21/03/1997 19:17 Alter: 22 yrs

Vom Krautmarkt zum Knuedler: Politik zum Anfassen

Kategorie: 54/1997 - Krautmarkt 54/1997 - Krautmarkt

?Vom Krautmarkt zum Knuedler: Politik zum Anfassen Das politische Geschehen in der Stadt Luxemburg ist, im Gegensatz zum nahen und fernen Ausland, auf den ersten Blick sympathisch provinziell. Keine Bann- meile wie zum Beispiel in Bonn schirmt die Regierenden von den Regierten ab, und außer bei hochoffiziellen Staatsvisiten oder europäischen Gipfeltreffen sieht man weder gepanzerte Staatslimousinen Pnoch Bodyguards mit dunklen Sonnenbrillen, die die Großen und Mächtigen dieser Welt vor potentiellen Attentätern schützen müssen. Politik ist bei uns im wahrsten Sinne des Wortes noch etwas zum Anfassen: Man begegnet dem Staatsminister auf seinem kurzen Fußweg von der Place Clairefontaine zur Châmber am Krautmarkt, man trifft ?seinen" Abgeordneten in der Groussgaass, die Bürgermeisterin auf dem Knuedler oder die Erbgroßherzogin im Kinderbuchladen. Die Landespolitik ist von den kommunalen Geschäften nur einen Steinwurf entfernt, gleich neben dem Parlament resi-diert der Großherzog, und auch die meisten Ministerien sind gleich um die Ecke. Fotos: Guy Hoffmann EDITORIAL In weniger als einem Jahr wird das ?politische Viertel" in unserer Hauptstadt noch freundlicher und überschaubarer sein. Dann nämlich wird kein hektischer Autoverkehr mehr den Blick vom Knuedler auf das prachtvoll restaurierte Palais verstellen, und in der neuen Fußgängerzone am Krautmaart und in der Rue de la Reine werden Wähler und Gewählte ungestbrt und nach Lust und Laune über die Geschicke der kommunalen und der Landesgeschäfte plaudern können. Die architektonischen Veränderungen in diesem Stadtteil wären eigentlich, dachten wir, eine gute Gelegenheit, um in dieser Ons Stad-Nummer einmal in Wort und Bild auf die bewegte Geschichte des Krautmarkts im Kern der Altstadt einzugehen. Denn es gibt bestimmt so manchen Leser, den es interessieren wird, daß genau gegenüber der heutigen Chárnber einige Jahrhunderte lang die alte Nikolaus- kirche stand, oder daß der Palast des Großherzogs verschiedene Bauphasen erlebte und lange Zeit als Gemeindehaus fungierte, ehe die Kommunalpolitiker samt Verwaltung, nach einigen provisorischen Zwischenstationen, im Jahre 1838 in die neue Märei auf den Knuedler umzogen. Das Büro der Luxemburger Chárnberwird übrigens in Bälde auch den Möbelwagen bestellen und für zwei Jahre in ein Provisorium einziehen. Der akute Platzmangel am Krautmarkt soll nämlich durch einen Ausbau auf der Hinterseite des Parlamentsgebäudes endlich behoben werden, und die Abgeordneten werden während der Bauarbeiten im Sitzungssaal des Stadtrates auf dem Knuedlertagen, der ihnen freundli- cherweise von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wird. Das Provisorium soll mindestens zwei Jahre dauern, und der Umzug wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Denn für den 2. Oktober ist bereits die erste öffentliche Parlamentssitzung angesagt. Bei der Stadtverwaltung hofft man indes, daß es nicht allzu eng werden wird... rd.


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