07/06/1999 18:30 Alter: 19 yrs

Was bedeuten die Straßennamen der Stadt?

Kategorie: 61/1999 - Fünfziger Jahre 61/1999 - Fünfziger Jahre
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?Was bedeuten die Straßennamen der Stadt? Saint-Hubert (Rue de) Die seit dem 16. Mai 1925 so benannte Straße zweigt von der Route de Longwy ab und führt in gerader Linie zur Pfarr-kirche von Merl. Sie trägt den Namen des reizenden Ardennerstädtchens in der belgischen Provinz Luxembourg, die früher ein Teil des Herzogtums war, bevor sie 1839 als Folge der belgischen Revolution an Belgien abgetreten werden mußte gemäß dem Londoner Vertrag der 24 Artikel. Patron des Städtchens ist der hl. Hubertus, um dessen Leben sich manche Legende rankt. So soll er von fürstlicher Abstammung gewesen sein und am Hofe Pippins gelebt haben. Einer anderen Sage nach habe während einer Jagd der von ihm gehetzte Hirsch sich ihm zugewandt mit einem leuchtenden Kreuz in seinem Geweih, während eine Stimme ihn ermahnte, von seiner ungezähmten Jagd- leidenschaft zu lassen und sein Leben in den Dienst des Glaubens zu stellen. Dieses Motiv wurde in der christlichen Kunst oft dargestellt. Hubertus folgte der Ermahnung, wurde Bischof von Tongeren und verlegte 716 den Bischofs-sitz nach Lüttich, wo er 727 starb. Seine Grabstätte in einer aus dem 7. Jahrhun-dert stammenden Benediktinerabtei wurde sehr bald das Ziel zahlreicher Wall- fahrten. Seine missionarische Tätigkeit machte ihn zum Apostel der Ardennen, sein Jagderlebnis zum Schutzpatron der Jäger. So sind denn auch Tradition und Geschichte in Saint-Hubert Anlaß zu manchen religiösen und folkloristischen Veranstaltungen. Jedes Jahr am ersten Wochenende im September finden hier die internationalen Jagdtage statt, während der Todestag des Heiligen, der 3. November, mit großer Feierlichkeit begangen wird. Für uns ist es interessant hervorzuheben, daß manche Persönlichkeiten, die sich in unserem kulturellen Leben einen Namen gemacht haben, aus Saint-Hubert stammen. So etwa die Familie Roberti, von der bereits in der Nummer 55 von Ons Stad die Rede war. Einer ihrer Söhne war von 1602 bis 1636 Abt der Münsterabtei; ein anderer Sohn, Mitglied des Jesuitenordens, war bekannt 32 durch seine Lehrtätigkeit an europäischen Universitäten; Adam Roberti schließlich gehörte als Schöffe und baumaître dem Magistrat der Stadt an; als solcher war er zuständig für den Wiederaufbau des Stadthauses (des heutigen Palais). Aus Saint-Hubert stammt auch die Schmelzherrenfamilie Collart. Ihr Ahnherr, von Beruf Arzt, ließ sich in Luxemburg nieder, wo er jedem seiner vier Söhne ein Schloß errichten ließ. Vergessen wir nicht den Maler Pierre- Joseph Redouté, den ?Raphael der Blumen", der in Saint-Hubert geboren wurde, eine Zeitlang in Luxemburg als Porträtmaler lebte, bis er an den Hof von Versailles kam, zuerst in den Dienst der Königin Marie-Antoinette, später dann in den von Kaiserin Joséphine. Er starb 1840 in Paris (siehe Ons StadNr. 50). Sainte Thérèse dA' vila, (Rue) 1937 wurde das Karmeliterkloster aus der Rue Sainte-Zithe nach dem Cents verlegt. Die Straße, die am Klostergelände entlang führt und die Rue Camille Polfer mit der Allée du Carmel verbindet, trägt seit dem 26. Juni 1997 den Namen der Reformatorin des Karmeliterordens, der Mystikerin und Kirchenlehrerin Teresa von Avila. Sie wurde am 28. März 1515 in Avila geboren, als achtes Kind einer sehr wohl- habenden Adelsfamilie jüdischer Ab-stammung. Das Familienleben war von streng religiöser Prägung. Im Alter von 12 Jahren verlor sie die Mutter; als 16jährige Internatsschülerin begann sie bereits über die Berufung zum Ordensleben nachzu-denken. Als 20jährige trat sie dann, gegen den Willen des Vaters, in das Karmeliter- kloster Encarnacion ein. Ihre Motive waren die bewegenden Grundgedanken ihres von religiösen Spannungen und Wirren gezeichneten Jahrhunderts: das Gefühl von der Nich-tigkeit der Welt, die stete Todesdrohung, die Immanenz des Gerichts mit der Gefahr der ewigen Verdammnis. Die reli- giöse Vitalität, die das 16. Jahrhundert kennzeichnet, hatte manche Reformbe-strebungen auf den Plan gebracht. Auch Teresa war beseelt von dem Wunsch, gegen die Verflachung der Frömmigkeit anzukämpfen, die sie in ihrem Orden bemängelte und zu einem verinner- lichten Glauben durch ?inneres Gebet" zu finden. 1562 gründete sie in Avila das erste Kloster nach der Reformregel der ?unbeschuhten Karmeliterinnen". Für die neue Lebensform der kontemplativen Gemeinschaft forderte sie strikte Klausur, Schweigen, Arbeit in der Abgeschieden-heit und Armut. In ihrem Erneuerungs- werk fand sie Unterstützung unter anderem bei Johannes vom Kreuz, dem Reformator des männlichen Karmeliter- ordens. Unter schwierigsten, teils drama- tischen Umständen, angefeindet von anderen Orden, von kirchlicher und welt- licher Autorität, unter dem düsteren, drohenden Schatten der Inquisition gelang ihr, zusammen mit Johannes vom Kreuz, die Gründung zahlreicher Klöster nach der reformierten Regel. Eine Tren-nung von den nicht-reformierten Orden erfolgte 1579. Teresa von Avila starb am 4. Oktober 1582 in Alba de Tormes. 1622 wurde sie zusammen mit Ignatius von Loyola und Franz Xaver heiliggesprochen. In zahlreichen, in klassischem Spanisch verfaßten Schriften, berichtet sie über ihren religiösen Werdegang und ihre mystischen Erlebnisse. In Spanien ?seraphische Mutter", doctora mystica genannt, gehört sie mit Ignatius von Loyola und Johannes vom Kreuz in das glanzvollste Jahrhundert der spani-schen Geschichte, den Silo de Oro, und in die Reihe der großen Heiligen der Kirche. Am 27. September 1970 erhob sie Papst Paul VI. zur Kirchenlehrerin.


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61/1999 - Fünfziger Jahre

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