21/03/1997 19:17 Alter: 22 yrs

Stater Chronik

Kategorie: 54/1997 - Krautmarkt 54/1997 - Krautmarkt
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STATER CHRONIK  Zum Gedenken Henri Delvaux t Joseph Guill t Am 9. März verschied nach langer Krank-heit in seinem 85. Lebensjahr der bekannte Rechtsanwalt Joseph Guill, ein Mann, der sich zeit seines Lebens durch ein außerge- wöhnliches soziales Engagement ausge- zeichnet hatte. Am 11. Juli 1912 in Diekirch geboren, wuchs Joseph Guill in der Haupt- stadt auf. Nach seinen Studienjahren in Paris erlangte der junge Mann 1937 seinen Doktortitel in Rechtswissenschaften, und während des Zweiten Weltkrieges gehörte Joseph Guill zu jenen sechzig Luxembur- gern, die von den Nazis zur Zwangsarbeit in der Eifel gezwungen wurden. Nach dem Krieg eröffnete er eine eigene Anwalts- kanzlei in der Hauptstadt, und von 1946 Norbert Ketter t Am vergangenen 5. Januar verstarb Ehren- generalstaatsanwalt Henri Delvaux im hohen Alter von 85 Jahren. Dieser joviale und überaus verdienstvolle Mann, der im Laufe seiner außergewöhnlichen juristi-schen Karriere lange Zeit das höchste Amt in der Magistratur bekleidete, hatte sich stets für einen modernen und humanen Strafvollzug eingesetzt. Henri Delvaux wurde am 21. September 1911 in der Hauptstadt geboren. Seine Ernennung zum Generalstaatsanwalt erhielt er am 16. November 1972. Schon als junger Mann begeisterte er sich für Musik- und Kunsterziehung, und bereits nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er von der dama- ligen Regierung in die Aufsichtskommission des hauptstädtischen Musikkonservato- riums berufen, der er dann über fünfzig Jahre lang ununterbrochen angehören sollte bis 1971 fungierte er zudem als Ersatzrichter am Bezirksgericht Luxemburg. Viele Jahre lang war er auch Vorsitzender (Bâtonnier) der Anwaltskammer, ein Beweis für das Vertrauen, das seine Berufskollegen ihm entgegenbrachten. 1959 wurde Me Joseph Guill Mitglied der Verwaltungskommission der hauptstädti- schen Zivilhospize, und von 1967 bis 1993 setzte er sich als Präsident dieses Gremiums beharrlich und unermüdlich für die ständige Verbesserung der Wohn- und Lebensbedin- gungen der Pensionäre in diesen Häusern ein. 1965 gehörte er auch zu den Mitbe- gründern der Entente des hôpitaux luxem- bourgeois (EHL), an deren beständiger Entwicklung er über dreißig Jahre lang maßgeblich beteiligt war. Er war noch keine 55 Jahre alt, als er diese Welt am vergangenen 5. Februar für immer verlassen hat: Norbert Ketter, ein streitbarer und querköpfiger Künstler, ein Meister der Kamera, der es wie kein zweiter verstanden hatte, das Innenleben eines Menschen oder die Seele einer Landschaft in vollendeter Schwarzweißtechnik intuitiv auf seine Filme zu bannen. Vor allem seiner geliebten Heimatstadt Esch und ihren von harter Arbeit geprägten Menschen hat er mit seinen atmosphärisch dichten Fotos ein künstlerisches Denkmal gesetzt. Norbert Ketter wurde 1942 in Diidelingen geboren, doch bald schon zog die Arbeiter- familie mit ihren drei Söhnen nach Esch- Alzette. Nach seinen Lyzeumsjahren besuchte Norbert die renommierte Folk- wang-Werkkunstschule in Essen, wo der Direktor der Fotografiesektion, Professor Otto Steinert, das außergewöhnliche Talent und deren Präsident er von 1985 bis 1996 war. Vor über einem Jahr, am 7. Februar 1996, war Henri Delvaux, in Begleitung seiner Gattin, im Rahmen einer Feierstunde im Konservatorium am Geesseknüppchen von Bürgermeisterin Lydie Wurth-Polfer für seine Verdienste geehrt worden. Mit Henri Delvaux verlieren aber auch die ?Pupilles de la Nation" einen ihrer Fürspre- cher. Seit der Schaffung der ?Oeuvre des pupilles de la Nation" im Jahre 1945 war er Mitglied in deren Direktionsrat und setzte sich ein Leben lang für die Belange der ?Pupilles" ein. Eine weitere wichtige Aufgabe versah Henri Delvaux zudem als Mitglied und Vizepräsi- dent der ?Oeuvres nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte", in deren Dienst er ebenfalls lange Jahre stand und deren Präsident er seit 1988 war. des jungen Mannes sehr schnell entdeckte und