21/03/1997 19:17 Alter: 22 yrs

Am Krautmarkt und in der Rue de la Reine entsteht eine Fußgängerzone

Kategorie: 54/1997 - Krautmarkt 54/1997 - Krautmarkt

?Am Krautmarkt und in der Rue de la Reine entsteht eine Fußgängerzone Der Blickwinkel vom Wilhelmsplatz durch die Rue de la Reine direkt auf das großherzog- liche Palais gilt unter Foto- und Videoamateuren zweifellos als eines der beliebtesten Motive in unserer Hauptstadt, und neben dem typischen Panoramaphoto von der Corniche hinunter auf die Unterstädte ist diese Aufnahme für den Luxemburg-Touristen ein absolutes Must. Wenn alles gutgeht, wird sich diese historische Perspek- tive zum Jahresende noch viel schöner präsen- tieren. Denn nachdem der Palast des Großher- zogs in den vergangenen Jahren innen und außen einer gründlichen Restaurierung und Renovierung unterzogen wurde und die Fassa-denarbeiten an der Abgeordnetenkammer auch bereits abgeschlossen sind, wird der Großteil dieses Viertels, das jahrhundertelang von der alten Nikolauskirche und vom ehemaligen Krem- pelmaart geprägt wurde, nunmehr in eine Fußgängerzone verwandelt. Vor der Jahrtausendwende wird der Kern der Altstadt neu herausgeputzt Vor den Baggern und Betonmischern war die große Stunde der Archäologen gekommen. Denn gerade hier, im einstigen gesellschaftlichen und religiösen Zentrum der frühen Festungs- stadt, das gottlob von der Abriß- und Neubauwut der Nachkriegszeit verschont geblieben war, sollten die Ausgrabungsarbeiten, wie die Dokumentation von François Reinert in dieser Ons Stad-Nummer zeigt, den Historikern hochinteressante Aufschlüsse über das Sozial- wesen in längst vergangenen Jahrhunderten geben. Nachdem diese wissenschaftlichen Gra-bungen am Krautmarkt und in der Rue de la Reine Anfang März erfolgreich beendet worden waren, konnten die dringend notwendigen unterirdischen Renovierungsarbeiten an der Kanalisation sowie an den Wasser- , Gas- und Stromleitungen in Angriff genommen werden. 20 Zur neuen Fußgängerzone erschlossen wird der Hauptteil der Rue du Marché-aux-Herbes zwischen der Fleschirgaass und der Waasser-gaass sowie die gesamte Rue de la Reine. Bereits im Jahre 1990 hatte die Stadt Luxemburg einen Architektenwettbewerb für diese Arbeiten ausgeschrieben, und am 26. November 1990 stand der Gewinner fest. Die betreffenden Pläne wurden danach zum Teil überarbeitet und dann im Jahre 1995 definitiv fallengelassen, dies, weil der Minister der Öffentlichen Bauten ? der Luxemburger Staat beteiligt sich zu über 50 Prozent an der Finanzierung ? eine substantielle Kostenreduzierung verlangte. So wurde ein Mann mit der Ausarbeitung eines neuen Projekts betraut, der sich mit den Örtlichkeiten bereits bestens auskannte, nämlich Daniel Gaymard, jener Straßburger Architekt und Restaurateur, der für die Renovierungs- und Restaurierungsar- beiten am großherzoglichen Palais verantwort- lich zeichnete. Daniel Gaymard sieht seine Aufgabe darin ?... de maintenir ? et même d'améliorer ? la flui-dité de l'espace, fonctionnellement et visuelle-ment. Dans cette optique, le projet exclut tout traitement architecturé des sols ainsi que l'instal-lation de nombreux éléments de mobilier urbain. Le fractionnement de la surface au sol créerait un caractère 'intimiste' contradictoire avec l'esprit recherché pour cet espace qui, même de dimen-sions modestes, n'en demeure pas moins le parvis d'une résidence royale. Disons que la géométrie du lieu se suffit a elle-même; le déni-velé de la rue du Marché-aux-Herbes et le léger désaxement de la rue de la Reine engendrent des points de vue intéressants alliant noblesse et pittoresque..." Dem Architekten geht es also vor allem darum, die neue Fußgängerzone so dezent zu gestalten, daß die würdevolle Ästhetik der histo-rischen Bauten noch besser zur Geltung kommt. Da hier künftig ein beidseitiges Fahr- und Park- verbot herrschen wird, kann natürlich auf die Anlegung von Bürgersteigen verzichtet werden. Der Architekt weiß sehr wohl, daß der Kraut- maart, wie die meisten Straßen der Altstadt, vor seiner Asphaltierung mit traditionellem Kopf- steinpflaster belegt war, doch der besseren Begehbarkeit wegen hat man sich für große Natursteinplatten aus hellgrauem Granit mit leichtem Gelbstich entschieden, die mit den Kalk- und Sandsteinmauern des Palais sehr gut harmonieren werden. Um den einstigen Standort der alten Nikolauskirche vor dem Parlamentsge- bäude in Erinnerung zu halten, wird der Grundriß dieses Gotteshauses auf dem neuen Belag durch farblich abgesetzte Pflastersteine kenntlich gemacht. Die neue Fußgängerzone wird auf beiden Seiten durch bewegbare Metallpfosten abge-grenzt, um alle nicht zugelassenen Fahrzeuge fernzuhalten. Vor dem Palais werden ebenfalls durch Ketten verbundene Abgrenzungssteine aufgestellt, während zur rechten Seite einer".t, 4,11. Photo: IMEDIA , hübsche Grünzone angelegt wird, die auf der Höhe der Eingangspforte zum Kammergebäude mit einem neu angepflanzten Baum abschließen wird. Denn es wäre doch, meinte der Architekt augenzwinkernd, mehr als paradox, wenn eine Straße, die von alters her Krautmaart heißt, ohne jegliches Grün auskommen müßte. Die Kosten der neuen Fußgängerzone, so das Schöffenkollegium in der Stadtratssitzung vom 16. Dezember 1996, werden auf 51 Millionen geschätzt. Die Stadt Luxemburg wird sich mit 21 Millionen daran beteiligen, die rest- liche Summe übernimmt der Staat. Zu dessen Lasten gehen ebenfalls die meisten Teile der urbanen Gestaltung, so zum Beispiel die neuen, mit Kupferdächern ausgestatteten Schilderhäus- chen zu beiden Seiten des Eingangs zum Palais, die drei Fahnenmasten sowie fünf moderne Straßenlampen, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite angebracht werden. Sämtliche übrigen neuen Laternen, sechs in der Rue du Marché-aux-Herbes sowie jeweils fünf auf den beiden Seiten der Rue de la Reine, sind vom Modell her genau die gleichen wie überall in der Altstadt. Die Verantwortlichen von Staat und Gemeinde rechnen damit, daß die Arbeiten im Dezember 1997 abgeschlossen sein werden, und bereits zum diesjährigen Nationalfeiertag soll ein provisorischer Asphaltbelag fertiggestellt sein. René Clesse 21


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