13/06/2008 18:41 Alter: 11 yrs

Die Anfänge des Tourismus in Luxemburg

Kategorie: 88/2008 - Tourismus 88/2008 - Tourismus

Jene, die aus dem Londoner Nebel kommen, glauben sich doch bei uns an der Riviera" Rosenfest in Luxemburg, 4. August 1907 C) Archives de la Ville de Luxembourg Die Anfänge des Tourismus in Luxemburg Der 75jährige Geburtstag des ?Luxem-bourg City Tourist Office" gibt den Anlass die Ursprünge des Tourismus im Spiegel des städtischen Archivs zu beleuchten. Das älteste Dokument, das unter dem Überbegriff ?Tourismus" klassiert ist, stammt aus dem Jahr 1879. Aus Anlass eines Ausfluges der Mittelschule von Mar- che/Belgien zählt der damalige Bürgermeis- ter Mousel für die Stadt Luxemburg folgen- de Attraktionen auf, die die ?Touristen" besuchen könnten: Kaserne und Parc Saint Esprit, Kathedrale, Kirche Saint Michel, Schlossbrücke, Fondation Pescatore, Muse-um Pescatore, Stadtpark mit dem Denkmal von Prinzessin Amalia, Rathaus, Athenä- um mit den dort untergebrachten Museen (Fondation Pescatore). In Ermangelung jed-weder touristischen Infrastruktur wird ein Luxemburger Grundschullehrer abgestellt, um die Gäste aus Belgien zu betreuen. Erst durch die Gründung des Touring Club Luxembourgeois im Jahre 1897 er- hält die touristische Erschließung von Stadt und Land ernstzunehmende Impulse. Das Im Jahre 1903 wird auf Betreiben von Hotel- und Restaurantbesitzern die Gesell- schaft ?Luxembourg Attractions" gegrün- det. Der Präsident des Verwaltungsrates, in dem auch der sehr umtriebige Kaffee-hausbesitzer Adolphe Amberg vertreten ist, heißt Willy Baehr Gründungsmitglieder waren auch die LSAP-Gemeinderäte Jean- Pierre Probst und Xavier Brasseur, denen es als Präsidenten des Vereins ab 1905 gelingt, einen Großteil des Budgetpostens ?Réclame et Attractions" des Haushalts der Stadt Lu-xemburg für ihre Vereinigung zu sichern (bis zum Jahr 1910 zwischen 15 % und 30 %). ?Die Gesellschaft verfolgt den Zweck, den Fremdenverkehr zu heben, über die Feste und Attraktionen Luxemburgs Pro-paganda zu machen... und überhaupt jede passende Gelegenheit zu benutzen, um Lu-xemburg in jeder Hinsicht zu entwickeln". Der Verein zählt bis 1905 insgesamt 152 Mitglieder, die sich aus den Reihen der Ho-teliers, Händler und Handwerker der Stadt Luxemburgs rekrutieren. Auch viele Lokal- vereine sind vertreten. Zu den Aktivitäten zählt neben dem alljährlichen Blumenfest, das nach Aussage des Clubs bis zum Jahre 1907 den Status einer ?Institution Natio- erklärte Ziel dieser Vereinigung ist es, die Entwicklung ?du Tourisme en général et plus particulier du tourisme vélocipédique dans le Grand-Duché" voranzutreiben. Im Jahre 1898 organisiert der Club einen internationalen Kongress zur Förderung des Tourismus, den die Stadt Luxemburg finanziell unterstützt. Der Stadtrat sieht im Tourismus und in der Vermarktung der Sehenswürdigkeiten der Stadt Luxemburg die Möglichkeit, die wirtschaftliche Ent- wicklung der Metropole voranzutreiben. Daraus entsteht im Jahre 1899 ein neuer Posten im Haushalt der Stadt Luxemburg, der für ?Réclame et Attractions" vorgese- hen ist und immerhin 0,6 % des Gesamt- budgets ausmacht. Dass Luxemburg von nun an auf der touristischen Landkarte vertreten ist, zeigt ebenfalls die Produk-tion von Postkarten, die am Ende des 19. Jahrhunderts einsetzt und zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine erste Blüte erfährt. Beliebte Motive sind Gesamtansichten Lu-xemburgs, die Brücken, das Fort Thüngen und der Stadtpark. nale" erlangte, die regelmäßige Organisa-tion von Konzerten und Schaufensterwett-bewerben. Auch bei außergewöhnlichen Vorkommnissen, wie der ?Tour de Bel-gique", die im Jahre 1907 durch