06/05/2010 15:42 Alter: 9 yrs

Sie sind jung und brauchen das Geld...

Kategorie: 93/2010 - Freischaffender Künstler 93/2010 - Freischaffender Künstler

Jung sein und Künstler spielen  ist gar nicht so einfach.  Zum einen stellt sich die Frage  des Lebensstils, zum anderen  die seiner Finanzierung. Z ugegeben, ein Dossier über junge Künstler in Luxemburg zusammenzu-stellen war keine einfache Sache. Wer ist jung oder nur jung geblieben? Wo hört der Hobbykünstler auf und wo fängt der Lebenskünstler an? Und – vor allem – wo sind diese jungen Menschen überhaupt zu finden? Aber zuerst einmal muss die Frage gestellt werden: „Was ist überhaupt ein Künstler? Und zumal, was ist ein Künstler in Luxemburg?“  Das Großherzogtum ist nicht unbedingt bekannt für eine langjährige künstlerische Tradition. Und Luxemburg war und ist immer noch kein kulturelles Epizentrum wie das Paris der zwanziger Jahre. Eher das Gegenteil ist der Fall: Wer sich in den hiesigen Gefilden das Etikett „Künstler“ an die Brust heften will, sollte zumindest ein zweites Standbein haben. Denn von der Kunst alleine zu leben, das funktionierte in Luxemburg bisher nur in Einzelfällen. So kommt es auch, dass viele, die in der luxemburgischen Kunstszene aktiv sind, nebenbei als Professoren oder Lehrer arbeiten müssen. Sogar Altmeister wie Foni Tissen entkamen diesem Schicksal nicht. So unterrichtete der „luxemburgische Surrealist" eher widerwillig jahrzehntelang in seinem "Brotberuf" als Zeichenlehrer im Escher Jongelycée.    Um diesen speziellen Status zu erklären, kann man einerseits an das typisch luxemburgische Stereotyp des Künstlers als „armen Poeten“ zurückgreifen – der Artist als Pariafigur und Bürgerschreck. Ein Klischee, dem die wenigsten entsprechen wollen, wenn man sich die heutigen Vernissagen und andere „Kulturevents“ anschaut. Der Künstler muss auch was „Ordentliches“ machen, wenn er in dieser Gesellschaft Akzeptanz sucht.  Auf der anderen Seite spielt natürlich auch die fehlende – oder falsch funktionierende – Infrastruktur eine Rolle. Sicherlich gibt es heutzutage eine viel breitere Unterstützung für Künstler als noch vor dreißig Jahren. Aber lediglich auf Subventionen, Konventionen und andere Förderprogramme zu zählen, bringt auch nichts. Denn eigentlich sollte der Künstler doch unabhängig vom Staatsäckel agieren und nicht aus der Hand des Ministeriums oder der kommunalen Geldgeber leben. So sind die staatlichen Fördermittel immer auch ein zweischneidiges Schwert: Einerseits werden sehr wohl Talente gefördert, und nicht wenige profitieren davon. Andererseits gerät der Künstler, der auf solche Gelder vertraut, schnell in einen Sog der Abhängigkeit seinem Auftragsgeber gegenüber. Man sieht, dass das Künstlerdassein im Jahre 2010 immer noch eine Gratwanderung ist. Aber auch kein Ding der Unmöglichkeit, wie die nachfolgenden Porträts zweier Luxemburger Künstler zeigen.      Luc Caregari


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