13/06/2008 18:48 Alter: 11 yrs

Was bedeuten die Straßennamen der Stadt?

Kategorie: 88/2008 - Tourismus 88/2008 - Tourismus
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?Was bedeuten die Straßennamen der Stadt? 68 Trèves (Rue de) Durch Schöffenratsbeschluss vom 16. Sep-tember 1960 wurde der Name dieser Stra-ße bestätigt, die die Rue Münster in Stadt- grund mit der Rue Cents bis zur Mündung der Rue des Alouettes verbindet. Der,, Trierer Wee" ist wohl einer der ältes- ten Verkehrswege der Stadt und blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Während des ganzen Mittelalters bis hin in die Neuzeit waren Trierer- und Münster- gasse die Hauptzugangsstraßen zum Stadt- grund. Nach Joseph Reuter reichen die Anfänge der heutigen Trierer Straße in vor- geschichtliche Zeiten zurück bis zu einer Siedlung auf dem Rhamplateau. Sie trug den Namen ?Dinselgasse", eine Bezeich- nung für eine alte schmale Gasse. Da der Bau der Wenzelsmauer und der Dinselpforte den Grundbewohnern und ihren Tieren den Weg auf den Fetschenhof zur Bestellung ihrer Felder erschwerte, ließ Graf Mansfeld 1590 die Dinselgasse nach Fetschenhof hin erweitern. Zum Schutz des neuen Verkehrsweges wurde das untere Dinseltor, später Triererpforte (porta Tre- vérensis) erbaut. In diesen Jahrhunderten herrschte hier in der Dinselgasse reges Leben und Treiben. Sie wurde durchwan- dert von Menschen und Soldaten verschie- dener Nationen. Hier wohnten auch die Handwerker, Leineweber, Maurer, Zim- merleute und Tiroler Steinmetze, die beim Bau und dem Unterhalt der Festungsbau- ten eine große Rolle spielten. Die Trierer Strafe (Gebberg) zur Festungszeit Im 19. Jahrhundert verebbte der Verkehr in der Trierergasse, bedingt durch neue Stra- ßenbauten und neue Techniken, so etwa dem Bau der Passerelle (1859), der Neudor- fer Straße (1851) oder der Eisenbahnlinie Luxemburg-Trier. Heute ist jedenfalls der untere Teil viel belebter seit der Instandsetzung des Cen-tre Neumünster. Links von der Straße führt ein Treppenabgang in den Hof von Neumünster. Erwähnt sei auch die sehr gelungene Renovierung alter Hauser. So etwa schmückt das Haus Nr. 20 ein reich verziertes Relief aus dem 17. Jahrhundert, nämlich die Anbetung der drei Könige, ferner eine Mater doloros a, die Stein- skulptur eines unbekannten Künstlers, die Graf Mansfeld an der neuen Dinselpforte hatte anbringen lassen. Nach deren Abriss wurde sie in eine Nische am Straßenrand der damaligen Gefängnismauer überführt. In der Trierer Straße wurde auch im Jahre 1588 General Johann Beck geboren. Er war zum Gouverneur von Luxemburg ernannt worden und starb 1649 in Lens nach einer verlorenen Schlacht gegen Condé. Trévires (Rue des) Diese in Bonneweg gelegene Straße trägt den Namen der keltischen Völkerschaft der Treverer. Ihr Name wurde durch Beschluss des Gemeinderats vom 16. Mai 1925 bestä- tigt. Sie verbindet die Rue du Laboratoire mit der Rue Auguste Charles. Die Treverer, einer der bedeutendsten nordgallischen Stämme, bewohnten den Raum der unteren Mosel zwischen Maas und Rhein. Auch unser Land befand sich größtenteils unter ihrer Herrschaft. Mit der Eroberung Galliens durch Julius Cäsar treten die Treverer in die Geschichte ein. Dem Vordringen Cäsars in ihr Gebiet setzten sie zunächst keinen Widerstand entgegen, als Dank für den Schutz, den Cäsar ihnen gegen Einfälle germanischer Stämme gewährt hatte. So warf Cäsar den Ariovist mit seinen Germanen über den Rhein zurück und zwang auch die Helve- tier zurück in die Schweiz. Dann kam es aber doch zu Zwistigkeiten zwischen den Römern und den Treverern, die sich als unbotmäßig erwiesen gegenüber den Verpflichtungen, die sie mit Rom ein- gegangen waren. 54 vor Christus rückten dann römische Legionen gegen die Treverer vor. Gelegen kam ihnen hierbei der Macht- kampfzwischen zwei Treverer Fürsten, dem römerfreundlich gesinnten Cingetorix und dessen Schwiegervater Indutiomar, der sich gewaltsam gegen die römische Invasion erhob. Indutiomar fiel in einem erbitterten Kampf, und auch ein weiterer Aufstand der Treverer im folgenden Jahr 53 endete mit einer Niederlage. Nikolaus Welter hat den heldenhaften Kampf Indutiomars in einem Gedicht verewigt. Unter Kaiser Augustus wurde das Gebiet der Treverer mit Trier zu einer Kolo- nie mit römischen Bürgerrechten: Colonia Augusta Treverorum. Im Jahre 297 trug sie offiziell den Titel Civitas Treverorum. Die Treverer hatten sich mit der römischen Fremdherrschaft abgefunden, denn sie sicherte ihnen für Jahrhunderte die Wohl- taten derpax romana. Trois Glands (Rue des) Diese Straße, so genannt durch Gemein- deratsbeschluss vom 16. Mai 1925, zweigt in der Rue Vauban in Pfaffenthal ab, führt hinauf zum Fort Thiingen und mündet in die Rue du Fort Niedergrünewald. Im Volksmund heißt das Fort Thüngen ?Dräi Eechelen", dies wegen der vergoldeten Eicheln, die die Türme schmücken. Es wurde 1732 unter österreichischer Herr- schaft erbaut und nach dem Festungskom- mandanten, dem Freiherrn von Thüngen, benannt. Dieser folgte auf den Grafen Neip- perg, der nach Italien abberufen wurde und dort die Witwe Napoléons, Marie-Luise, heiratete. Das Fort gehörte zu dem ausgedehnten Werk des äußeren Festungsgürtels der Grii- newaldfront auf dem strategisch so wichti- gen Punkt der Pfaffenthaler Höhen. Vom Abriss der Festungsanlagen verschont, war der imp osante Bau der drei Türme seit jeher ein malerischer Anblick. Heute allerdings, bedingt durch die umfangrei- chen Bauarbeiten im Rahmen der Neuge- staltung des Plateaus, haben wir ein völlig anderes Bild von dem altehrwürdigen Fes- tungswerk des Fort Thüngen. Quellen: - J.P. Koltz: Baugeschichte der Stadt und Festung Luxemburg (Bd. 11970); - Roger Sour: Stadt und Festung Luxemburg von A bis Z. (1992); - Gérard Thill: Vor-und Frühgeschichte Luxemburgs (7. Aufl. 1995); - Joseph Reuter: In den Gassen von Stadtgrund (Livre d'Or du centenaire de la fanfare royale grand-ducale Luxbg.-Grund).


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