Luxem-burg fährt, hilft ?Luxembourg Attractions" die Stadt zu vermarkten. Briefkopf und Stempel zeigen, dass sich die privat gegründete Gesellschaft ?Luxembourg Attractions" als städtische Organisation versteht. Im Jahre 1905 gibt es eine entsprechende Diskussion im Gemeinderat, als sich die Ratsmitglieder Probst und Xavier Brasseur gemeinsam ge-gen die Gründung einer beratenden Kom- mission zum Tourismus verwehren und stattdessen die Übertragung des Budget- postens ?Réclames et Attractions" an ihre Gesellschaft, die ?unablässig im Interesse der Stadt arbeitet", beantragen. Bereits im Jahre 1908 regt die gleiche Vereinigung die Anbringung von Hinweisschildern zu den möglichen Rundgängen in der Stadt an: ?L'administration communale de la Ville de Luxembourg qui dans les dernières années n'a reculé devant aucun sacrifice pour fa- voriser et développer le mouvement des étrangers nous permettra sans doute dat- 47 ÇI?i4Luxembourg. ? Avenue Am 61ie et Monument. A. g3tead. aPce.,0 ?9? .7 0. a. drefesuir?vri% VV V In' 48 Internationales Reisebureau, rue Notre Dame (1895) o o o o o P. C tirer son attention sur le grave inconvénient qui consiste dans le manque absolu, sur le territoire de la Ville, de plaques indicatives pour les différentes promenades". Architekt Luja hat dem Schöffenrat daraufhin einige Vorschläge unterbreitet. Ob die Initiative erfolgreich war, bleibt ungewiss. Nach dem Verschwinden der Gesell- schaft ?Luxemburg Attractions" fehlte es ab 1911 in Luxemburg an Initiatoren und Initia- tiven zur Entwicklung des Tourismus. Es gibt fortan keine Organisation mehr, die sich ex- plizit um die Vermarktung der touristischen Potenziale der Stadt Luxemburg bemüht. Zu Beginn der zwanziger Jahre soll die Gründung der ?Société d'Initiative pour le développement du tourisme et l'embellis-sement (SITE.) " dem Abhilfe schaffen. Ihr erster Präsident ist Marcel Cahen, Ge- meinderatsmitglied und Schöffe der Stadt Luxemburg. Die Haushaltskommission rät, der neuen Vereinigung eine angemessene Unterstützung zukommen zu lassen, die sich in den kommenden Jahren auf 2 000 Franken beläuft. Offenbar ist es dieser Vereinigung nie gelungen, nennenswerte Initiativen im Hinblick auf den Tourismus zu entwickeln. Ab 1925 wurde das ?Syn-dicat d'Initiative" vom Luxemburger Reise-und Verkehrsbüro in der Rue Aldringen vertreten, das im Jahre 1910 aus dem Büro des Touring Club Luxembourgeois hervor- gegangen ist. SCHOREN, , AVENUE DE LA GARE LUXEMBOU t AP--; CAW.4446 MNHA Das ?Luxemburger Reise- und Ver- kehrsbüro" verwaltet als offizielle Aus- kunftsstelle des SITE. den Status Quo, ohne selbst Veranstaltungen zu organisie-ren. Dessen Direktor wird fortan von der Gemeindeverwaltung bei Fragen zum Tou-rismus hinzugezogen. Daher unterstützt der Bürgermeister im Jahre 1930 die Gründung der ?Union Commerciale et Touristique" mit der Bemerkung, dass es sich im Hinblick auf die Untätigkeit des SITE. um eine ab-solute Notwendigkeit handelt. Bereits 1931 greift die Union Commerciale zusammen mit der Association de Petit Jardinage die Idee von 1907 wieder auf, indem sie einen Corso Fleuri organisiert, der einige Jahre lang zum Veranstaltungskalender der Stadt Luxemburg gehörte und im Stadthaus- halt jeweils mit 15000 Franken zu Buche schlägt. Fortan vertritt diese Vereinigung die Stadt bei touristische n Belangen. Gleichzeitig gibt es Initiativen zur in- ternationalen Vermarktung Luxemburgs, das seit 1923 Mitglied der in Brüssel an- sässigen ?Association des Villes Belges et Luxembourgeoises pour attirer les Touristes Etrangers" ist. Auf nationaler Ebene schließen sich die luxemburgischen Städte zur ?Union Nationale des Centres et Cités" zu-sammen, die