06/05/2010 15:52 Il y a : 9 yrs

Bürger und ihre Stadt - Kunstschenkungen in Luxemburg

Catégorie : 93/2010 - Artiste indépendant 93/2010 - Artiste indépendant

Die kulturelle Entwicklung einer Stadt hängt oftmals vom Wohlwollen ihrer Bürger ab, die durch Schenkungen von Kunst- oder Geldwerten den Bau von Museen anregen bzw. die Allgemeinheit in den Genuss von Kunstwerken bringen. So auch geschehen in Luxemburg durch die Schenkung der Kunstsammlung des Jean-Pierre Pescatore (1856) und der Einsetzung eines Fonds zum Bau eines angemessenen Museumsgebäudes durch seine Schwester Elisabeth Pescatore und ihren Mann Antoine Dutreux (1886). Weitere Schenkungen von Kunstsammlungen folgten durch Léon Lippmann (1883) und Eugénie Pescatore-Dutreux (1902). Die Namen Pescatore, Lippmann und Dutreux sind demnach mit der Entwicklung der städtischen Kunstsammlungen eng verbunden und müssen als deren Ursprung betrachtet werden. Doch auch in späteren Jahren hat die Stadt Luxemburg immer wieder Schenkungen erhalten. Dabei kann es sich um einzelne Kunstwerke, wie den Christus am Kreuz von Mihaly Munkácsy handeln, aber auch um ganze Sammlungen, von denen im Folgenden vier vorgestellt werden sollen. Im Jahr 1905 nimmt Fräulein Elise Hack erstmals Kontakt mit dem damaligen Bürgermeister Alphonse Munchen auf und teilt ihm mit, dass sie ihre über zwanzig Jahre entstandene Kunstsammlung und Kunstbibliothek „comme un témoignage de ma piété filliale“ der Stadt Luxemburg vermachen möchte1. Endlich, im Jahr 1922, schenkt Elise Hack, geboren in Jahr 1886 in Echternach, verstorben 1933 in Paris, der Stadt Luxemburg ihre aus zehn Ölbildern, neun Aquarellen und elf Drucken, drei Zeichnungen sowie drei Terrakotta-Statuen bestehende Kunstsammlung, die von Paul Mersch, damaliger Konsul des Großherzogtums in Paris, folgendermaßen beschrieben wurde: „La collection artistique de Mlle Hack se compose de peintures à l’huile, aquarelles, gravures et terres cuites provenant de la collection de Monsieur Henry Havard, ancien Directeur Général des Beaux-arts en France, décédé il y a quelques années et qui a fait don d’une partie de sa collection à la Ville de Dijon et l’autre à Mlle Elise Hack, qui l’offre de son côté au Musée de la Ville de Luxembourg. La collection comme ensemble a été constituée par un grand écrivain artistique et un homme de goût qui entretenait des relations amicales avec la plupart des artistes formant sa collection, et dont les tableaux portent presque tous une dédicace de l’auteur.“ Fräulein Hack stand in Paris in enger Beziehung zu dem 48 Jahre älteren Kunstkritiker Henry Havard, dessen Publikationen im 19. Jahrhundert Grundlagen der kunsthistorischen Ausbildung an bedeutenden Universitäten wie Princton bildeten. Nach Havards Tod im Jahr 1921 ging die Sammlung von Elise Hack nach der Räumung von Havards Wohnung endgültig an die Stadt Luxemburg über. Fräulein Elise Hack verstirbt im Jahr 1933 im Alter von 47 Jahren in Paris. Eine Sammlung ganz anderer Art ist diejenige des luxemburgischen Malers Frantz Seimetz, der im Jahr 1899 in Grevenmacher geboren wurde und am 26. Oktober 1934 in der Rue François Boch im Rollingergrund verstarb. Seine Witwe, die aus Arlon stammende Mimi Bourger, schenkt der Stadt Luxemburg im Jahr 1949 eine bedeutende Sammlung des Luxemburger Künstlers bestehend aus über fünfzig Bildern sowie zwanzig weitere Kunstwerke als Dauerleihgabe. Es handelt sich dabei meist um Landschaftsmalereien, die er in der Heimat, aber auch während seiner Auslandsaufenthalte schuf, sowie zahlreiche Portraits. Mit dieser Sammlung besitzt die Stadt Luxemburg ein bedeutendes Zeugnis Luxemburger Kunst.2 Lambert Schaus, ehemaliger Schöffe der Stadt Luxemburg, Minister, Mitglied des Staatsrats und der europäischen Kommission, vermacht der Stadt Luxemburg im Jahr 1976 eine Sammlung bestehend aus Drucken und Lithographien von historischen Persönlichkeiten, Plänen und Ansichten der Stadt und des Landes Luxemburg. Die gesamte Sammlung umspannt den Zeitraum von 1581-1830 und ist eine unvergleichliche Quelle zur Illustration der urbanistischen Entwicklung der Stadt. Darunter befinden sich Ansichten von Luxemburg sowie den Luxemburger Schlössern und Burgen von Jean Baptiste Fresez und Jean de Cloet aus den Jahren 1823-1830, Drucke von Nyon nach Vorlagen von Antoine-François van der Meulen über die Belagerung Luxemburgs in den Jahren 1683/1684, sowie frühe Zeugnisse für die Stadtentwicklung ab dem 16. Jahrhundert von Braun & Hogenberg (1598) und Merian (1654). Hinzu kommen viele Karten, die die Entwicklung des Herzogtums Luxemburg skizzieren.3 Ein Kunstwerk der ganz besonderen Art ist der Parc Tony Neuman, der zusammen mit einem Wohnhaus an der Avenue de la Faïencerie testamentarisch im Jahr 1979 an das Rote Kreuz vermacht wurde, allerdings mit der Auflage, den Park mit den sich darin befindlichen Skulpturen von Henri Laurens, Alicia Penalba, dem Luxemburger Künstler Lucien Wercollier sowie Chaim Haber für neunzig Jahre an die Stadt Luxemburg zu verpachten, um ihn zusammen mit seinen Kunstwerken den Bewohnern zugänglich zu machen. Tony Neuman, Vorstandsvorsitzender der ARBED und Präsident des Luxemburger Roten Kreuzes, hatte sein Anwesen in der Avenue de la Faïencerie im Jahre 1947 gekauft. Der zunächst von Henri Luja im symmetrischen Stil der französischen Schule angelegte Park wurde in seiner weiteren Entwicklung unter dem Gärtner Alphonse Hollmann mehr und mehr zu einem englischen Garten, dessen Stil der Natur in ihrer ursprünglichen zum Teil wilden Form eher gerecht wird. Der Park Neuman umfasste bis zu 600 verschiedene Pflanzensorten und diente gleichzeitig als Ausstellungsort von Skulpturen bedeutender Luxemburger und ausländischer Künstler. In dem inzwischen dicht besiedelten oberen Limpertsberg bietet der Park mit seinen Skulpturen den Bewohnern einen Kunstgenuss der besonderen Art.4 Die hier beschriebenen Kunstwerke verschiedener Gattungen bereichern die Sammlungen der Stadt Luxemburg und sind ein beredtes Zeugnis ihrer Stifter für die Verbundenheit mit ihrer Heimat und deren Bewohnern. Evamarie Bange


Fichiers :
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