06/05/2010 15:16 Alter: 9 yrs

Vamos a la Villa

Kategorie: 93/2010 - Freischaffender Künstler 93/2010 - Freischaffender Künstler

L'exposition Luxembourg et Vauban ne veut pas célébrer un fait de guerre – en assiégeant et en bombardant Luxembourg en temps de paix, les Français n'avaient, en effet, point fait preuve de courtoisie à l'égard de nos aïeux –, elle cherche plutôt à honorer Vauban, commissaire des fortifications, que Louis le Grand, après la réduction de Luxembourg, chargea de remanier la forteresse. Assurément de ce grand architecte et ingénieur militaire, notre ville porte la griffe! Extrait de l’avant-propos de la brochure de l’exposition „Luxembourg et Vauban“, décembre 1984 Das zweite Museum der Stadt Luxemburg, die Villa Vauban,  wird im Mai seine Pforten öffnen.  ons stad hat schon jetzt einen Blick hinter die Kulissen werfen können. M it dem Slogan „Where past meets present“ oder mit dem leicht lasziven Spruch „La Villa Vauban se dévoile“ versuchen die Verantwortlichen, das Interesse für einen neuen Kulturtempel in der Hauptstadt zu wecken: Ab Mai wird die Villa Vauban – nach fünfjährigen Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten – endlich wieder dem Publikum zugänglich sein. Rund 140 Jahre zählt die 1869-1873 erbaute Stadtvilla nun schon. Ihr Name geht auf keinen geringeren als Sébastien Le Prestre, Marquis de Vauban zurück, französischer Festungsbaumeister unter Ludwig XIV. Nicht dass der Marquis, der rund anderthalb Jahrhunderte vorher gelebt hat, irgendwie seine Hände beim Bau mit im Spiel gehabt hätte. Jedoch wurde das Haus auf den Überresten des von Vauban entworfenen Forts errichtet. Ein Teil der eindrucksvollen Außenmauer dieses Forts wurde im Rahmen der Sanierung konserviert und ist im Untergeschoss der Villa zu sehen. Nun hat die Villa Vauban nicht nur äußerlich ein Facelifting bekommen. Auch was die konzeptuelle Ausrichtung der hier gezeigten Ausstellungen anbelangt, sollen neue Wege beschritten werden. Denn die Gemälde aus den Schenkungen, die die Stadt Luxemburg in der Vergangenheit vom Tabakhändler und Bankier Jean-Pierre Pescatore, vom Bankier Leo Lippmann und von Eugénie Dutreux-Pescatore erhalten hatte und die ab 1959 in der im Jahre 1949 von der Stadt erworbenen Villa Vauban gezeigt wurden, waren gegen Ende nicht mehr wirklich ein Publikumsmagnet. Für die Sammlungen, im Wesentlichen bestehend aus niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts und französischen Landschafts- und Historiengemälden des 19. Jahrhunderts, war die als Privathaus konzipierte Villa ein unzureichender Ausstellungsort: Die Gemälde konnten nur bruchstückhaft in der viel zu kleinen Villa gezeigt werden. Auch verlor das Publikum das Interesse an den alten Gemälden, die zudem in den 1980er und 90er Jahren von Sonderausstellungen mit Werken namhafter Künstler wie Dalí, Chagall oder August Macke wortwörtlich in den Hintergrund gedrängt wurden. In Zukunft soll das alles anders werden, so die Absicht der Verantwortlichen. „Wir wollen die Villa Vauban für alle Arten von Besuchern zugänglich machen. Und die bestehenden Sammlungen sollen vorteilhafter ausgestellt werden“, meint Danièle Wagener, Direktorin der neuen Villa Vauban sowie des Musée d’Histoire de la Ville de Luxembourg. Die Bauzeit von 5 Jahren erscheint lang, doch waren den eigentlichen Ausbau- und Restaurierungsarbeiten noch Bauuntersuchungen und eine Asbestsanierung vorausgegangen. Der ganze Um- und Ausbau der Villa, der insgesamt rund 14 Millionen Euro gekostet hat, sei aus vielerlei Gründen unumgänglich gewesen: So gab es beispielsweise vorher keine Rampen und keinen Fahrstuhl. „Die renovierte Villa ist dagegen gut für Menschen mit Behinderungen zugänglich“, erklärt Danièle Wagener. Auch sei ein Rundgang mittlerweile viel einfacher: Ursprünglich war die repräsentative Villa aus dem 19. Jahrhundert als Privathaus mit drei Geschossen konzipiert worden und nie auf ein größeres Publikum ausgerichtet gewesen. „Die Villa war recht klein. Wir