07/03/2004 17:52 Alter: 15 yrs

Ein Leben für die Bühe

Kategorie: 75/2004 - Hygiene 75/2004 - Hygiene

??Der Kontrabass? Théâtre du Centaure, 1992 Leben far die Bühne Zum 70. Geburtstag von Fernand Fox 1 Fernand Fox und Tun Deutsch in ?Le Satyre de la Villette" Théâtre des Casemates, 1973 - A uch wenn man einem 70jährigen Freund zu seinem Geburtstag einen Artikel schreiben soll, kann man im weltweiten Netz fündigwerden. Und schon leuchten dort zwei seiner Seiten auf: der ?Bistrotier" und der Schauspieler: ? Kee vun eis wäert jeemools deen Owend beim Foxe Fern um Lampertsbierg vergiessen, wou mir als Bühn just e Schloff an der Entrée haten..." (www.gms.1u/?stenkdeier/weltbuch.html) und ?Dertéscht kommen de Foxe Fern an den Hoffmanns Pol emol als Champion an als Barriärswiechter, als Schoulmeeschter an als Reporter fir kuerz Sketcher..." (www.land.lu/html/dossiers/dossier theatre) Aber noch sind wir nicht beim ?Foxe Fern um Lampertsbierg", in dessen Theaterstuff viele von uns schöne Theater- und Kabarettabende verbracht haben. Angefangen hat Ferns Laufbahn als Schauspieler bei der Interbank, wo er in der Buchhaltung arbeitete. Als dieses Geldinstitut seinen hundertsten Geburtstag feierte, stand Fernand Fox zum ersten Mal auf der Bühne, die zu diesem Zweck ihre Bretter im Biergercasino in der Ënnescht- gaass aufgeschlagen hatte. In der Geburtstagsrevue für die Interbank hatte Foxe Fern alle Hauptrollen zu spielen und wurde so (das gibt es auch in Luxemburg!) entdeckt! Und zwar von Ugen Heinen, der Fernand Fox vom Fleck weg ins Ensemble des Lëtzebuerger Theaterengagierte. Ferns berufliche Laufbahn ist auch ein Stück Luxemburger Wirtschaftsgeschichte: Nach seiner Tätigkeit bei der Interbank arbeitete er bei der Nadir, bis diese von der Arbed übernommen wurde, und stand so mehr oder weniger 30 Jahre im Dienste des Luxemburger Stahlkonzerns. Parallel zu diesem fulltime job (wie man weder zu Zeiten einer Interbank noch einer Nadir gesagt haben würde) ?spielte" Fern Theater. Nach einem langen Arbeitstag in der Buchhaltung des größten Luxemburger Indus-NEI Fernand Fox, Nic Bintz, Bert Juncker (v.I.n.r.) in ?De Schéifermisch" (Lëtzebuerger Theater, 1959) trieunternehmens hieß es abends proben (oder ?probieren", wie unsere Freunde jenseits von Ferns Geburtstort Bollendorf- Pont sagen würden). Wie meinte er nüchtern und vielleicht ein bisschen traurig: ?Bei einem solchen Stundenplan, wo du bis sechs Uhr gearbeitet und dann von sieben bis elf Uhr abends geprobt hast, da blieb nicht viel Zeit für deine Jugend". Aber die Mühe hat sich gelohnt: Die Luxemburger Theatergeschichte ware ärmer ohne die ersten Stücke von Pol Greisch wie ?Äddi Charel", ?Besuch" oder ?Grouss Vakanz", die Ugen Heinen in den 60-ger Jahren im Groussen Theater inszenierte. Mit Fernand Fox standen damals so bekannte Schauspieler wie Hary Haagen (z.B. in ?Eng Sëffecht op der Musel" von Norbert Weber) oder Misch Bock (?Grouss Vakanz") auf der Bühne. Aber auch das Fernsehen sollte zur schnell wachsenden Berühmtheit des Foxe Fern beitragen: über 300 Sketche von Norbert Weber mit Jängi Hopp, Hary Haagen, Emily Cao-Foubert und anderen wurden von RTL aufgezeichnet und ge-nossen beim sonntäglichen Hei-Elei und bei den Sylvester-und Fastnachtssendungen große Beliebtheit. Vielleicht hat Fernand Fox es deshalb heute noch so schwer, auf der Bühne ?ernst" genommen zu werden. ?Ech kréie Laacher, déi en aneren Acteur ni kréich, ob se passen oder nët", meint der Schau- spieler, der ebenso gerne ernste Stücke spielt. Und Ende der 70-ger Jahre trafen dann die Wirtschaftsgeschichte und die Ge-schichte einer Wirtschaft aufeinander: Die Arbed steckte in einer Krise und Jempy Sontags Gastwirtschaft auf Lim pertsberg war schon über ein Jahr geschlossen. Seit 1972 hatte Fernand Fox in Jempy Sontags Dikre cher Stuff bei literarischen