mit Touring Club und SITE. verschiedener Städte die Vermarktung ko-ordinieren soll. Der jährliche Zuschuss be- trägt 2000 Franken.Doch erst das Jahr 1933 sollte wieder messbare Initiativen zur Hebung des Tou- rismus in der Stadt Luxemburg bringen. Die Stadt tritt dem ?Office du Tourisme belgo- luxembourgeois" bei und beteiligt sich mit der enorm hohen Summe von 25000 Fran- ken an dem Unternehmen. Vizepräsident der Vereinigung ist Herr Albert Philippe, Schöffe und Mitglied des Gemeindera- tes. Der gleiche Politiker hat sich auch um die Neugründung des ?Syndicat Officiel d'Initiative et de Tourisme de la Ville de Luxembourg" verdient gemacht, indem er die Eröffnung eines Büros im Erdgeschoss des Stadtpalastes (Cercle) auf der Place d'Armes ermöglichte, wo bis dahin die Frei- willige Feuerwehr untergebracht war. In den folgenden Jahren betrug der jährliche Zuschuss von der Stadt Luxemburg 2000 Franken (heute liegt er bei 2,6 Millionen ?). Dem ersten Präsidenten Wies schrieb der Schöffenrat im November 1933: ?Le Collè-ge échevinal espère que grâce à la collabo-ration active et énergique des membres du nouvel organisme par vous crée, vous ferez faire à la cause touristique de la Capitale des progrès nouveau et appréciable". Diese neue Anlaufstelle im Herzen der Stadt Lu-xemburg wurde von Herrn Wiroth geleitet. PLAN MONUMENTAL de la Ville de Luxembourg édile par le Syndicat Officiel d'Initiative et de Tourisme sous les auspices du Gouvernement ei de k Municipalité Prix de vente: 4 fr. o -a -a Touristische Pioniere Die Gesellschaft hatte folgendes Programm: ?Installation du bureau d'information à. la Place d'Armes; Collaboration directe avec le Secrétariat de l'Union des Villes et Centres touristiques; Réception des tou-ristes étrangers; Propagande à. l'étranger; Publication de matériel; Illumination de la ville; Organiser la visite des casemates; Rè-glement d'exploitation des taxis; Création d'une équipe de guides agréés et contrôlés; Réorganisation de la réglementation des heures de fermeture des cafés et restau-rants; Courts de tennis, jeux pour enfants au parc, golf aux environs; Jets d'eau à. dif-férents endroits, square de roses en face de l'Arbed; Parking surveillé place de Théâtre et organisation d'un festival permanent de musique et de chant." Luxemburg hat lange nach seiner tou-ristischen Identität gesucht. Die ersten In-itiativen vermarkteten die Naturschönheit und Romantik der Rosenstadt Luxemburg. Vor dem ersten Weltkrieg und in den drei- ßiger Jahren von Privatleuten entwickelte Ideen, aus Luxemburg eine Kurstadt zu machen, werden nicht verwirklicht. Seit den dreißiger Jahren besinnt sich Luxem-burg auf seine historische Vergangenheit. Von nun an werden die Festung und ins-besondere die durch den späteren Sekretär des Syndicat d'Initiative Jean-Pierre Koltz erschlossenen Kasematten für den Touris- mus zugänglich gemacht. Heute stellen sie mit über 100000 Besuchern im Jahr die größte Touristenattraktion der Stadt Lu-xemburg dar. Evamarie Bange Bibiiographie: - Archives de la Ville de Luxembourg: LU 11 IV/1 1756; 1854. LU 11 IV/3 14; LU 11100/22-33; - Budgets et Projets de Budgets de la Ville de Luxembourg 1848 - 1933; - Analytischer Bericht über die Stadtratssitzungen 1905,109ff; 1932,25; - 15 Joer Frënn vun der Festungsgeschicht Lëtzebuerg (Luxemburg 2008); - Rapport d'activité présenté par le Luxembourg City Tourist Office (2007); - Statuts Luxembourg-Attractions. Société pour favoriser et développer la fréquentation de la capitale par les étrangers (1903). 49


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88/2008 - Tourismus

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