06/05/2010 15:23 Il y a : 9 yrs

Der Maler Pablo Picasso schreibt an seinen Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler

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Sehr geehrter Kunsthändler Kahnweiler, Wir hatten einen Deal gemacht, der hat bis jetzt nicht viel gebracht. Erst hab ich blau in blau gemalt, Sie haben äußerst mau gezahlt. Dann hab ich’s mit Rosé versucht, doch nichts im Portmonnaie verbucht. Nun also wären Kuben dran – Sie schaffen nicht mal Tuben ran. Wird ich nicht nach Tarif bezahlt, wird ab sofort naiv gemalt. Zwar beißt die Maus kein Faden ab, dass ich davon den Schaden hab, doch trudeln keine Mäuse ein, stürzt langsam mein Gehäuse ein. Mein Herr! Sie haben Braque bedacht, und der hat nichts als Quack gebracht. Sie haben Juan Gris bezahlt, und der hat ziemlich mies gemalt. Zwar stimmt es, dass die Pressewelt vor meinem Werk die Fresse hält, doch lässt mich unser Blätterwald samt selbsternannter Retter kalt. Den haben sie mit Dank bedacht – die Nachwelt hat sich krankgelacht. Den haben sie durch Spott versehrt – heut wird der Mann als Gott verehrt. Wie wenig ein Verriss bewegt, hat eben erst Matisse belegt. Zwar hat er einen Schreck gekriegt, doch den hat rasch Ihr Scheck besiegt. Solang Sie ihm die Bilder zahln, wird Henri wie ein Wilder maln, da jeder, sofern Bares lacht, gern Schönes, Gutes, Wahres macht. Mit vorzüglicher Hochachtung Pablo Picasso, Kunstmaler Postscriptum: Ein Vorschlag zur Güte: Zunächst wird kräftig angezahlt, sodann wird wie Cézanne gemalt, der Gegenstand wird kleingehackt und so viel Schotter eingesackt, dass jeder der Picasso kennt, ihn nur noch Herrn Incasso nennt. Robert Gernhardt


Fichiers :
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