06/05/2010 15:26 Alter: 9 yrs

Une photo et son histoire : Noch eine hohe Dame, die für Luxemburg reiste…

Kategorie: 93/2010 - Freischaffender Künstler 93/2010 - Freischaffender Künstler

Nachdem die diplomatische Mission der „Gëlle Fra“ in allen Zeitungen, Blogs oder Biertischrunden ausgiebig kommentiert worden ist, schien es mir nicht sinnvoll, die Rubrik „Une photo et son histoire“ auch noch der Statue des Luxemburger Künstlers Claus Cito zu widmen. Vieles ist aus kompetenter Feder (z.B. von Lotty Braun-Breck) über Cito gesagt worden, und dieses ist nicht die Stelle, sich zu fragen, ob es sinnvoll ist, die „Gëlle Frau“ nach China zu schicken. Zumal wir ja noch nicht wissen, wodurch unser Land sich in Schanghai sonst noch präsentiert. Ich würde daher gerne diese Rubrik einer Frau widmen, die auch in diplomatischer Mission für Luxemburg gereist ist (oder gereist sein soll) : Prinzessin Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, auf Luxemburgisch liebevoll-diminutiv „d’Ammeli“ mit Betonung auf der ersten Silbe. Am 5. Februar 1850 ernennt der niederländische König-Großherzog Wilhelm III. seinen jüngeren Bruder Heinrich zum Statthalter in Luxemburg. Drei Jahre später, am 19. Mai 1853 heiratet Heinrich Prinzessin Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, die jüngste Tochter des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar-Eisenach. Am 14. August 1853 trifft das junge Paar in Walferdingen, seinem Residenzort in Luxemburg ein. Relativ rasch wird Prinz Heinrich der Niederlande „de gudde Prënz Hari“, eine positive Einstellung, die sich auch auf seine elegante junge Ehefrau niederschlägt. Wenn 1875 der 25. Jahrestag seiner Statthalterschaft gefeiert wird, werden er und seine (schon verstorbene) Gattin in Hymnen und Ansprachen als die Garanten der Luxemburger Unabhängigkeit geehrt. Die Verdienste des Prinzen um die ersten Eisenbahnlinien und den wirtschaftlichen Ausbau des Landes werden hervor gestrichen und der soziale Einsatz seiner Gattin immer wieder betont. So soll sie beispielsweise Kindergärten, die nach dem pädagogischen Modell von Friedrich Fröbel arbeiteten, in Luxemburg eingeführt haben. 1876, vier Jahre nach dem Tod der Prinzessin, wird im Stadtpark in Luxemburg ein Denkmal zu Ehren Amalias errichtet, das bezeichnenderweise die Widmung „A la Princesse Henri des Pays-Bas“ trägt. Auf der Sitzbank, die das Denkmal umgibt, sind die Namen der 12 Kantone eingetragen, um zu zeigen, dass das ganze Luxemburger Land der Prinzessin in Ehrerbietung zugetan war. Karitativer Einsatz und moderne Kindergartenkonzepte hätten aber wohl kaum als Begründung für ein Denkmal dieser Größenordnung gereicht, das durch eine nationale Ausschreibung wenigstens teilweise bezahlt werden konnte. Die mehr als 2 Meter hohe Statue ist ein Werk des Metzer Künstlers Charles Pêtre und gilt als das erste öffentliche Denkmal Luxemburgs. Womit hat Amalia sich diese Ehrung verdient? 1867 wird die europäische Diplomatie durch die so genannte „Luxemburgkrise“ erschüttert: der französische Kaiser Napoléon III war daran interessiert, sein Herrschaftsgebiet durch den Erwerb Luxemburgs und seiner mächtigen Festung zu erweitern, um die französische Position gegenüber Preußen zu stärken. Er hatte sich schon vorher die geheime Zustimmung Bismarcks gesichert: gegen das Versprechen Frankreichs, sich nicht in den deutschen Einigungsprozess einzumischen, hätte Bismarck nichts gegen den Kauf nicht deutscher Gebiete einzuwenden. Da der niederländische König Wilhelm III. und „Besitzer“ Luxemburgs in Geldnöten ist, willigt er ein, Luxemburg für 5 Millionen Florins an Frankreich zu verkaufen, macht aber den Verkauf von der Zustimmung Bismarcks abhängig. Auf Druck der deutschen Öffentlichkeit rät Bismarck Wilhelm III. schließlich von dem Verkauf ab. In Luxemburg waren französische Agenten aktiv geworden, um für die Sache ihres Kaisers zu werben, aber die meisten Luxemburger wollten „bleiwe wat mer sinn“, ein Begehr, das auch bei dem Statthalter der Niederlande in Luxemburg, dem „gudde Prënz Hari“ ein offenes Ohr fand. In diesem Zusammenhang soll Prinzessin Amalia nach Sankt-Petersburg gereist sein, um bei ihrem Verwandten, dem Zar Alexander II. gegen die Annexionsabsichten Frankreichs Unterstützung zu suchen. 1867 wird die Schleifung der Festung beschlossen und somit ein internationaler Zankapfel aus der Welt geschafft. Am 1. Mai 1872 stirbt Amalia kinderlos in Walferdingen. Sie wird in der Niewe Kerk in Delft bestattet. Wenn auch zahlreiche Namen, Plätze und Gebäude den Namen des Prinzen Heinrich und seiner Frau Amalia tragen, so macht sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine kritischere Analyse breit. War Amalia etwa gar nicht in St. Petersburg? War Prinz Heinrich wirklich nur „de gudde Prënz“? Wie dem auch sei, Amalia auf ihrem Sockel im Park hat als Person und als Denkmal lange Zeit die Rolle der Landesmutter gespielt, bis sie die Fackel an Charlotte weiterreichte. Es ist schon interessant, wie abgehoben die (männlichen) Künstler die „Landesmütter“ sehen, ob sie reale Fürstinnen waren oder vergoldete Verkörperungen von Freiheit und Widerstand. Weite Reisen im Interesse Luxemburgs haben Amalia, Charlotte und die „Gëlle Fra“ jedenfalls gemeinsam. Simone Beck Bibliographie: - 150 Joer Gemeng Walfer 1851-2000. Ed. Administration communale de Walferdange 2000; - Christiane Huberty, Prënz Hary an Amalia, in: Lieux de mémoire au Luxembourg. Ed. Sonja Kmec, Benoît Majerus, Michel Margue, Pit Péporté Luxembourg 2007


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