13/06/2008 18:38 Il y a : 11 yrs

Von den Schönheiten der Stadt

Catégorie : 88/2008 - Tourisme 88/2008 - Tourisme

?VON DEN SCHÖNHEITEN DER STADT E s gab eine Zeit, wo in Luxemburg die Leute, die Geld hatten, auch die Schön- heiten der Stadt zu würdigen wussten. Sie bauten sich ihre Häuser an Stellen, wo sie freie Aussicht ins Tal und auf die jenseitigen Hänge hatten. So entstanden die Patrizier- häuser, die den Breitenweg und die Corni-che überragen, und von deren Fenstern der Blick über den Grund in weitem Bogen das Tal umspannt. So ist schon oft beklagt worden, dass es in ganz Luxemburg außer dem Café Beffort neben der Heiliggeisttaverne kein Lokal, kein Hotel, Restaurant, Café gibt, wo man in Ruhe und Bequemlichkeit ange-sichts der Luxemburger Landschaft ein Glas Bier trinken kann. Diese Verständnislosigkeit für die Aus- nützung der sich geradezu aufdrängenden touristischen Möglichkeiten wirkt sich bis in die Gegenwart aus, stärker noch, sollte man sagen, als früher. Unsere Vorfahren legten, wie gesagt, wenigstens für ihre ei- gene Person Wert auf die schöne Aussicht, heute aber sind die Wohnungen, die sie sich an den Rand des Tales gebaut hatten, sozusagen ausnahmslos in den Besitz von allerhand Verwaltungen geglitten: Zollamt, Einregistrierung, Bauverwaltung, Konserva- torium, Kinderkrippe, Klinik usw., von der Pol Aschman (1960) Kaserne, die sich an einer der schönsten Stellen breit macht, und vom Gerichtsge- bäude nicht einmal zu reden. Man sah vor einiger Zeit Männer aus der Stadtverwaltung mit Ausländern, die ganz wie unternehmenslustige Kapitalis- ten aussahen, die nächste Umgebung der Stadt durchstreifen. Es hieß, sie suchten nach einer geeigneten Baustelle für ein Touristenhotel, und sie hätten Geschmack an dem Terrain zwischen der neuen Brücke und der Villa Berthoff gefunden. Sollte dies stimmen, so wären die Herren ziemlich an- spruchslos gewesen, denn wenn man Lu-xemburg auf seiner Nordost- und Südfront umwandert, findet man dutzendweise Stel- len mit viel weiterer und malerischer Aus-sicht, als jene Ecke, wo der Blick härter als nötig durch den immer noch trüben Spiegel der immer noch dreckigen Petruss angezo-gen wird. Ja, werden Sie sagen, die schönen Stel- len sind überall schon besetzt. Allerdings, aber es könnte zufällig ein- mal eine frei werden. Und wenn sich dann auch kein Liebhaber fände, der Lust und Geld genug hätte, dort eine Gaststätte zu errichten, so wäre es doch vielleicht im Interesse der Allgemeinheit, wenn die Ver- waltung die Hand darauf legte und sie für spätere Eventualitäten verfügbar hielte. In diesem Sinn wurde hier vor einiger Zeit auf die bevorstehende Veräußerung der Villa Wolff im Stadtpark hingewiesen. Eine ähn- liche Gelegenheit wird sich in den nächs- ten Tagen bieten, wenn das Pescatore'sche Grundstück in der HI.-Geiststraße zur Ver-steigerung kommt. Selbst wenn nicht dar- an gedacht würde, durch einen Neu- oder Umbau eine bessere Verwertung zu erzie- len, wäre schon ein Durchbruch für das ganze Viertel eine unschätzbare Wohltat. Es würde ganz in der Nähe des Stadtzen-trums, der Abgeordnetenkammer und des Großherzoglichen Schlosses ein Aussichts-punkt geschaffen, der in seiner Art einzig wäre, und die ganze Umgebung wäre wie aus Kerkermauern befreit. Die Anregung hierzu stammt aus unse- rem Leserkreis. Es wäre wirklich an der Zeit, dass wir auch im Innern der Stadt mit der Eingeengtheit aufräumten, die ihr bei ihrer baulichen Entwicklung früher durch den Festungscharakter aufgezwungen wurde. Geld wird es freilich kosten, aber rentieren wird es sich auf die Dauer zweifellos. Batty Weber ?Abreißkalender" vom 10. Juli 1934


Fichiers :
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