21/09/1991 18:21 Alter: 27 yrs

Was bedeuten die Straßennamen der Stadt?

Kategorie: 38/1991 - Gewässer 38/1991 - Gewässer
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?Pfaffenthal (Montée de) Verbindet die Rue Wiltheim mit der Rue Laurent Menager. Als Teil der großen Römerstraße, die von Reims über Arlon, Marner, Stras- Was bedeuten die Straßennamen der Stadt? Peupliers (Rue des) Sie führt von der Kirche von Hamm an der seit einem Jahrzehnt sich neu ent- wickelnden Industriezone vorbei und mündet in einer weiten Windung in den Val de Hamm. Ihren Namen, den die Straße seit 1925 führt, verdankt sie son- derzweifel der stattlichen Pappelreihe, von der sie gesäumt wird. sen, Val Sainte-Croix, Avenue Emile Reuter und Grand-Rue zum Fischmarkt und von dort den Berg hinunter über die Alzette nach Niederanven führte, kam ihr in der Vergangenheit, ähnlich wie der Montée de la Pétrusse, eine große Bedeutung zu. Jeder Verkehr, der sich von Norden und von Osten her der Stadt näherte, mußte nämlich diesen steilen Hang überwinden, ehe er an die Festungstore kam. Es hat hier nicht weniger als vier Pforten gegeben; die mittlere davon hieß ?die Reuffers- oder Reubersport", später wurde sie Schulpforte genannt, weil sich hier die erste städtische Volksschule befand. Um 1650 wurde sie abgetragen, da es galt, neuen Befestigungen Platz zu machen. Als ehrwürdiges Zeugnis aus der Frühzeit mittelalterlicher Festungs-kunst steht heute noch das obere Tor, die sogenannten ?Drei Türme". Der mittlere Teil, ein quadratischer Bau, geht auf die zweite Ringmauer zurück, während die beiden runden Ecktürme in der dritten Bebauungsphase der Festung im 14. Jahrhundert angefügt wurden. Jahrhundertelang diente dieser trutzige Bau der Stadt als Gefängnis; später wurde hier auch die Guillotine aufbewahrt. Dieser obere Teil des Pfaffenthaler Ber-ges um die ?Drei Türme" trägt in den Akten den Namen: ?im Dünnbuschel" oder ?im Dünnebusch". Bezieht er sich auf eine frühere, dünne Bewaldung an dieser Stelle oder geht er eventuell zurück auf ein Tannenwäldchen? Die Frage ist nicht geklärt. Jedenfalls war die Montée de Pfaffenthal bis ins 17. Jahrhundert dicht besiedelt, denn in den Jahren 1671 und 1672 ließ die spanische Militärverwaltung hier 43 Wohnhäuser abtragen, um Platz für neue Verteidigungsanlagen zu schaffen. Außer den betroffenen Bewohnern, die gezwungen waren, sich in der Ober- stadt neu anzusiedeln, beschwerten sich über diesen Abbruch die Dominikaner, deren Pfarrei Sankt-Michael hierdurch eine Anzahl von Gläubigen an die Stadtpfarrei Sankt-Nikolaus verlor. Während der Belagerung der Festung durch die Franzosen 1683 und bei deren Einnahme 1684 waren die Hänge der Montée de Pfaffenthal einem erbitterten Artilleriefeuer ausgesetzt, das sowohl in den Unterstädten als auch in ganzen Tei- len der Oberstadt desolate Vernichtun-gen zur Folge hatte. Bei der Schleifung der Festung wurden auch die Tore und Wachstuben an der Montée de Pfaffenthal abgetragen. Als man 1880 den Verbindungsweg vom Bockfelsen zu den ?Drei Türmen" ver- längerte, verschwanden die letzten Erin- nerungen an die Festungszeit auch in diesem Stadtteil, nämlich das Magazin ?Dünnenbusch" und das ,,Fourrage"-Magazin. 21


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