06/05/2010 15:53 Il y a : 9 yrs

Was bedeuten die Straßennamen der Stadt?

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Verdun (Boulevard de)

 

Der Boulevard de Verdun verbindet im Stadtviertel Belair die Avenue Gaston
Diderich mit der Avenue du X Septembre. Sein Name erinnert an die Festungsstadt Verdun, die im Ersten Weltkrieg Schauplatz einer der längsten und mörderischsten Schlachten der Kriegsgeschichte war. 

Vom 21. Februar bis zum 19. Dezember 1916 standen sich hier deutsche und französische Truppen gegenüber, mit dem von deutscher Seite erklärten Ziel, die französische Armee auszubluten. Von französischer Seite war es zunächst Général Pétain, der die Operationen leitete, während später Général Nivelle das Verdienst zukam, die deutsche Offensive gestoppt zu haben. Auf beiden Seiten hatte dieses entsetzliche Morden zwischen 600 000 und 800 000 Tote, Verwundete und Vermisste gefordert, ohne dass es zu einer militärischen Entscheidung gekommen wäre. Auch der massive Einsatz von Kriegsmaterial wie Granaten, der Verdun zur ersten modernen Materialschlacht der Geschichte macht, konnten einen eindeutigen Sieg nicht herbeiführen. Doch der heldenhafte Widerstand der französischen Soldaten gilt noch heute als Symbol eines selbstlosen Mutes und einer bedingungslosen Hingabe. 

Eine weitere Bedeutung Verduns für unsere Geschichte führt uns zurück in fernere Jahrhunderte, und zwar in die Mitte des 9. Jahrhunderts, als das Karolingerreich sich auflöste. Auf den Tod Ludwigs des Frommen, des Sohnes Karls des Großen im Jahre 840  folgten Jahre blutiger Wirren, bis seine Söhne sich das Erbe ihres Großvaters im Vertrag von Verdun (843) teilten. Karl der Kahle erhielt den westlichen Teil und Ludwig der Deutsche den östlichen Teil. Das Mittelreich, dessen gewaltige Gebiete sich von der Nordsee bis nach Italien an die Grenzen des Kirchenstaates erstrecken, fielen mit der Kaiserkrone an Lothar I. Nach seinem Tod wurde das Reich 855 in der Teilung von Prüm unter seine drei Söhne aufgeteilt. Unsere Gegend fiel an Lothar II., den Lothringen seinen Namen verdankt und der bis zu seinem Tod im Jahre 869 fränkischer König mit Residenz in Aachen war. Nach Lothars Tod teilten sich die Brüder seines Vaters sein Erbe. 870 erwarb Ludwig der Deutsche im Vertrag von Meersen die östliche Hälfte Lotharingiens, die er so an das Ostreich anbinden konnte, das ihm beim Vertrag von Verdun zugesprochen worden war. Der westliche Teil Lotharingiens fiel an das Westreich und Karl den Kahlen.

Verger (Rue du)

 

Diese Bonneweger Straße verbindet die rue de Bonnevoie mit dem boulevard de la Fraternité. Sie tägt ihren Namen seit dem 16. Mai 1925 und heißt auf luxemburgisch Bongeschgewan.

Verhaeren (Rue Emile)

 

Diese Straße, die nach dem flämischen Dichter französischer Sprache Emile Verhaeren benannt ist, befindet sich auf Belair. Zwischen der Kirche und der Rue des Aubépines zweigt sie rechts von der Avenue Gaston Diderich ab und mündet in dem hier neu erschlossenen Viertel in die Rue Charles IV. 

Emile Verhaeren wurde 1855 in Saint-Armand-sur-Escaut geboren. Nach seinen Gymnasialstudien in Gent studierte er Rechtswissenschaften in Lüttich. Abgesehen von einer kurzen journalistischen Tätigkeit aber widmete er sich ausschließlich seinem äußerst umfangreichen literarischen Schaffen, das außer seinem lyrischen Werk auch Theaterstücke, Erzählungen und Literaturkritiken umfasste. 

Es ist nicht leicht, Verhaeren einer bestimmten literarischen Gattung zuzuordnen. Vom Naturalismus beeinflusst, widmete er seine ersten Werke mit einem etwas gröberen Vokabular den rauen Sitten seiner flämischen Heimat. Von einer schweren Krankheit heimgesucht, verfiel er in eine Krise tiefer Niedergeschlagenheit, deren mystische Folge sich auch in seinen Gedichten widerspiegelt. Er überwand jedoch diese Prüfung und fand die Kraft, sich der Welt und ihrer Schönheit zu öffnen, die er in stark gefühlsbetonten Versen besang: die tiefe Liebe zu seiner Heimat, die Schönheit ihrer Städte, das mächtige Streben der Menschen nach Glück und Gerechtigkeit. In den düsteren Kriegsjahren des Ersten Weltkrieges verfasste er tief empfundene patriotische Gedichte. Verhaeren starb 1916 auf tragische Weise bei einem Unfall im Bahnhof von Rouen, wo er von einem Zug erfasst wurde. 

Man hat ihn „un grand barbare doux“ genannt. Manche Kritiker beanstanden seinen manchmal etwas holperigen Stil, seine gröbere Wortwahl, was sie aber nicht daran hindert, in Emile Verhaeren einen großen Dichter zu sehen. Ein Kritiker nennt ihn gar „un chantre
de l’énergie humaine“
. Jedenfalls drang sein literarischer Einfluss weiter über die Grenzen seines Landes hinaus.

 

 

Verte (Rue)

 

Durch Beschluss des Gemeinderates vom
4. Juli 1930 erhielt diese in Cessingen gelegene Straße ihren Namen. Ausgehend von
der Cessinger Kirche zweigt sie in die Rue Kohlenberg, um mit ihr gemeinsam in die Route d’Esch zu münden.

Fanny Beck


Fichiers :
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