ihn zu seinem Meisterschüler machte. In den sechziger und siebziger Jahren, nach dem Abschluß seiner Studien, war Norbert Ketter schon bald nicht nur hierzulande, sondern vor allem auch international ein anerkannter Künstler, dessen vitale und suggestive Fotografien in vielen europäi- schen Hauptstädten ausgestellt wurden. Die Quintessenz seines Werkes ist in zwei prachtvollen Fotobänden (Esch, 1969; Paysages, Visages, 1981) dokumentiert. Vom 19. Dezember 1981 bis zum 10. Januar 1982 wurden seine wichtigsten und aussagekräftigsten Arbeiten aus zwei Jahr- zehnten, insgesamt 120 Fotos, in der haupt- städtischen Kunstgalerie (Villa Vauban) gezeigt. Norbert Ketter war somit einer der wenigen Luxemburger Künstler, die zu Lebzeiten hier ausstellen durften.Ein neues Kulturzentrum auf Cents Am 28. Februar 1997 wurde es, im Beisein zahlreicher Persönlichkeiten, feierlich seiner Bestimmung übergeben, das neue und zweckmäßige Centre sociétaire im Stadt- viertel Cents. Die Stadt Luxemburg hatte das Gebäude im Juli 1995 von der Firma Pharminvest SA. zum Preise von 295 Millionen erworben. Die Umwandlung in ein Kulturzentrum kostete 8.500.000 Franken und wurde unter der Aufsicht und nach den Plänen des Stadtarchitekten durchgeführt. Das neue Zentrum begreift auf seinen rund 4.000 Quadratmetern Nutzfläche u.a. einen großen Festsaal, ein Foyer, einen Musiksaal, zahlreiche Versammlungsräume für die Vereine des Viertels sowie umfangreiche Lagerräume im Kellergeschoß, die von verschiedenen Dienststellen der Gemeinde genutzt werden. Die erste Mannschaft der Berufsfeuerwehr ?Friedensreich Hundertwasser" im Hammer Zivilhospiz Einer der Korridore im neuen Flügel der geriatrischen Abteilung des Hammer Zivil- hospizes hat seit dem vergangenen Winter ein radikal neues Gesicht bekommen. Dank der Initiative einer Kunst- und Beschäfti- gungstherapeutin, die sich an den phanta-sievollen Werken des bekannten österreichi-schen Künstlers Friedensreich Hundert-wasser inspirierte, haben die Wände und Türrahmen statt der gewohnten Tapeten ein überaus buntes und lebensfrohes Aussehen bekommen. Wie es scheint, haben manche alten Menschen ihre helle Freude daran, so dag eigentlich wenig dagegen spricht, das spielerische Experiment weiter auszu-dehnen. 75 Jahre Berufsfeuerwehr Am 26. November 1921 nahm der haupt-städtische Gemeinderat ein ?Reglement über die Organisation des städtischen Feuer- wehrdienstes und die Pflichten der Einwoh-nerschaft bei Ausbruch einer Feuersbrunst" an. Artikel 2 dieses Reglements besagte: ?Für das Gebiet der Gemeinde Groß- Luxemburg besteht unter der Oberaufsicht des Schöffenkollegiums und der Direktion des städtischen Dienstes für Feuer- löschwesen und Feuerpolizei ein Feuerwehr- korps, das eine professionelle Abteilung und eine freiwillige Wehr umfaßt." Damit war die Berufsfeuerwehr, die nunmehr ihr 75jähriges Bestehen feiern kann, geschaffen. Im Laufe der Jahre nahm die Arbeit beständig zu, und es kamen mehr und mehr Aufgaben hinzu. Anfangs der 80er Jahre wurden die ersten Notarztfahrten durchge-führt, 1984 ergänzten zwei Notarztwagen den bis dahin hauptsächlich auf das Löschen von Bränden ausgerichteten Fuhrpark. Das Korps der Berufsfeuerwehr wuchs denn auch von 9 Mann im Jahre 1921 auf 130 Mann heute. Aus Anlaß ihres 75jährigen Bestehens lädt die Berufsfeuerwehr der Stadt Luxemburg ? das einzige professionelle Korps landesweit ? zu einer Reihe von interessanten Veranstal-tungen ein. Am 14. und 15. Juni werden die Türen in der Feuerwehrkaserne an der Route d'Arlon dem Publikum offen stehen, wobei u.a. Stände und eine Fotoausstellung über 75 Jahre Berufsfeuerwehr besichtigt werden können. Als offizieller Akt ist eine akademische Sitzung am 12. Juni im haupt-städtischen Cercle geplant, während ein Konferenzzyklus mit bekannten Referenten vom 27. Mai bis zum 19. Juni sich vor allem an Fachkräfte aus dem Feuerwehr- und Notdienstbereich wenden dürfte. Ein inter-nationales Fußballturnier, organisiert vom CAPPL, ist für den 8. Juni im Josy Barthel- Stadion vorgesehen. 31


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