30/06/1989 15:13 Alter: 30 yrs

Was bedeuten die Straßennamen der Stadt?

Kategorie: 31/1989 - Gasperich 31/1989 - Gasperich

?Was bedeuten die Straßennamen der Stadt? No (Rue) Verbindet den Boulevard Royal mit der Rue du Marché-aux-Herbes (Zentrum). Luxemburgisch: ?Enneschtgaass". Sie war die ?unterste" Straße im Fes- tungsbereich mit den an ihrer Südseite gelegenen Kasernen und andern Militär- bauten. Zuerst war sie nach dem am Anfang des 17. Jahrhdunderts errichte- ten Jesuitenkolleg benannt. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 wurde auch diese Schule geschlo- ßen, aber kurz danach als College Royal von belgischen Geistlichen neu eröff- net. Der Straßenname wurde umgewan- delt von Jesuitenstraße in Maria-There- siastraße. Während der französischen Revolutionsherrschaft hieß sie ?Rue de l'Ecole centrale" nach der in den Gebäu- den des Kollegs eingerichteten Schule. 1807 wurde sie ?Rue de la Mairie" genannt, bis sie 1821 den alten Namen Rue Marie-Thérèse zurückerhielt. Der heutige Name wurde eingeführt durch Gemeindereglement vom 1. Juni 1854. Olisy (Rue du Fort) Führt von der Montée de Clausen zur Rue Vauban (Pfaffenthal). Das kleine und schwache Fort Olisy gehörte zum Außengürtel der Grüne- wälder Front und sollte besonders zur Verteidigung des Siechengrundes und des Kirchberger Plateaus dienen. Vom Fort Niedergrünewald aus konnte es unterirdisch durch eine 330 Meter lange Felsengalerie erreicht werden. Seine Erbauung fällt in die Jahre 1688 und 1733; es wurde umgebaut um 1835. Seine Schleifung erfolgte von 1870- 1875. Seinen Namen trägt es nach dem Obersten Olisy, der 1737 Stellvertreter des Festungsgouverneurs Graf von Neipperg wurde, ehe er dessen Nach- folge antrat. Er starb 1739 in Luxem-burg. An diese Straße wurde in den sechziger Jahren die neue Jugendherberge der Stadt errichtet auf ein Gelände zwischen Zivilhospiz und Alzette, wo sich vorher der Schlachthof der Gemeinde Luxem-burg befunden hatte. Omlor (Rue Adolphe) Verbindet die Rue de Pont-Remy mit der Rue Paul Medinger (Bonneweg). Aldolf Omlor, geboren am 22. Mai 1847 in Saarbrücken, kam 1866 nach Bonne- weg auf Einladung seines kränkelnden Onkels August Charles, des Direktors der dortigen Handschuhfabrik. 1870 übernahm er die Leitung dieses Betrie-bes, der bald eine wichtige Rolle im Erwerbsleben der Ortschaft spielen sollte. Zahlreiche Beschäftigte, darun- ter viele Frauen, waren Heimarbeiter. Gegen Ende der achtziger Jahre führte starke Konkurrenz den allmählichen Untergang der Fabrik herbei. Diese hatte sich nämlich zu sehr auf das Her- stellen von Ziegenlederhandschuhen eingestellt, deren Export nach Amerika, dem größten Absatzgebiet, durch hohe Schutzzölle unmöglich geworden war. 1878 wurde Omlor in den Gemeinderat von Hollerich gewählt, einer Gemeinde, zu der damals Bonneweg gehörte. Er war Schöffe von 1879 bis 1892 und Mitglied des Konsistoriums der protestantischen Kirche. Nach Wiesbaden gezogen, starb er dort am 17. März 1924. Oppenheim (Rue Guido) Ver6indet die Rue de la Toison d'Or mit dem. Boulevard Pierre Dupong (Holle- rich). Guido Oppenheim wurde am 28. Mai 1862 als Sohn eines Tuchhändlers in Luxemburg geboren. Er sollte zunächst ins väterliche Geschäft eintreten, fühlte sich aber sehr bald von der Malerei ange-zogen, eine Neigung, die auch seine Familie unterstützte. Nach seinen Stu- dien in München von 1890-1894 und einem Aufenthalt in Paris von 1895-1910 ließ er sich 1912 endgültig als freischaf- fender Künstler in Luxemburg nieder. Bereits 1906 war ihm der Prix Grand- Duc Adolphe zuerkannt worden. Sein reiches Schaffen, von impressionisti-schen Einflüssen gekennzeichnet, umfaßt außer eindrucksvollen Porträts vor allem Landschaftsbilder, die in ihren gedämpften Farben und verhaltenen Tönen ein Ausdruck seiner innigen Ver-bundenheit mit der Natur sind. Am 28. Juli 1942 wurde der Achtzigjäh- rige nach Theresienstadt verschleppt, wo er den Tod fand. 1982 ehrte die Stadt Luxemburg sein Schaffen durch eine Retrospektive in der Villa Vauban. Eine vom ihm gemalte Innenansicht der alten Synagoge an der Kathedrale und dem damaligen Priester- seminar befindet sich heute in einem Jerusalemer Museum. Oradour (Rue d') Während der deutschen Besatzung: ?Gneisenaustraße". Verbindet die Avenue du Dix Septembre mit der Avenue Gaston Diderich (Belair). Oradour sur Glane, Ortschaft des Departementes der Haute-Vienne im französischen Massif Central, ging als Symbol des Naziterrors in die Geschichte ein. Am 10. Juni 1944 zerstörten bei Vergel- tungsmaßnahmen gegen Widerstands- kämpfer deutsche SS-Verbände, die zur Panzerdivision ?Das Reich" gehörten, das ganze Dorf und töteten fast sämtli- che Einwohner. Unter den 643 Ermor- deten waren 500 Frauen und Kinder, die in die Kirche eingeschlossen und mit ihr in die Luft gesprengt wurden. 27 Verbindet ie Avenue di Orange (Rue d') Verbindet Avenue du Dix Septembre mit der Avenue Guillaume (Belair). Der Name Orange (Oranien) spielte in der Geschichte unseres Landes eine wichtige Rolle, gehörten doch die Großherzöge von Luxemburg, zur Zeit der Personalunion mit Holland, dem Hause Oranien-Nassau an. Dieser Name geht auf ein ehemaliges, autonomes Fürstentum im Südosten Frankreichs, Orange, zurück. Durch familiäre Verbindungen kam es 1530 an Rene von Chalon, Prinz von Oranien und Graf von Nassau. Dieser Fürst stammte von Adelheid von Vianden ab, die 1331 den Grafen Otto von Nassau- Dillenburg geheiratet hatte und so die Grafschaft Vianden für lange Zeit in nas-sauischen Besitz brachte. Nach dem frühen Tode Renés kamen seine Güter an seinen Vetter, Wilhelm I., den Statt- halter der Niederlande. Orange wurde im Frieden von Utrecht (1713) Frankreich zugesprochen, doch blieb der Name dem holländischen Für- stenhaus erhalten und wird heute noch von ihm getragen. Als mit dem Tode des König-Großher- zogs Wilhelms III. die männliche Linie des Hauses Oranien erlosch, endete für unser Land die Personalunion mit den Niederlanden (1889).


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