19/07/2010 14:35 Alter: 9 yrs

Was bedeuten die Straßennamen der Stadt?

Kategorie: 94/2010 - Theater 94/2010 - Theater
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Vesque (Rue Julien)

 

Durch Schöffenratsbeschluss vom 12. Oktober 1954 trägt die Straße, die in Gasperich in den Millewee mündet, den Namen des Luxemburger Botanikers Julien Vesque. 

Julien Vesque wurde 1848 in Luxemburg geboren und ging 1871 studienhalber nach Paris. Sein ursprüngliches Studium der Physik gab er bald auf und entschied sich für die Botanik, eine Wissenschaft, in der er es durch seine mathematischen Kenntnisse und seine perfekte Beherrschung der deutschen Fachliteratur bald zu großen Erfolgen bringen sollte. Bereichert hat er die botanische Wissenschaft durch physiologische Untersuchungen der Wasserbewegung in den Gewächsen und die Rolle der Salze bei der Aufnahme der Bodenflüssigkeit. Auch hat er maßgebliche Werke über die Struktur der pflanzlichen Gewebe veröffentlicht, wie zum Beispiel seine Doktorarbeit „Mémoire sur l’anatomie de l’écorce“, die 1876 in Paris veröffentlicht wurde. Von 1884 bis zu seinem Tode im Jahre 1895 dozierte er botanische Wissenschaften an der Sorbonne, war aber auch am Institut agronome tätig. Enge Kontakte pflegte er in Paris mit dem Luxemburger Physiker Gabriel Lippmann und dem Botaniker Guillaume Capus, der zehn Jahre lang in Indochina lebte und forschte. 

Auch mit Luxemburg blieb Julien Vesque zeitlebens verbunden durch seine freundschaftlichen Beziehungen zu einheimischen Forschern, die ihn als Mitglied des Großherzoglichen Instituts eintrugen. Seine umfassende Tätigkeit wurde durch einen frühzeitigen Tod unterbrochen, der auch dazu führte, dass ein Großteil seiner Forschungen unvollendet blieb.

Viaduc (Pont du)

 

Diese Brücke verbindet den Boulevard d’Avranches mit dem Boulevard Franklin D. Roosevelt. Sie stellt eine bequeme direkte Verbindung des Bahnhofsviertels mit der Oberstadt dar.

Die „Passerelle“ oder „Al Bréck“ überspringt das Petrußtal mit 24 schlanken Pfeilern in 45 Metern Höhe und einer Länge von 290 Meter. Sie zeichnet sich dadurch aus, das sie nicht gradlinig ist, sondern einen großen Bogen schlägt. Die eigentümliche Bauart ist auf strategische Erfordernisse zurückzuführen und wurde von den Ingenieuren Edouard Grenier und Auguste Letellier entworfen. 

Der Name „Passerelle“ kommt daher, dass man bei ihrer Erbauung zwischen 1859 und 1861 durch die britische Firma Waring Brothers zuerst eine Holzbrücke, – Französisch: passerelle – errichtet hatte. Der Name blieb bestehen, als die Holzbrücke längst der Steinbrücke Platz gemacht hatte.

1960 erfuhr die Hundertjährige eine gründliche Überholung. Die Trambahn verschwand. Das Brückenbett wurde erweitert, die Tragpfeiler ausgebessert und verstärkt.

Heute ist die „Alte Brücke“ nur in Richtung Stadt befahrbar , ausgenommen für Radler, die beide Richtungen benutzen dürfen.

 

Vianden (Rue de)

 

Im Stadtviertel von Belair verläuft diese Straße zwischen der Avenue Guillaume und der Rue de la Toison d’Or. Ihren Namen führt sie seit dem 13. Mai 1935.

 

Virchow (Place Rudolf)

 

In der Bongeschgewan zwischen der Rue de Chicago und der Rue des Trévires in Bonneweg gelegen, trägt der Platz seit dem 16. Mai 1925 den Namen des deutschen Mediziners, Wissenschaftlers und Politikers Rudolf Virchow. 

Geboren wurde Virchow am 13. Oktober 1821 in Schivelbein in Pommern. Nach Abschluss seines Medizinstudiums promovierte er auf dem Gebiet der Pathologie und kam als Arzt in die Pathologie-Abteilung der Berliner Charité. Virchow gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten sowohl der Medizin als auch der Sozialpolitik des 19. Jahrhunderts. 

Als Mediziner legte er mit seinem Werk „Die Cellularpathologie“ den Grundstein der modernen Medizin. Als erster beschrieb er 1845 die Leukämie, erkannte Seuchen als Symptom sozialer Missstände und forderte als engagierter Sozialpolitiker die Durchführung radikaler Hygienemaßnahmen, sowohl im medizinischen als auch im privaten Bereich. 

Da seine aktive Beteiligung an der Märzrevolution 1848 seine Stellung in Berlin unhaltbar machte, lehrte er ab 1849 an der Universität Würzburg. 1856 kehrte er dann nach Berlin zurück, übernahm seine früheren Funktionen wie auch das neu geschaffene Ordinariat für Pathologie an der Charité, wo er bis zu seinem Tode blieb. 

Die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung lag ihm sehr am Herzen: So geht die Errichtung erster kommunaler Krankenhäuser auf ihn zurück. Als praktischer Hygieniker beriet Virchow deutsche und ausländische Regierungen in Seuchenfragen. Auf politischem Gebiet war er Mitglied der Deutschen Fortschrittspartei und plädierte für eine liberale Gesellschaft und eine soziale Medizin. Ab 1862 war er Mitglied des preußischen Landtages und von 1880 bis 1893 Abgeordneter im Deutschen Reichstag. Er war ein Gegner Bismarcks; den Kulturkampf hingegen sah er als Befreiung der Kultur vom Einfluss der Kirche. 

Mit seinen Forderungen schien er manchmal seiner Zeit voraus gewesen zu sein. So forderte er die Beschränkung der Militärausgaben, allgemeine Abrüstung und Konfliktbewältigung durch internationale Schiedsgerichte. Auch bekämpfte er die immer wieder aufflammenden antisemitischen Tendenzen, wie er auch über die Schaffung eines Vereinten Europas nachgedacht haben soll. 

Auch auf den Gebieten der Ethnologie, der Anthropologie und Archäologie war Rudolf Virchow tätig. Er war ein Freund und Förderer Heinrich Schliemanns, der dank der Vermittlung Virchows seine trojanische Sammlung der Stadt Berlin überließ. 

Rudolf Virchow verstarb 1902 in Berlin. 

 

Fanny Beck

Quellen:

- Porträtgalerie hervorragender Persönlichkeiten des Luxemburger Landes. Verlag Edouard Kutter,
Luxemburg 1972;

- Roger Bour:  Wer ist wer in Luxemburg?

 


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