des Turmes von 70 m, der im Ver- gleich mit den anderen Stadtkirchen um 20 m verringert werden sollte (Abb. 3). Trotz dieser Einwände ändert der Architekt kaum etwas an seinem zweiten Entwurf, der mit seinem zum Himmel strebenden,FEIERTE FÜNFZIGSTES WIEGENFEST Die Belairer Kirche nimmt Gestalt an: Projekt von Laurent Schmit. Juli 1953. (Archives de la Ville de Luxembourg) SUD imedia Par. EYALII A LJX, 1_1.1-Aakr OEST 07[T POIJA LUT CONSTNKTION DI/VC rcusr PAROISSIALC A LUXDSrOSrG DELAIF. (ONCOUS 0000 L4 CONSTR UCTION C-,1 [SE A aixEMBOURC - EeLL-Air e(Zisr PaoIssiNs_ ): tSL A. 8 r4 ÇAD E EST Sieger des Architektenwettbewerbes zum Bau der Belairer Kirche ?Gloire à l'Etemel" von Laurent Schmit. September 1952. (Archives de la Ville de Luxembourg) 51 Größenvergleich der Luxemburger Stadtkirchen: Bonneweg, Limpertsberg, Bahnhofsviertel und Belair ? Zeichnung von Eugène Schmit, Stadtarchitekt. Juli 195. (Archives de la Ville de Luxembourg)BELAIRER KIRCHE FEIERTE FÜNFZIGSTES WIEGENFEST schlanken Turm sowohl das Motto ?Gloire l'Eternel" als auch den Optimismus der fünfziger Jahre unterstreicht. Nach einer erbitterten Diskussion zur Finanzierung des mit ca. 17,5 Millionen Franken (? 452 000) veranschlagten Kirchenbaus genehmigt der Gemeinderat das Projekt am 17. Juli 1953 mit dreizehn zu neun Stimmen bei einer Enthaltung. Der Bau wird bei seiner Grundstein- legung am 30. Mai 1954 dem am Vor-tage heilig gesprochenen Papst Pius X. (1835 - 1914) geweiht. Papst Pius X. ist maßgeblich an der Erneuerung der katho- lischen Kirche beteiligt. Viele seiner Initiati-ven nehmen das zweite Vatikanische Kon- zil vorweg. Sein Motto ?Alles in Christus erneuern" bezieht er insbesondere auf die Gestaltung der heiligen Messe. Er befür- wortet regelmäßige Eucharistiefeiern und sucht die Nähe zu den Menschen. Politisch und theologisch ist er hingegen konservativ und wendet sich gegen jede Modernisie- rung der Kirche. Dies steht in einem inter- essanten Kontrast zur Architektur des Kir- chenbaus, der die Aufbruchstimmung der Nachkriegszeit aufgreift und der Architektur der fünfziger Jahre verhaftet ist. Der große einteilige Kirchenraum steht zwar in der Tradition der Kirchenbauten der dreißiger Jahre, doch zeigen die vom Luxemburger Künstler François Gillen (1914 - 1997) ge- imedia 52 schaffene Ausgestaltung der großen aus Fenstern bestehenden Südfront und des mit einem abstrakten Mosaik versehenen Chorraumes die Impulse der Innenarchitek- tur der fünfziger Jahre. Für die Finanzierung dieser ausdrucksstarken Innenausstattung ist die Pfarrgemeinde zuständig. Die Kirche von Belair bildet seit 50 Jahren den Mittelpunkt der Pfarrei von Be- lair, die dank ihres Pastoralteams unter der Leitung von Abbé Emile André, ihrer Ka- techeten, dem Pfarrgemeinderat, der Kir- chenfabrik und vieler Mitarbeiter aus den Reihen der Pfarrmitglieder eine lebendige Pfarrgemeinschaft geblieben ist. lm Jahr 2006 wurde mit der Instandsetzung der Kirche begonnen, die es ermöglichen soll das Leben der Pfarrei auch in den nächsten Jahrzehnten zu gewährleisten. Literatur: - Akten und Pläne: Archives de la Ville de Luxembourg, LU IV/4; 35/01/1954 (Eglise de Belair); - Ville de Luxembourg - Compte Rendu analytique des séances du Conseil communal 1953, No 6. 147ff.; -50 for Por Belair - 1935 - 1985 Brochure Commémorative du Cinquantenaire de la Paroisse St-Pie X de Luxembourg-Belair; - Architecture et urbanisme au Luxembourg. Nos cahiers 9.2, 1988; - Le Luxembourg des années 50. Une société de petite dimension entre tradition et modernité. Publications scientifiques du Musée d'Histoire de la Ville de Luxembourg, tome 111 (1999). Evamarie Bange Festprogramm 50 Joer Belairer Kiirch am 17. Mai 2007: 16. Mai 2007: 19.00 Uhr Jugendmesse mit dem Chor des Pélé des Jeunes der diesjährigen Oktave 17. Mai 2007: 10.00 Feierliches Hochamt 17.30 Séance académique 17. ? 20 Mai: 50 Joer Belairer Kiirch - Ausstellung zur Geschichte und Architektur


Dateien:
PDF(708 Kb)

84/2007 - Jugend

p.  1