07/03/2004 17:52 Alter: 15 yrs

Der Begründer von Ons Stad ist tot

Kategorie: 75/2004 - Hygiene 75/2004 - Hygiene

?Der Begründer von Ons Stad ist tot Ehrengeneralsekretär Henri Beck t (1923-2004) O hne seine Initiative hätte es dieses Stadtmagazin, das seit Juni 1979 regel- mäßig dreimal im Jahr erscheint, nie gege- ben: Der langjährige Generalsekretär der Gemeinde Luxemburg liebte und kannte seine Heimatstadt wie kein Zweiter, und sowohl ihre Geschichte als auch ihre bauliche und soziale Entwicklung waren ihm derart ans Herz gewachsen, dass er seine profun- den Kenntnisse mit allen hauptstädtischen Bürgern teilen wollte. Ons Stad war von Anfang an eine Zeit-schrift, die sich auf unterhaltende, aber niveauvolle und vor allem objektive Art und Weise die zahlreichen historischen, urbani-stischen und kulturellen Facetten der Stadt Luxemburg zum Thema gemacht hatte. Das Magazin war parteipolitisch stets streng neu-tral, und die zahlreichen Mitarbeiter, die in den letzten 25 Jahren Beiträge für Ons Stad verfasst haben, kamen aus den verschieden- sten weltanschaulichen Richtungen. Henri Beck ging es stets um die journali- stische Qualität der veröffentlichten Artikel und nie um die politische Heimat der Auto- ren. ?On sème à tout vent", pflegte er zu sagen, und die Themenpalette war denn auch sehr weit gefächert. In den bisherigen 75 Nummern wurde die Geschichte sämtli- cher Stadtviertel in Wort und Bild dokumen-tiert, es gab Ausgaben, die sich ausschließlich mit Architektur und Urbanismus, mit Ökolo-gie (Wälder, Fahrrad, Abfallwirtschaft), mit Kultur (Musikkonservatorium, Cinémathè- que, Photothek, Theater) auseinandersetz- ten oder mit dem öffentlichen Transport (Eisenbahn, Busse und Trambahn). Wir stell- ten journalistische Dossiers zusammen über Primärschulen und über die Geschichte des Athenäums, über das Priesterseminar und über die Kathedrale, aber auch über das Judentum und über Synagogen, über den Zweiten Weltkrieg, über städtische Friedhö- fe, über Denkmalschutz und über Archäolo- gie. Henri Becks Lieblingsrubriken waren früher ?La ville et ses beautés cachées" oder ?La ville et son passé recent", die er selber betreute, genau wie viele Jahre lang, zusam- men mit seiner Frau Fanny, die Serie über die Bedeutung der hauptstädtischen Straßenna- men, die immer noch nicht abgeschlossen ist. Als die erste Nummer von Ons Stad 1979 erschien, war Colette Flesch noch Bür- germeisterin, und Henri Beck war 56 Jahre alt und bekleidete das verantwortungsvolle Amt des Generalsekretärs noch bis zu seinem 65. Geburtstag im Jahre 1988, als er aus Altersgründen in Pension ging. Doch der damalige Schöffenrat unter Bürgermeisterin Lydie Polfer verlieh ihm bei seinem Abschied nicht nur den Ehrentitel seiner Funktionen, sondern vertraute ihm auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt in völliger Unab- hängigkeit die Konzeption seiner geliebten Ons Stad an. Bis wenige Wochen vor seinem Tode am vergangenen 4. März hat Henri Beck sich noch Gedanken um die vorliegende Num-mer zur Geschichte der öffentlichen Hygiene gemacht. Er verstarb nach kurzer Krankheit in der hauptstädtischen Clinique Ste Thérèse in jenem Garer Viertel, in dem er auch seine Jugendjahre verbracht hatte. Juni 1979, v. I. n. r.: Bürgermeisterin Colette Flesch, Henri Beck, Fred Junck und Henri Neyen mit der Nummer 1 von Ons Stad4 1951: Henri Beck (rechts) als junger Generalsekretär der Stadt Luxemburg. Links im Bild der ehemalige Stadtarchivar Leon Zettinger. 8. Juli 1986: Großherzog Jean, Bürgermeisterin Lydie Würth-Polfer und Henri Beck anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "La Ville et son passé récent" 4 1987: Henri Beck mit Schöffe Georges Margue Ein Leben für die Stadt Luxemburg Henri Beck erblickte am 28. März 1923 in Hollerich das Licht der Welt, wo er die Nil- lesschoulin der Straßburger Straße besuchte und seine Sekundarstudien anschließend am hauptstädtischen Athenäum absolvierte. Als die Nazis in Luxemburg einrückten, war Henri Beck gerade mal 17 Jahre alt, und seine patriotische Haltung sollte ihn schon bald in große Schwierigkeiten bringen. Nach seiner Festnahme durch die Gestapo kam er ins KZ Hinzert, später in den deutschen Arbeits-dienst und wurde dann in die Wehrmacht zwangsrekrutiert. Er musste in der verhass- ten Uniform an der russischen Front kämp- fen und kehrte erst im Juni 1945 in die Hei- mat zurück. Nach dem Krieg studierte er Jura an der ?Université Libre de Bruxelles" und schloss mit einem Doktortitel in den Rechtswissen-schaften ab. 1949 trat er bei der Stadt Luxemburg als Generalsekretär die Nachfol- ge seines Vaters an, der nach der Eingemein- dung der Gemeinde Hollerich-Bonneweg auf diesem Posten in die Verwaltung der Hauptstadt übergewechselt war. Henri Beck stand als Generalsekretär ? als ?Gemengeschreiwer", wie er selbst oft augenzwinkernd sagte ? während über 38 Jahren insgesamt fünf Bürgermeistern und 28 Schöffen bei vielen wichtigen Entschei-dungen mit Rat und Tat zur Seite. Unter seine Amtszeit fallen so epochale Verwirklichungen wie der Bau des haupt- städtischen Theaters am Rond-Point Schu-man anfangs der sechzigerJahre, des Musik- konservatoriums auf dem Geesseknäppchen anfangs der achtziger Jahre oder des neuen Merler Friedhofs in der gleichen Zeitspanne. Henri Beck war aber auch maßgeblich betei- ligt am Aufbau des Centre Hospitalier, am Entstehen des Wohnheimes für ältere Mit- bürger im Konviktsgaart, an der Renovie- rung des Zivilhospizes in Pfaffenthal, und ohne seinen kulturellen Sachverstand hätte es wohl nicht so schnell eine Stadtbibliothek, eine Cinémathèque, eine Photothek, ein städtisches Geschichtsmuseum und last but not least ein Magazin namens Ons Stad gegeben. Die Redaktion trauert um einen guten Freund und einen geradlinigen Menschen, dessen Leben von Schaffenskraft, Weitsicht und großer Kompetenz geprägt war. Seiner Witwe Fanny Beck-Mathékowitsch, seinen zwei Töchtern und zwei Söhnen und der ganzen Familie möchten wir unser herzlich- stes Beileid aussprechen. Wir werden unser Möglichstes tun, die inzwischen 25-jährige Ons Stad in seinem Sinne und in seinem Andenken weiterzu- führen. Photothèque de la Ville de Luxembourg rd.


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