konnten die Sammlungen aus über 300 Gemälden nie wirklich simultan mit Sonderausstellungen zeigen“, so Wagener. Zudem seien die Ausstellungsbedingungen, insbesondere Sicherheit, Klima und und Beleuchtung, nicht optimal gewesen. Das sei nun anders. Die Architektur des neuen Museums, renoviert und um einen Neubau des Luxemburger Architekturbüros Diane Heirend + Philippe Schmit architectes ergänzt, ist ein Ensemble aus Alt und Neu. Denkmalschützerische Kriterien sind in die Planung mit eingeflossen und wurden zum Teil berücksichtigt: Die Stuckdecken des 19. Jahrhunderts wurden restauriert und mit einem modernen Beleuchtungskonzept versehen. Auch die alten Türrahmen wurden, wo möglich, erhalten. Die insgesamt siebzehn Ausstellungssäle mit Höhen von 4.50 bis 5.60 Meter, massivem Eichenholzboden, großzügigen Ausblicken auf den umgebenden Park, Sichtbeton und spitz zulaufenden Wandfluchten im Treppenhaus geben dem Altbau eine kühle Schlichtheit durch die klare und transparente Bauweise.  Rund 1 000 m2 Ausstellungsfläche auf drei Ebenen, pädagogische Räume und ein Auditorium für Vorträge sowie ein kleines Zwischenlager für die Aufbewahrung von Leihgaben bieten ganz neue Möglichkeiten. „Das Gebäude wurde ganz flexibel konzipiert, so dass einerseits eine Ausstellung im ganzen Gebäude geplant werden kann, andererseits aber auch kleinere Ausstellungen und Rundgänge möglich sind“, so Danièle Wagener. Ziel sei es, die bestehenden Sammlungen, bei denen es sich vor allem um europäische Malerei handelt, in den Kontexten verschiedener Wechselausstellungen zu zeigen. Vier Module bilden den Leitfaden der neuen Ausstellungskonzeption: „Das erste Modul besteht darin, zu bestimmten Themen ausländische Sammlungen ergänzend zu den bestehenden einzuladen“, so Eva Maringer, welche als Kuratorin und Kunsthistorikerin mit der Spezialisierung Europäische Malerei des 16. bis 19. Jahrhunderts zukünftig für die Sammlungen der Villa Vauban verantwortlich ist. Das zweite Modul ist den Sammlern und ihrer Motivation gewidmet. Im dritten Modul geht es darum, den Lebensweg eines Gemäldes nachzuzeichnen, von seiner Entstehung im Künstleratelier über den Verkauf bis hin zur Restaurierung. Auch die Rahmung soll hier ein Thema sein: So haben viele Bilder des 17. Jahrhunderts statt ihrer schlichten Rahmung aus ihrer Entstehungszeit nachträglich angefertigte Goldrahmen erhalten. Das letzte Modul besteht darin, ein einzelnes Bild in den Mittelpunkt zu stellen, um Thema und Stil eines Künstlers zu kommentieren. Das Ganze wird darüber hinaus von einem pädagogischen und kulturellen Rahmenprogramm ergänzt. „Wir haben uns verschiedene Zielpublika vorgenommen, das sind einmal ältere Menschen, dann junge Berufstätige und schließlich Kinder, wobei wir das große Publikum nicht vergessen wollen“, verdeutlicht Mady Mailliet, zuständig für das Programm (Ech hun nie matt der Madame Mailliet geschwaat, sondern Maringer soot daat). Etwa arbeite man intern seit ein paar Monaten mit der Fachhochschule für Mode und Design in Trier zusammen. Studenten beschäftigen sich hier mit der Mode des 17. Jahrhunderts, und der Art und Weise, wie Mode gesellschaftliche Realitäten wiedergibt. Die aus diesen Überlegungen entwickelten zeitgenössischen Kreationen sollen im Juli in der Villa Vauban vorgeführt werden und ein Publikum von Designinteressierten begeistern. „Eine weitere Idee war es, einen Restaurator von Bilderrahmen einzuladen, der erklärt, wie die Rahmung sich durch die Jahrhunderte verändert hat“, so Mailliet. Die Überlegung hierbei sei, ein Publikum anzusprechen, welches sich für Holzarbeiten interessiere. Daneben sollen in der Villa aber auch Führungen stattfinden und Vorträge von Luxemburger Forschern oder Kooperationspartnern, wie z.B. Experten aus dem Amsterdamer Rijksmuseum, gehalten sowie Workshops für (Schul-)Kinder angeboten werden. „Mit den vorhandenen Gemälden vom 17. bis zum 19. Jahrhundert lässt sich ein guter Überblick über die europäische Kunstgeschichte gewinnen“, glaubt Eva