08/06/2004 15:49 Alter: 15 yrs

Night-Life in der Altstadt

Kategorie: 76/2004 - Altstadt 76/2004 - Altstadt

?I Ni L uxemburg-Stadt putzt sich heraus, zu- mindest was Großevents angeht. Pei- Museum, Nationalmuseum, Grand Théâtre. Alles wird größer, schöner, ... besser? Hand aufs Herz, wie oft gehen Sie wirklich regel- mäßig ins Museum oder ins Theater? Eben. Die meisten von uns wollen am Wochenen- de (die Hartgesottenen auch unter der Woche) vor allem eines: sich amüsieren. In netter Gesellschaft ausgehen, sich die Ohren mit cooler Musik zudröhnen. Doch während die Megabauten nach vielen Jahren der Untätigkeit derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen, tut sich in der Luxemburger Innenstadt nicht viel. Im Gegenteil, in der Altstadt verläuft der Trend sogar genau umgekehrt. So hat die schnuckelig-schunkelige Kneipe Mlle Mann Anfang des Jahres dicht gemacht. Das schränkt das ohnehin nicht sehr üppige Angebot an Nightlife in the (old) City weiter ein. Besonders jene, die keine Lust auf Ober- wiegend junge Schickimicki-Partyfegerin-nen haben und sich erst einmal in einer Bar bei einem Glas Wein oder einer Flasche Bier auf Feierabendlaune einstimmen wollen, müssen ausweichen: ins mittelalterliche Chiggeri (viele Gäste ab 30 aufwärts, nicht ganz billig) oder ins legendäre Bistro Art- 32 Scene. Zumindest am früheren Abend kann man sich hier in netter Atmosphäre unterhal- ten, ohne seine Begleitung dabei anschreien zu müssen. Allzu lange bleiben sollte man aber nicht?jedenfalls nicht, wenn noch ein- mal woanders das Tanzbein geschwungen werden soll. Wie überall in der Stadt ist auch in der Vieille Ville um ein Uhr Sperrstunde. Aus-nahmen gibt es in den Freien Nächten, aber die sind erstens selten und bringen zweitens auch nur zwei Stunden Tanzvergnügen plus. Lediglich das Chiggeri wartet öfter mal mit verlängerter Sperrstunde auf. Ansonsten werden eine Stunde nach High Noon die Musik ausgedreht und die Stühle hochge- stellt. Egal, ob in Hollerich oder im zweit-wichtigsten Vergnügungsviertel Luxem- burgs. Wobei Vergnügungsviertel selbstver- ständlich relativ ist. Für Luxemburger mag es schon traurige, aber traute Gewohnheit sein, aber ansässige Ausländer zerreißen sich über diese original luxemburgische Gepflogenheit immer wieder gerne das Maul. Wo gibt es das sonst, dass Partys, wenn sie gerade in Schwung kommen, gestoppt und alle nach Hause geschickt werden? Die vergnügungsfeindlichen Öffnungs- zeiten der Bars und Discos sind übrigens nicht die einzigen, die so gar nicht zu einer sich gerne groß und mondän gebenden Haupt- stadt passen wollen. Auch die meisten Gale- rien und Museen der Stadt schließen schon am frühen Abend ? damit auch ja niemand auf die Idee kommt, nach Feierabend in Luxemburg noch nach Kultur zu suchen. Aber zurück zur Partymeile, die eigent- lich keine ist, weil sie über mehrere Straßen- züge verteilt hinter unscheinbaren Fassaden liegt und Ortsunkundige sie lediglich an der dort kreuzenden, herausgeputzten Spaßge- sellschaft erkennen können. Nur in der Rue de la Boucherie, beim Urban, wo sich in loun- giger Atmosphäre insbesondere englisch sprechendes Volk zuprostet, beginnt ein Straßenzug, in dem sich gleich mehrere Bars befinden. Allen voran das todschicke Apoteca-Restaurant für Menschen mit pral- lem Portemonnaie und mit Hang zur Selbst- darstellung ? quasi als Apéritif für die spate- re Visite im neu eröffneten V.I.P-Room in der Rue des Bains. Wer nicht dazu gehören will, geht ein paar Schritte weiter ? und für einen Moment kommt fast so etwas wie Groß-stadtflair auf. Denn kurz hinter dem Apoteca kann mit dem geliebten Bar-Hopping begonnen werden: kleinere Bars wechseln einander ab, im Minutentakt und in Schritt- nähe. Das schlauchige Sodaz erinnert Nord- deutsche an Bremen oder Hamburg. Im angesagten Hamburger Szeneviertel Altona ist es Kult, sich freiwillig in klaustrophobisch anmutende Bars zu quetschen. Wie Heringe im Glas eben. Oder Sardinen in der Dose. Wem das zu eng ist, der oder die trippelt weiter bis zum Tube oder ins jugendliche Abstract. Und bleibt ein bisschen länger, denn hier läuft meistens recht gute Musik, ein bisschen Alternative, ein bisschen Elektro ?aufjeden Fall nicht so ein Plastiktechno, wie er häufig im Casemate aufgelegt wird. Luxemburgs urigste Keller-Disko sollte man sich trotzdem einmal ansehen. Zwei Bars und eine größere Tanzfläche erstrecken sich unter düsterem Kellergewölbe. Sogar eine Empore Ist eingezogen für all jene, die das bunte Trei- ben lieber von oben beobachten. Ein Platzwunder, das am Wochenende der zahl- reichen Gäste wegen aber regelmäßig an seine Grenzen stößt. Diejenigen, die damit nichts anzufangen wissen, wechseln ins gay-friendly stim- mungsvolle (Le) Péché in der Rue du Saint- Esprit, das als einziges am Wochenende bis drei Uhr geöffnet hat. Danach ist aber auch schon Schluss. Wer dann noch immer in Tanzlaune ist, dem bleibt nur die private Fete bei Bekannten. Wenigstens da hat der luxemburgische Nachtwächter für einmal nichts zu sagen. Ines Kurschat


Dateien:
PDF(298 Kb)

76/2004 - Altstadt

p.  1