07/03/2004 17:52 Alter: 15 yrs

Was bedeuten die Straßennamen der Stadt?

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?Was bedeuten die Straßennamen der Stadt? Sigismond (Rue) Diese Straße, so benannt durch Gemeinderats- beschluss vom 16. Mai 1925, befindet sich in Bonneweg. Sie verbindet die Rue du Puits mit dem Dernier Sol und führt teilweise an dem neuen städtischen Hallenbad entlang. Sigismund wurde als drittältester Sohn von Kaiser Karl IV. am 15. Februar 1368 in Nürn- berg geboren. Durch seine Heirat 1385 mit Maria, der Tochter Ludwigs I. von Ungarn und Polen, erwarb er Erbansprüche auf beide Länder und wurde 1387 zum König von Ungarn gekrönt. Während dieser Zeit drangen die Ottomanen nach Europa vor und fielen 1395 in Ungarn ein. Um die Mittel für die Verteidigung gegen die Türken aufzubringen, musste Sigismund einen Teil seiner Territorien verpfänden oder gar verkaufen. Trotzdem fügte ihm Sultan Beyazid I. bei Nikopolis 1396 eine vernichtende Niederlage zu. Am 21. Juli 1411, nach dem Tode seines Vetters Jobst von Mähren und dem Rückzug seines Bruders Wenzels II., wurde Sigismund zum deutschen König gewählt und 1433 in Rom zum Kaiser gekrönt. Eine seiner wichtigsten Entscheidungen war die Einberufung des Konstanzer Konzils (1414-1418), das unter seiner Leitung das gro- ße Abendländische Schisma beendete. In dieser Kirchenspaltung standen sich in der Katholischen Kirche zwei und zeitweilig sogar drei Päpste gegenüber. Jan Hus, der tsche- chische Kirchenreformator, dem Sigismund freies Geleit gewährt hatte, nahm auch am Konzil von Konstanz teil. Da er sich weigerte, seine Lehren zu widerrufen, wurde Hus verhaftet und als Ketzer verbrannt, da die Konzilsväter der Meinung waren, einem Ketzer gegenüber bräuchte man das einmal gegebene Ehrenwort nicht einzuhalten. Daraufhin kam es zu blutigen Aufständen seiner Anhänger in Böhmen. 1420 rief Sigismund zum Kreuzzug gegen diese so ge- nannten Hussiten auf. In den darauffolgenden blutigen Hussitenkriegen konnte der König sich erst 1436 durchsetzen. Sigismund setzte Zeit seines Lebens nie einen Fuß auf Luxemburger Boden. 1419 war er seinem Bruder Wenzel II. als Herzog von Luxemburg gefolgt. Er ließ jedoch das ent- legene Herzogtum Luxemburg durch Pfand-herren verwalten, unter andern durch seine 36 Nichte Elisabeth von Görlitz. Diese erhielten gegen größere Geldsummen die Verwaltung des Herzogtums, das sie als Einnahmequelle oft rücksichtslos ausbeuteten. Mit dem Tode Sigismunds am 9. Dezember 1437 in Znaim (Mähren) erlosch die Dynastie der Luxem- burger. Seine Nachfolge übernahm, zusam- men mit der Kaiserwürde, sein Schwiegersohn Albrecht von Österreich, der Gatte seiner einzigen Tochter Elisabeth. So fiel das gesamte Luxemburger Erbe an das Haus Habsburg- Österreich, das die Kaiserkrone bis 1806 behalten sollte. Simmer (Rue Nicolas) Diese Sackgasse auf Belair hat ihren Eingang an der Route d'Arlon auf der Höhe der Kaserne der Berufsfeuerwehr. Durch Treppen ist sie mit dem Val Ste Croix verbunden. Ihren Namen erhielt sie durch einen Schöffenratsbeschluss vom 24. Februar 1956. Nicolas Simmer wurde am 7. April 1877 in Kayl geboren. Nach Abschluss seiner Hochschulstudien an der Sorbonne in Paris begann er seine Lehrtätigkeit als Professor am Gymnasium in Diekirch. Er erhielt dann seine Ernennung zuerst als Schulinspektor und 1920 als Direktor der Normalschule in Luxemburg. Wegen seines aufrichtigen Cha- rakters und seiner patrotischen Haltung war er allgemein beliebt bei seinen Kollegen und seinen Schülern. Die deutschen Besatzer allerdings sahen in dieser Einstellung eine Gefahr für die Durch-setzung nationalsozialistischen Gedanken-gutes in Erziehung und Unterricht. Ende 1940 wurde er als Direktor der Normalschule abgesetzt, und am 21. April 1943 erfolgte seine Verhaftung durch die Gestapo. Damit begann sein Leidensweg, der ihn zunächst in die Gefängnisse von Luxemburg und Trier brach-te, später, im Mai 1944, nach Natzweiler und schließlich im September 1944 in das Konzen- trationslager Dachau, wo er am 3. Februar 1945 verstarb. Simonis (Boulevard Charles) Auf Cents gelegen, ausgehend von der Rue de Trèves in der Nähe der Kirche, führt diese Straße um den östlichen Teil der Cité SNHBM herum und mündet dann in die Rue Cents ein. Ihren Namen erhielt sie durch einen Schöffenrats- beschluss vom 25. Oktober 1968. Mathias Karl Eduard Simonis wurde am 21. September 1818 in Luxemburg geboren. Nachdem er das Athenäum absolviert und auf den Universitäten Heidelberg und Paris Recht studiert hatte, ließ er sich in der Hauptstadt als Anwalt nieder. Er starb am 1. November 1875 im Alter von nur 57 Jahren. Bei seinen Mitbürgern war er sehr beliebt und wurde wiederholt, von 1848-1872, zum Ge- meinderat und zum Stadtschöffen gewählt. Am 30. Januar 1873 ernannte ihn der KönigGroß-herzog zum Bürgermeister, ein Ehrenamt, das er bis zu seinem allzu frühen Tode bekleidete. Eine kurze Zeit, vom 3. Oktober 1854 bis zum 27. November 1856, war er auch Mitglied der Abge- ordnetenkammer. In all seinen Ämtern bewies Simonis eine her- vorragende Kompetenz und ein großes Verwal- tungstalent. Dank seiner ausgezeichneten Kenntnisse und seiner feurigen Rednergabe vertrat er aufallen Ebenen mit großem Erfolg die Interessen seiner Stadt Luxemburg.


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