Maringer. Ungewöhnlich sei an dem Bestand, dass es sich um drei große Privatsammlungen handelt, die der Stadt Luxemburg als Konvolut geschenkt wurden. „Somit lässt sich gut erkennen, wie Privatleute im 19. Jahrhundert gesammelt haben; nach welchen Kriterien ihre Kunstsammlungen zusammengestellt wurden und worin sich der persönliche oder zeitgenössische Geschmack ausdrückt“, meint Maringer. So habe sich der Bankier und Luxemburger Generalkonsul in Amsterdam, Leo Lippmann, in seinen Gemäldesammlungen auf die Historienmalerei des 19. Jahrhunderts, aber auch auf die holländische Malerei des 17. Jahrhunderts spezialisiert – eine Zusammenstellung, die recht typisch für seine Epoche und seine gesellschaftliche Stellung war. Darüber hinaus bieten die Sammlungen die Gelegenheit, historische Umstände zu klären, etwa der Frage nachzugehen, wie der Lebensweg des Tabakhändlers Jean-Pierre Pescatore aussah, der es in Paris als Bankier zu einem großen Vermögen brachte und sich neben Schlössern und einer Orchideenzucht eine standesgemäße Kunstsammlung zulegte.  Der Sammlungsbestand soll also nicht nur ausgestellt, sondern auch wissenschaftlich aufgearbeitet und der Allgemeinheit in Publikationen zugänglich gemacht werden. „Jede Ausstellung, welche die Bilder in einen neuen Kontext stellt, ist auch ein Beitrag zur Forschung“, meint Boris Fuge, Pressesprecher der Museen der Stadt Luxemburg. So geht es in der Eröffnungsausstellung der Villa Vauban „The Golden Age Reloaded“ (2. Mai bis 31. Oktober 2010) um die holländische Malerei des 17. Jahrhunderts und ihre Rezeption durch das Großbürgertum im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Die Holländer haben im 17. Jahrhundert auch sakrale, mythologische oder an der Geschichte orientierte Sujets gemalt – aber bekannt waren sie vor allem für ihre Landschafts- und Genremalerei. „Diese Gemälde sind – obwohl sie im 19. Jahrhundert als Abbildung der Realität gesehen wurden – Bilder mit sehr hohem Symbolgehalt“, erklärt Fuge. Man sei schnell verführt, die Gemälde als einfache Wiedergabe einer historischen Wirklichkeit zu begreifen, da sie so detailreich sind und viele Alltagsszenen zeigen. Dagegen will die Ausstellung „The Golden Age Reloaded“ den wahren Bildgehalt offenlegen und gleichzeitig die Rezeptionsgeschichte erläutern. Neben den Werken aus der eigenen Sammlung werden im Mai auch Werke des Rijksmuseums Amsterdam gezeigt. Überhaupt will die Villa Vauban in Zukunft stärker mit anderen Museen kooperieren. Willkommen sind auch weiterhin Schenkungen. Es sollen jedoch immer die Zeitepochen des 17., 18. und 19. Jahrhunderts sein, die in der Villa im Mittelpunkt stehen. Somit vermeidet die Villa Vauban Überschneidungen etwa mit dem Nationalmuseum, welches sich vor allem auf die Epochen davor und danach konzentriert und ansonsten mit seinen Sammlungen komplementär ist. Die Verantwortlichen sind um eine eigene Identität des Projektes bemüht und versuchen, auch mit der einzigartigen Lage der Villa Vauban inmitten des Stadtparks zu punkten. Nicht nur die Dach- und Fassadenverkleidung aus Rotmessing sticht ins Auge, sondern auch der Park, der die Villa Vauban umgibt: Vom bekannten französischen Landschaftsplaner Édouard François André im 19. Jahrhundert entworfen, soll die Grünanlage wieder in ihre ursprüngliche Form gebracht werden. Sie ist Teil des Restaurierungsprojektes. „Besucher sollen über die Geschichte des Parks informiert werden“, erläutert Wagener. Diese „grüne“ Topographie wiederholt sich in abstrakter Form auch im Logo der Villa Vauban, welches ein grünes Dreieck beinhaltet. „Die umgeklappte Ecke soll außerdem den Blick hinter die Gemälde, hinter die Kunst symbolisieren“, erklärt Fuge. Ob es den Museen der Stadt tatsächlich gelingen wird, diese Neugierde zu wecken, wird man ab Mai wissen. Denn es ist zweifellos eine Herausforderung, das heutige Publikum für die Kunst des 17., 18. und 19. Jahrhunderts zu begeistern. Christiane Walerich


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