Kabarett- programmen mitgemacht, die so schöne Namen trugen wie ?Panoptikum" (1973), ?Mikroskop" (1974), ?Polyptikum" (1975), ?Rohmantikum" (1976) oder ?Kaotikum" (1977). Mit ihm auf der Bühne standen während all dieser Jahre Haidy Jacobi, Rita Kail, André Jung, Monika Herrmann, Philippe Noesen, Josiane Peiffer, Alix Wagner, Camille Olinger, Toni Schuster und der von uns allen so schmerzlich vermisste Tun Deutsch, der 1977 im Alter von 45 Jahren starb. Und nach und nach wurde für Fern der Ruf der Bühne unüberhörbar, auch wenn sie sich auf einen kleinen Raum zwischen Tischen und Tresen beschränken sollte. Im Alter von 48 Jahren gab er seinen sicheren Job bei der Arbed auf (? Für viele absolut unverständlich!", meint eraugenzwinkernd) und wurde Wirt auf Limpertsberg. Die Dikrecher Stuff wurde zur Theaterstuff und rasch zu einer neuen Heimat für die in den 80-ger Jahren lebendige und vielfältige Kleinkunst. Während neun Jahren war die Theaterstuff der Ort schlechthin, wo Ka- barett und Literaturprogramme, Café Théâtre und Café Littéraire zu Hause waren, bis ihre Initiatoren Ober eigene Säle verfügen konnten. Marc Olinger, dessen Théâtre Ouvert Luxembourg noch keine Bleibe an der Route de Thionville hatte, führte dort Programme um Prévert und Boris Vian auf, Fernand Guelff inszenierte Brecht-Abende oder ?Lieder gegen den Krieg". Brecht-Abend (Theaterstuff, 1984) Aber eine Gastwirtschaft führen und gleichzeitig ernsthaft Theater spielen zu wollen ist nur schwer möglich und wurde auch Foxe Fern rasch zuviel. Und so kam es zu dem paradoxen Ergebnis, dass er, der eine Gastwirtschaft übernommen hatte, um bessere Bedingungen für das Theaterspielen zu haben, den Wirtsberuf aus eben dem gleichen Grunde aufgab. An einem Freitag, Fernand Fox, 2004 WYE den 13. hatte er die Theaterstuff eröffnet, an einem Freitag, den 13. (1989) senkte sich der (virtuelle) Vorhang zum letzten Mal. In der Tat wollte Fernand Fox wieder mehr Zeit für das Theater haben... Auf die Frage, welche Produktionen für ihn besonders wichtig waren, nannte er ?Emigranten" von Slawomir Mrozek, wo er ? in einer Inszenierung von Georges Ourth ? mit Tun Deutsch auf der Bühne stand (1975). Diese Produktion des Kasemattentheaters sollte daraufhin mit viel Erfolg an der Elisabethbühne in Salzburg gezeigt werden. Weitere ?Herz-Stücke" von Fernand Fox waren ?De Bretzert" von Norber Weber und ?Grouss Vakanz" von Pol Greisch. Bei Norbert Weber mag er die Wortsspielereien, bei seinem Freund Pol Greisch schätzt der Schauspieler besonders die filigrane Sprache. ?Ech hunn ëmmer en absolute Respekt vrum Text. Ech ginn e genau esou erëm, wéi den Auteur e geschriwwen huet", meinte Fernand Fox. Dies würde ihm besonders bei Pol Greisch leichtfallen, dessen Sprache zwar volkstümlich, aber klar und schön sei. Es wäre bestimmt interessant, wenn gerade ?Grouss Vakanz" wieder aufgenommen würde, diesmal vielleicht mit Fernand Fox in der Rolle, die seinerzeit so eindrucksvoll von Misch Bock verkörpert wurde! Nach seinem 70. Geburtstag, den Fern mit vielen Freunden der Theaterszene gefeiert hat, will er ein bisschen langsamer treten und nur mehr in zwei Stücken pro Spielzeit mitwirken. Im Moment probt er ?Dancing", das unter der Regie von Pol Kieffer Anfang Juli im Großen Theater Premiere feiern wird. Nach der Vorlage von ?Le Bal" von Ettore Scola werden hundert Jahre Luxemburger Geschichte an Hand von Musik und Tanz aufgerollt. ?Diese Pro- duktion macht großen Spaß", lacht Fernand Fox, ?denn ich kann jede Menge besser tanzen als die Jugend von heute. Walzer, Samba, Foxtrott... wunderbar!" Also noch eine Facette dieses vielseitigen und liebens- werten Künstlers, die es zu entdecken gibt. Wir freuen uns jetzt schon darauf. Simone Beck


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75/2004 - Hygiene

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